Leserbriefe Oktober 2020

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Corona und Wasserstoff

?  Chefredakteur beherrscht die Mathematik nicht

Ralf Flierl setzt in seinem Editorial im Heft 9/2020 auf S. 3 die Fehlerquote der PCR-Tests von 1,4% in direkten Zusam­menhang mit der Rate der positiv Getesteten (weniger als 1,4%) und schließt daraus, dass die meisten davon also wohl Falsch- Positive seien. Dies ist so nicht korrekt, da Ihre Grundannahme falsch ist: Die Fehlerquote des PCR-Tests bezieht sich auf das Positiv-Ergebnis, d.h., 1,4% der positiv Getesteten sind falsch-positiv. Also ist nicht der große Teil der als infiziert klassifizierten Menschen falsch-positiv, sondern nur 1,4% davon.

Josef Mayer

SI:  Wir freuen uns immer sehr über Leser, die nicht alles glau­ben, was sie so lesen. Das gilt besonders für das, was im Medienmainstream steht, aber natürlich auch für unser eigenes Heft. Die Falsch-Positiven-Quote bezieht sich tatsächlich auf die Gesamtzahl der Getesteten. Nicht wir führen also die Menschen hinter die Fichte, sondern Herr Prof. Dr. Drosten, Herr Prof. Dr. Wieler samt RKI und natürlich Merkel, Spahn & Co.

Nachfolgend ein Zitat mit einem plastischen Beispiel (zur Ver­anschaulichung mit hohen Quoten) aus einer hoffentlich von Ihnen als seriös eingeschätzten Quelle:

„In einer Gruppe von 500.000 Menschen sind zehn Prozent Virus­träger. Alle werden nach einem Verfahren getestet, das eine Sensitivität von 99 Prozent und eine Spezifität von 95 Prozent hat. Real sind also 50.000 der Probanden tatsächlich infiziert. Der Test würde jedoch nur 49.500 erkennen, während er 22.500 Gesunde als infi­ziert anzeigen würde.“

Quelle: www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-test-117.html

In der Tat muss die ursprünglich von Prof. Dr. Drosten angegebene Quote von Falsch-Positi­ven von 1,4% heute deutlich niedriger sein, vermutlich unter 0,5% – aber man muss sie eben mit der Quote der positiven Getesteten vergleichen, und die liegt derzeit bei nicht ein­mal 0,8%. Im Prinzip ist also die von Ralf Flierl aufgemachte Rechnung richtig bzw. die Aussage, dass ein Großteil der positiv Getes­teten vermutlich Falsch-Positive sind (0,5% wären mehr als die Hälfte von 0,8%), ist nicht verkehrt.

?  Corona-Gefahr unterschätzt!

Ich bin ein treuer Leser Ihres Magazins und finde dort immer wieder interessante Anregungen gerade zur Thematik Geldsysteme, Geldwert, Schuldenproblematik, Edelmetalle etc. Im Fall der Corona-Pandemie bin ich jedoch völlig anderer Meinung als Sie. Ich denke, dass Sie die Gefahren, die damit einhergehen, deutlich unterschätzen.

Dr. Bernhard Ling

SI:  Wir haben an keiner Stelle behauptet, dass das Coronavi­rus nicht gefährlich ist. Aber andere Viruserkrankungen (wie Influenza) sind ebenfalls gefährlich, nicht selten mit Todes­folge (ca. 25.000 Influenza-Tote im Jahr 2018 vs. etwa 10.000 Corona-Tote anno 2020). Uns geht es um das Prinzip der Verhältnismäßigkeit, das einfach nicht mehr gewahrt wird. So liegt in Deutschland das durchschnittliche Alter eines „Corona-Toten“ („an oder mit“ Corona verstorben) bei etwa 81 Jahren, was nur ein halbes Jahr weniger ist als das Alter, welches ein durchschnittli­cher Mensch erreicht.

Smart Investor 9/2020

Aber was steht dem gegenüber? Zum Beispiel das Folgende: Bei den 50.000 aufgeschobenen Krebsbehandlungen (allein in der Lockdown-Phase) und den 2,3 Mio. sonstigen Krankenhausaufenthalten, die damals verschoben wurden, dürfte das Alter der Gestorbenen deutlich niedriger sein bzw. die Langzeitschäden die Lebenserwartung um bedeutend mehr als nur ein halbes Jahr reduzieren – ganz zu schweigen von den Selbstmorden bzw. -versuchen (Steigerungen um mehrere 100%), die vor allem jüngere Menschen betreffen, die durch die Maßnahmen in finanzielle oder sonstige Schwierigkeiten gebracht wurden. Und von den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Auswirkungen wollen wir hier gar nicht erst sprechen. Wie gesagt: Es geht um das Prinzip der Verhältnismäßigkeit – und dies wurde unserer Ansicht nach in keiner Weise beachtet.

