Leserbriefe November 2020

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Great Reset und Krall

? Great Reset, und dann?
Als Naturwissenschaftler habe ich den SI abonniert, um die Wirtschafts- und Finanzthemen besser verstehen zu können. Die aktuelle Ausgabe 10/2020 brachte mich an meine Verständnisgrenzen – vor allem das Interview mit Dr. Markus Krall und der Artikel „Great Reset“ machten mir zu schaffen. Ich fühle, dass mit diesem „Neustart“ große Veränderungen auf mich als Bürger zukommen, kann diese Veränderungen (Geld-, Fiskal-, Schuldenpolitik, Geldschwemme durch die Zentralbanken, Null-Negativzinsen etc.) aber noch nicht recht erfassen: vor allem, was diese Veränderungen für mich bedeuten und wie ich mich ­dagegen schützen soll. Eines habe ich schon verstanden: Das wertlose Papier­geld muss man gegen Sachwerte tauschen. Aber das kann nicht alles sein. Ich schreibe Ihnen heute mit der Bitte, in den zukünftigen Ausgaben verstärkt auf das Thema „Great Reset“ einzugehen – vor allem, was die Folgen für uns einfache Bürger sind.

Dr. Karl Ibinger

SI: Als Smart-Investor-Abonnent sollte Sie das Thema „Great Reset“ eigentlich nicht überrascht haben: Wir bringen doch immer wieder Artikel, in denen die „globalistische Agenda“ aufgezeigt wird. Durch das gekaperte Geldsystem in Verbindung mit einer sozialistischen Politik werden die Menschen im ­weiteren Sinne versklavt. Dr. Markus Krall hat das in seinem Interview (ebenfalls in Ausgabe 10/2020) sehr deutlich dargelegt. Und auch in Sachen mögliche Schutzmaßnahmen finden Sie im Smart Inves­tor immer wieder Artikel, insbesondere in unseren Kapitalschutzreports wie in dieser Novemberausgabe.

? Totale Überwachung?
Sollte „Der Great Reset für die Globalisierung“ in SI 10/2020 ein Lesertest sein, ob noch jemand wach ist? Ein Kernpunkt des Arti­kels suggeriert doch im Umkehrschluss, dass man ohne digitale Identität in Zukunft immer weniger am Leben wird teilnehmen können. Totale Überwachung also!? Davon ­abgesehen klingt es in dem Artikel so, als ob der Menschheit „Great Reset“ als neues Label für die Lösung aller Probleme eingetrichtert werden soll, um so den Handlungsspielraum von Politik und Notenbanken unendlich erweitern zu können. Stellt sich die Frage, ob die „coronabegründeten“ Maßnahmen ­angemessen waren und v.a. jetzt noch sind. Das größte Versagen sehe ich jedoch darin, dass die Politik ihre Hausaufgaben seit Beginn der ­Finanzkrise 2008 nicht erledigt hat. Man hätte sonst finanzielle Spielräume gehabt, das Virus auszusitzen und dann im kleinen Rahmen ­vernünftige Anpassungen im Bürgersinne vorzunehmen, anstatt sich nun ­einen Umbruch – den Great Reset eben – durch die ­Eliten diktieren lassen zu müssen. In Anbetracht dessen, was der Menschheit da eingetrichtert werden soll, wird es schon wieder Zeit für den Wechsel der Grußformel. Bleiben Sie gerne auch ­gesund, aber vor allem: Bleiben Sie wachsam!

Adam Punsch

Smart Investor 10/2020

SI: Sie leiten aus dem Artikel unserer Ansicht nach die richti­gen Fragen ab bzw. ziehen die richtigen ­Schlussfolgerungen. In der Tat sehen wir das ganze Problemfeld als Folge einer unfähi­gen (oder gar böswilligen?) Politik, einer willfährigen (oder gar kor­rumpierten?) Mainstreampresse und einer in großen Teilen schlafenden Bevölkerung. Insofern würden wir Ihre Schlussformel, die auch schon der bekannte deutsche Liedermacher Reinhard Mey thematisiert hat, gerne hier wiederholen: „Sei wachsam!“

