Leserbriefe Dezember 2020

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Kapitalschutz, Edelmetalle und Derivate

? Mulmiges Gefühl
Bei der Lektüre Ihres Kapitalschutzreports in Ausgabe 11/2020 ist es mir ehrlich gesagt ziemlich unwohl geworden. Wenn das alles so stimmt, was Sie da schreiben, dann gehen wir ungemütlichen Zeiten entgegen. Ich frage mich aber, warum andere Publikationen nicht in dieser Deutlichkeit diese Themen ­behandeln. Und weiterhin frage ich mich, ob Schutz vor den in dieser Ausgabe angesprochenen Gefahren überhaupt (noch) möglich ist.
Herbert Fortner

SI: In der Tat ist es aus unserer Sicht – und zwar schon seit einiger Zeit, lesen Sie dazu bitte auch die Kapitalschutzreports der letzten Jahre – absehbar, dass die bisherige „Wohlfühl­demokratie“ und auch der Rechtsstaat bald nicht mehr so ­gegeben sein werden, wie wir das von früher her kennen. Der Änderungsentwurf mit dem neuen § 28a des Infektionsschutzgesetzes, der vermutlich am 18.11. vom Bundestag verabschiedet sein wird, führt z.B. zu massiven und vermutlich auch dauerhaften Einschrän­kungen der Grundrechte. Und was kommt dann als Nächstes? Die ungeheuerlichen Staatsdefizite, die logischerweise aus den derzeitigen Corona-Maßnahmen folgen, werden ganz zwangsläu­fig auch zu enormen Eingriffen in das Vermögen und Einkommen der Bürger führen. Kurz gesagt: Freiheit und Eigentum – also die Basis unserer Gesellschaftsordnung – stehen auf dem Spiel. Ob und inwieweit es adäquaten Schutz noch gibt, kann per heute kaum beantwortet werden. Mögliche Optionen hatten wir aber in Ausgabe 11/2020 aufgezeigt. Warum Sie in anderen Publi­kationen wenig oder nichts über diese Entwicklungen lesen ­können, das sollten Sie die entsprechenden Verantwortlichen fragen. Wir bei Smart Investor beklagen schon seit vielen Jahren eine Entwick­lung hin zu einem „Gesinnungsjournalismus“ – d.h., politische Entwicklungen werden kaum oder mit zu wenig Nachdruck von der Presse hinterfragt, womit sie ihre Funktion der „vierten ­Gewalt“ im Staate aufgegeben hat.

Smart Investor 11/2020

? ETFs auf Edelmetallaktien?
Ich würde gerne über ETFs in den Bereich Edelmetalle einsteigen. Dazu gab es im Smart Investor wohl auch schon Empfeh­lungen. Wichtig ist mir eine Mischung aus Silber- und Goldfirmen, eventuell ein ETF auf etablierte Firmen und ein ETF auf Explorer. Können Sie mir weiterhelfen?
Stefan Dorr

SI: Viel Auswahl haben Sie als deutscher Anleger bei ETFs auf Minenunternehmen ­leider nicht. Wir können hier die beiden Standardprodukte VanEck Vectors Gold Miners UCITS (WKN: A12CCL) und VanEck Vec­tors Junior Gold Miners UCITS (WKN: A12CCM) empfehlen, wobei der erste ETF die großen Werte, der zweite die Aktien eher kleinerer und mittelgroßer Gold- und Silberförderer enthält. Der Anhang UCITS bei den ETFs ist insofern wichtig, als dies die Tranche bezeichnet, die vom Inland aus verwaltet wird und eine EU-Vertriebszu­las­sung hat. In den USA finden sich zwei ETFs von Silberförderern mit den US-Kürzeln SIL und SILJ und mit Sicherheit noch ­einige weitere ETFs. Diese kann man zwar als deutscher Anleger ­kaufen – es wird aber wegen möglicher steuerlicher Probleme nicht empfoh­len, denn sie haben keine Vertriebszulassung für die EU.

Ein von Ihnen nachgefragter ETF auf kleinere Explorer wäre ­sicher wünschenswert, ist aber wegen der geringen Handelsvolumen dieser Aktien nicht darstellbar. Diese Aktien lassen sich in den benötigten Mengen zu adäquaten Kursen weder kaufen noch verkaufen. Ein Ausweg könnte der in unserer Ausgabe 10/2020 auf S. 48/49 beschriebene Erwerb von börsennotierten Royalty- und Streaming-Beteiligungsunternehmen sein, welche v.a. in Juniorminen und Explorern investieren. Im Gegensatz zu ETFs verkaufen diese Beteiligungsgesellschaften, wie z.B. EMX Royalty (WKN: A2DU32), in der Regel ihre Beteiligungen nicht, ­sondern halten sie meist über Jahre hinweg. Die Größe der Beteiligungsminen spielt hierbei keine Rolle.