Das Thema ist aber insgesamt sehr vielschich­tig, weshalb wir dazu zwei jüngere, hervorra­gende Internetbeiträge mit ausgewiesenen Fachleuten empfehlen wollen, die man im Mainstream vergeblich sucht und die unsere Einschätzung im Wesentlichen detailliert wiedergeben:

Vortrag von Prof. Dr. Karina Reiß:

Interview mit Prof. Dr. Martin Haditsch:

?  Die Kosten beim Wasserstoff

Vielen Dank für den anregenden Artikel zum Wasserstoff (Heft 9/2020, ab S. 6), der zwar vieles enthält, sicher aber um eine entscheidende Frage drückt, nämlich die nach den Kosten. Aber der Reihe nach: Zunächst geht der Autor auf die Gewinnung von Wasserstoff durch die chemisch-physikalische Aufspaltung von Methan (CH4) ein. Methan ist der Hauptbestandteil des Erdgases. Es ist in großen Mengen vorhanden, versorgungssicher und preiswert. Der Herstellungsprozess ist seit Langem etabliert und ausgereift; am Ende steht ein Marktpreis. Dass die „Energiewender“ diesen Wasserstoff „grau“ nennen, ist perfekte Sprachpolitik.

Ganz anders ist die Lage dagegen in grünen Fantasiewelten: Der Strom durch Wind und Fotovoltaik ist extrem volatil. Leistungsspitzen und Flauten liegen dicht beieinander. Nun wollen die Energiewender den Überschuss aus den Stromspitzen verwenden, um damit Wasser elektrolytisch zu spalten, den so gewonnenen Wasserstoff zu speichern, um ihn dann bei Bedarf (eventuell eine halbe Stunde später) in Motoren oder Turbinen zu verbrennen, um damit Generatoren anzutreiben. Sie erhalten dann wieder das, was Sie vorher hineingesteckt haben, nämlich subventionierten Strom, allerdings noch einmal deutlich finanziell veredelt.

Bei jeder Energieumwandlung gibt es Verluste, in unserem Fall mindestens 60%. Anders ausgedrückt: Der Wirkungsgrad liegt bei maximal 40%. Folgen mehrere Umwandlungen nacheinander, d.h., Strom wird zu Wasserstoff und Wasserstoff wieder zu Strom, dann multiplizieren sich die Wirkungsgrade: 0,40 x 0,40 = 0,16, d.h., am Ende sind von 100% Inputstrom nur noch 16% übrig. Wie viel teurer der Strom dadurch wird, kann im herrschenden Chaos niemand beantworten. Und Sie machen sich große Mühe mit Ihren Anlagetipps, doch Linde, AIR LIQUIDE u.a. werden nur dabeibleiben, solange sie Subventionen abgreifen können. Aber warum so verzagt? Ich glaube, da helfen nur Provokationen: Setzen Sie auf Zukunft, Si­cherheit und Ertrag, empfehlen Sie doch den Uranförderer Ka­zatomprom – das beruhigt.

Rüdiger Ohl

SI:  Was sollen wir sagen? Ja, an der widerborstigen Physik kommt man nicht einmal mit ausgefeiltem Neusprech vorbei. Aber wo so viel Geld verdient wird wie bei der Energiewende, finden sich genügend, die schönreden, was nicht schönzureden ist. Beispiel: Natürlich erschrickt man bei dem von Ihnen ausgerechneten Wirkungsgrad von nur 16% für die Umwandlung „erneuerbarer“ Energiespitzen in „grünen“ Wasserstoff und die anschlie­ßende Rückwandlung. Also vergleichen wir das doch einfach mit dem ansonsten drohenden Totalverlust dieser Energiespitzen – und siehe da: Die Verbesserung durch die Maßnahme wäre der­art gigantisch, dass sie mathematisch nicht einmal definiert ist.

Das Thema Wasserstoff haben wir übrigens auch deshalb aufge­nommen, weil in unserem Leserkreis in dieser Hinsicht großes Interesse bestand – nicht zuletzt aufgrund der stark gestiegenen Kurse zahlreicher Aktien aus diesem Bereich. Die von Ihnen erwähnte Kazatomprom war in der Juliausgabe sogar unsere „Aktie im Blickpunkt“.

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