? Immer weiter so?
Die Bilanzierungsvorschriften wurden im Zuge der ­Corona-Krise ausgesetzt, dazu sagt Dr. Krall in Ihrem Interview: „Damit habe ich in dieser Brutalität nicht gerechnet …“ Es ist auch weiterhin davon auszugehen, dass Notenbanken und Regie­rungen Bilanzierungsrichtlinien bei Bedarf ändern werden. Vielleicht werden die Schulden von ansonsten pleite­gehenden Zombieunter­nehmen ausgelagert und auf die Bilanz der Zentralbank ­genommen. Natür­lich geht ein solches Vorgehen mit einem enormen Vertrauens­verlust in das Geld einher, aber erst einmal wäre der Offenbarungs­eid ­wieder verschoben. Weitere Maßnahmen ­stecken sicher in den Schubladen der genannten Institutionen. Gemäß Dr. Krall setzt Inflation dann ein, wenn mehr schlechte Assets in den ­Büchern der EZB sind, als der Wert des BSP eines ­Jahres ausmacht. Von Schulden in Höhe des BSP sind wir im Moment noch deutlich entfernt. ­Zudem stellt sich die Frage, ob die ­Schuldentragfähigkeit bei einem Zins von null (oder sogar darunter) für die Staaten nicht eine höhere ist als zu ­Zeiten der Weimarer Republik, also vor fast 100 ­Jahren. Japan hat z.Zt. in der Notenbankbilanz schlechte Assets (Staatsanleihen Japans bei einer Verschuldung von mehr als 250%) von ca. 130% des BSP, von einer deutlich steigenden Inflation ist dort noch nichts zu sehen. Dass sich Regierungen und die EZB ­immer wieder Neues einfallen lassen, um den ­Euro zu „retten“, zeigen auch die neuerlichen Bemühungen, einen digi­talen Euro einzufüh­ren. Auch damit wird man vielleicht den Zeit­punkt des Zusammenbruchs weiter in die Zukunft verschieben. Aufhalten wird man ihn nicht können, sondern sogar mit diesen Maßnahmen die Absturzhöhe massiv vergrößern. Insofern wird Dr. Krall am Ende wohl recht behalten.

Karl-Hans Bubis

SI: Die Politik samt Zentralbanken können vermutlich durch einige weitere Maßnahmen den Systemcrash noch einige Zeit nach hinten schieben. Was genau man sich dazu noch einfal­len lassen wird, dürfen wir in den kommenden Monaten bestaunen. Im Endeffekt wird es jedoch immer mit der Gelddruck­maschine geschehen – wie eben jetzt auch schon. Allerdings ­sollte man auch die Möglichkeit nicht aus den Augen verlieren, dass die Politelite sozusagen gewaltsam und vorzeitig einen „Great Reset“ herbeiführen wird, wie dies unser Gastautor Dr. Daniel Hoffmann im Heft 10/2020 auf S. 26 skizziert. Die aktuellen und weltweiten „Corona-Maßnahmen“ deuten aus unserer Sicht derzeit eher in diese Richtung. So oder so: Dr. Krall wird am Ende vermutlich recht behalten.

? Anonymität auch in Zukunft gegeben?
Als treuen Leser Ihres hervorragenden Magazins ­beschäftigt mich die Frage des Endes der Anonymität bei einem Verkauf infolge der Ausweispflicht. Folglich liegt die Vermutung nahe, dass das Finanzamt den Goldhalter kennt und z.B. im Falle eines Goldverbots oder irgendeiner Abgabe leichtes Spiel hätte. ­Hierzu konnte ich noch keinen Hinweis in Ihrem Heft finden.

Claus Redling

SI: In der Tat haben wir den Verkauf des Goldes noch nicht behandelt. Letztendlich sehen wir die Anlage in Edelmetal­len als Schutz gegen die Wirren in diesem Finanzregime – und eigentlich gehen wir davon aus, dass dieses Regime nicht ewig hält. Edelmetalle sehen wir also als anonymen Vermögensschutz, bis wieder gute Verhältnisse herrschen. Vorher sollte man Edelmetalle auch nicht verkaufen.

Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen. Je ­kürzer ein Leserbrief (bitte mit Namen und Ort), desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er an dieser Stelle abgedruckt und beantwortet wird. Leserbriefe bitte an info@smartinvestor.de oder an die im Impressum angegebene Postadresse senden.

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