? Verluste mit Derivaten
Ich sorge mich um das Gold-S+P-­Ratio-Zertifikat mit der WKN SG6C9T, welches Sie auch in Ihrem Musterdepot haben (wurde am 12.11. verkauft; Anm. der Red.). Ich hatte schon ein paar ähnliche Zertifikate und Optionsscheine – und immer verlo­ren. Dann machte ich folgendes Experiment: Ich kaufte virtuell jedes Mal einen Call und zugleich einen Put mit dem gleichen Hebel. Das Ergebnis nach einem halben Jahr: Der Emittent ­gewinnt fast immer, der Halter fast nie (von kurzzeitigen ­Chancen abgesehen). Auch wird in ­schwierigen Märkten immer wieder kein Briefkurs gestellt. Nach dieser näheren Betrachtung hatte ich mich von diesem Zeug, ob mit oder ohne Hebel, ­verabschiedet. Einzig das oben eingangs erwähnte Zertifikat bekam nochmals eine Chance. Nun sehe ich aber auch hier, dass über längere Zeit der Basiswert steigt und das Zertifikat trotz Hebel fällt. Ist das Zertifikat überhaupt länger­fristig haltenswert?
Hans Frey

SI: Es liegt in der Natur von Optionen bzw. Optionsscheinen, dass sie ihren Zeitwert abbauen. Genau das haben Sie bei Ihrem Experiment festgestellt – und das muss auch rechnerisch so sein. Anders sieht es aus bei Knock-out-Zertifikaten, die zumindest faktisch (nicht aber rechtlich) wie Futures ­gestaltet sind. Wenn diese aber „open end“ gestaltet sind, verlieren auch sie mit der Zeit an „innerem Wert“.

Bei der Kategorie der Alphazertifikate wie dem Gold-S+P-­Ratio-Zertifikat wird die relative Performance vom Basis- zum Vergleichswert ermittelt, hier also von Gold gegenüber dem S&P. Aber tatsächlich sind die Erwartungen der Anleger und auch unse­re nicht erfüllt worden. Deswegen werden auch kaum noch neue Produkte mit dieser Zertifikatestruktur emittiert. Mit dem genannten Produkt konnte man seit Emittierung nur kurzfris­tig Gewinne erzielen, für Buy and Hold ist es wenig ­­geeignet – Letzteres hatten auch wir unterschätzt. Das Hoch vom April 2017 wurde nicht mehr erreicht. Wenn man sich den Chart anschaut, waren die Phasen mit guter Performance beim Zertifikat die­jenigen, in denen es an der Börse stark nach unten gegangen ist, wie im März beim Corona-Crash im Frühjahr 2020.

Zur Performancethematik kommt auch die von Ihnen genannte Preisstellung durch den Emittenten, die bei solchen Zertifikaten – zumindest auf lange Sicht – immer zulasten des Anlegers geht. Aufgrund beider genannten Punkte haben wir dieses Zertifikat am 12.11. über unseren Newsletter „Smart Investor Weekly“ aus unserem Musterdepot verkauft.

? Die Zahl der Zombies
Über Smart Investor bin ich auf Dr. Markus Krall und seine Thesen bzgl. der Zombieunternehmen gestoßen. Es klingt sehr schlüssig, was er herleitet. Nun bin ich aber auf www.atypischstill.com auf einen Artikel gestoßen, der mich zum Nachdenken über Dr. Kralls Datenauswertung bringt. Was ­halten Sie davon?
René Jugler

SI: Die Inhalte auf der von Ihnen genannten Website halten wir für ziemliche Desinformation. Wenn sich jemand schon auf die staatlich finanzierte „Meinungspolizei“ CORRECTIV oder den „Hofökonomen“ Bofinger bezieht, dann ist uns schon klar, woher der Wind weht.Natürlich gibt es jede Menge Zombies! Zinszahlungen sind ein wichtiger Kostenblock bei Unternehmen. Wenn die Zinsen künstlich nach unten gedrückt werden, dann können viele überschuldete Unternehmen überleben, die es in einer normalen Zinslandschaft nicht könnten. Man kann darüber streiten, ob das nun 15% ­waren, wie von Dr. Krall behauptet. Aber nach ­Corona werden es garan­tiert noch sehr viel mehr sein. Das ­Ganze kann allenfalls noch mit Geld aus dem Nichts zugedeckt werden, was ja auch bereits geschieht. Doch Fiatgeld führt immer in die Finanzkatastrophe! Das haben wir schon zigmal heraus­gearbeitet in unseren Artikeln. Leute wie Bofinger ­argumentieren nach dem Prinzip „Das Geld kommt aus dem Automaten“, ist ­also beliebig vorhanden. Dieses Argument widerspricht den Natur­gesetzen. Das wäre so, als ob jemand behauptet: Wasser fließt aufwärts. Auf dieser ­These kann man zwar ganze Theoriegebilde errichten – sie werden aber allesamt falsch sein.

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