Wohlhabend bleiben

Daniel Haase

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Kolumne I

Gastbeitrag von Daniel Haase, HAC VermögensManagement AG

Im Alter von 14 Jahren „investierte“ ich meine gesamten Ersparnisse von seinerzeit 2.500 DM in sechs deutsche Standardaktien. Mein wichtigstes Auswahlkriterium bestand in der kühnen Annahme, dass diese Unternehmen in der näheren Zukunft wohl nicht bankrottgehen würden. Zu geringe Risikobereitschaft oder gar Zweifel an den eigenen Fähigkeiten konnte mir damals wirklich niemand vorwerfen. Der Aktienmarkt war in den 1990er-Jahren überaus freundlich zu Börsenbullen, größere Lektionen in Demut sparte er sich für die folgende Dekade auf. Entsprechend lange dauerte es, bis ich begriff, dass eine der schwierigsten Aufgaben im Leben nicht un -bedingt darin besteht, wohlhabend zu werden, sondern vielmehr darin, wenn man es einmal geschafft hat, es unter allen Umständen zu bleiben. Aus dieser Perspektive betrachtet kommt es weniger darauf an, die höchste Performance zu erzielen, sondern darauf, in möglichst vielen vorstellbaren Zukunftsszenarien das eigene Vermögen und die damit verbundene persönliche Freiheit weitgehend zu erhalten. Das wird eine zunehmend anspruchsvolle Aufgabe. Möglicherweise ist es dabei von Vorteil, wenn man selbst schon einmal einen Systemzusammenbruch erlebt hat und ihn sich deshalb grundsätzlich leichter als andere vorstellen kann.

Aktien unverzichtbar
Das vor uns liegende Jahrzehnt konfrontiert Kapitalanleger mit einer Reihe außergewöhnlicher Herausforderungen: Am Anleihemarkt gibt es keinen risikolosen Zins mehr, wohl aber eine  Menge zinsloser Risiken. Für hochwertige Immobilien in bester Lage gilt dies im Grunde ebenso. Insbesondere für jene am politischen Horizont bereits aufflackernden Gefahren bieten die mit Immobilien hierzulande noch erzielbaren Erträge nicht einmal ansatzweise angemessene Risikoprämien. Man muss daher keine besonders spekulationsfreudige Natur sein, um sich für Aktien zu interessieren. In der aktuellen Dekade genügt es vollkommen, als Pensionskasse, Stiftung oder konservativer Privatanleger auf laufende Erträge angewiesen zu sein: Schon werden Qualitätsaktien auf Jahre hinaus zum unverzichtbaren Portfoliobestandteil.

Was treibt den Markt?
Meines Erachtens werden die globalen Aktienmärkte derzeit von zwei kraftvollen Paradigmen angetrieben. Das eine betrifft die von Schumpeter beschriebene schöpferische Zerstörung, von der seit Langem vor allem Aktien großer Technologiekonzerne profitieren. Dieses Paradigma hat den Corona-Crash schadlos überstanden und es absorbiert inzwischen einen Großteil der Aufmerksamkeit von Anlegern und Medien. Doch in seinem Schatten gewinnt seit zwei Jahren ein weiteres sukzessive an Zugkraft, welches sich mit der Zukunft der Inflation beschäftigt. Mit Abstand am stärksten profitieren hiervon Gold, Silber und Minenaktien. Für Smart-Investor-Leser mag dies ein alter Hut sein, doch das Gros der Anlegergemeinde hat die folgende Tatsache noch gar nicht registriert: Die Performance der Goldminen übertrifft bereits seit zwei Jahren jene der großen US-Technologietitel. Nun sind hochvolatile Minenaktien für konservative Anleger bestenfalls in homöopathischen Dosen verkraftbar – für sie dürfte es daher umso erfreulicher sein, dass dieses Inflationsparadigma auch die treibende Kraft hinter der breiten Erholung des gesamten Aktienmarkts sein dürfte.

Für Smart Investor berichtete Daniel Haase (geb. 1976, Mecklenburg) über zehn Jahre als freier Redakteur u.a. aus Zürich über die Internationalen Kapitalanlegertagungen. Die Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands (VTAD) zeichnete sowohl die von ihm entwickelten Methoden zur Trendanalyse (2009) als auch jene zur Aktienauswahl (2019) mit VTAD Awards aus. Seit 2015 ist der gelernte Bankkaufmann beim Hamburger Vermögensverwalter HAC als Vorstand für das Assetmanagement zuständig. Nachdem der von ihm verantwortete Marathon Stiftungsfonds (WKN: A143AM) auch den Corona-Crash erfolgreich gemeistert hatte, verliehen die Ratingagenturen FWW und Morningstar dem Fonds im Juli 2020 die bestmögliche Bewertung von fünf Sternen. Haases regelmäßiger Marktkommentar (Pfadfinder-Brief) kann unter info@hac.de kostenfrei angefordert werden.

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