Leserbriefe Januar 2021

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Zu viel oder zu wenig Politik?

? Zu politiklastig!
Als der Smart Investor als „Magazin für den kritischen Investor“ startete, war der Schwerpunkt der Artikel auf (alter­native) Anlageentscheidungen ausgerichtet. Es fanden sich viele Anlageideen, die vom Mainstream abwichen und durchaus erfolg­versprechend waren. Diese Zielsetzung ist jedoch immer mehr verloren gegangen: Ich verstehe nicht, warum Sie in jedem Heft über die Österreichische Schule schreiben. Deren Grundidee ist für mich schnell mit dem Wirtschaften der schwäbischen ­Hausfrau erklärt: „Gib nicht mehr aus, als Du einnimmst.“ Ich kann aus diesem Teil des Heftes für mich keine Anlageentscheidungen ablei­ten. Meinem Empfinden nach ist Smart Investor im Laufe der Zeit zu einem politischen Magazin geworden, was sich z.B. an Ihrer laufenden Kritik an der Bundesregierung äußert.
Dr. Albert Schatz

SI: Ist Smart Investor politischer geworden? Vermutlich – aber die Börsen und die Wirtschaft sind es doch auch. Der „Zaubertrick“ des staatlich forcierten nimmer endenden Gelddruckens ist zum Haupteinflussfaktor für die Börsen geworden. Insofern ist beides, Staat und Börse, aus unserer Sicht nicht mehr voneinander zu trennen. Die logische Konsequenz daraus ist ­daher unsere Beschäftigung mit dem Crack-up-Boom, der genau ­diese beiden Ebenen miteinander verbindet und es auch erlaubt, ­daraus Schlüsse für Investments zu ziehen.

Smart Investor versteht sich als allgemeines Anlegermagazin, in welchem auf verschiedene Themen und auch auf verschiedene Aspekte eingegangen wird, teilweise auch recht kontrovers. Die obersten Prämissen sind dabei Eigentum und Freiheit, also die Grundbausteine einer gesunden Gesellschaft – und nichts anderes propagiert die Österreichische Schu­le. Wer sich für Politik nicht interessiert, der muss die entsprechenden Artikel ja nicht lesen, sondern findet im Heft auch jede Menge andere Artikel, in denen es ausschließlich um Investmentthemen geht. Die poli­tische Ebene dient unserer An­sicht nach aber zur Einordnung in das größere Bild.

? Es lebe die Meinungsfreiheit!
Als langjähriger Smart-Investor-Abonnent ­möchte ich mich auf diesem Weg ­explizit für das Editorial, die Artikel zur österreichischen Perspektive auf die Pandemie, Corona – ­Angriff auf die Freiheit, Löcher in der Matrix und für das Potpourri „The Great Reset“ in der Ausgabe 12/2020 bei Ihnen bedanken. In ­einer Zeit, in der die Politik und von ihr abhängige und willfährige Leitmedien eine Einheitsmeinung zu etablieren versuchen, sind kritische und gut recherchierte Inhalte wichtiger denn je. Neben den aufgezeigten interessanten Investitionsmöglichkeiten ist ­genau das ein Alleinstellungsmerkmal Ihres Magazins und ein gewichtiger Grund, dieses zu abonnieren. Machen Sie bitte so weiter! Ich schließe mich ausdrücklich Ihrem Chefredakteur an: Es ­lebe die Meinungsfreiheit!
Raimund Herkorn

Bild: © Animafl ora PicsStock – stock.adobe.com

SI: Kommentare wie Ihrer freuen uns. Tatsächlich ist es so, dass wir für unsere Statements z.B. zum Great Reset, zu Corona oder zur US-Wahl vielfach kritisches Feedback bekommen. Die Masse der Menschen wird durch die ­Hauptstrommedien dermaßen eingenordet, dass einige mit unseren teils recht gegensätzlichen Betrachtungen oftmals überfordert scheinen. Dabei wollen wir noch nicht einmal unsere Leser überzeugen oder gar bekehren: Vielmehr geht es uns darum, eine zweite Meinung aufzuzeigen, was ja gerade im Börsengeschehen oftmals nicht ganz unwichtig ist. Einerseits bleiben wir dadurch unserem Motto „Das Magazin für den kritischen Anleger“ treu, andererseits liegt es uns fern, mit den Wölfen zu heulen, nur weil das der bequemere Weg ist. Insofern freuen wir uns über Leser wie Sie, die uns und unsere Mission verstehen.

? Steuerliches zu einem Schweizer Depot
Bzgl. eines Depots in der Schweiz habe ich eine Frage: Kann der deutsche Staat ein Aktiendepot einer Bank innerhalb der EU prinzi­piell beschlagnahmen/enteignen? Bietet ein De­pot in der Schweiz neben einer besseren Währungssicherheit auch weitere Sicherheit bzgl. des Zugriffs des deutschen Staates? Natür­lich ist mir klar, dass die Steuer aus dem Schweizer Depot ­regulär abgeführt werden muss.

Und die zweite Frage: Wenn ich meinen Erstwohnsitz ins Ausland verlege, gelten dann die steuerlichen Regelungen des Erstwohnsitzes beim Verkauf von Aktien, oder werden ­Gewinne noch in dem Land versteuert, wo man die ­Aktien gekauft hat?
Almut Euler

SI: Wir baten unseren Interviewpartner Christoph Heuermann aus Heft 11/2020 (Kapitalschutzreport), Ihren Leserbrief zu beantworten, da wir ihn als Spezialisten für Ihre Fragen erach­ten. Nachfolgend seine Antwort:

Grundsätzlich sind Wertpapiere in der Schweiz wesentlich besser ­geschützt als in EU-Ländern. Zwar bestehen Abkommen zum Austausch von Informationen und Amtshilfe, eine direkte Pfändung oder Enteignung in der Schweiz ist aber nicht möglich. Hier müsste ­zuerst ein Gerichtsbeschluss/Gesetzesvorhaben in der Schweiz durchgebracht werden, was als unrealistisch, da fatal für den Schweizer ­Finanzplatz, angesehen werden kann. Auch ohne absolutes Bankgeheimnis bleibt die Schweiz wegen ihres dezentralen politischen Systems, vergleichsweise geringer Staatsverschuldung und starker Währung deshalb ­eine solide Wahl zur Vermögensverwaltung.

Die Besteuerung von Kursgewinnen von Aktien richtet sich rein nach dem Steuerwohnsitz. Da es aktuell keine Wegzugsbesteuerung auf Aktien gibt, könnte man tatsächlich nach Wegzug in Länder wie die Schweiz, Niederlande, Malta oder Zypern (u.a. steuerfrei auf Kursgewinne, wenn nicht gewerblich) diese steuerfrei veräußern. Falls die Wertpapiere noch auf einem deutschen Depot liegen, können diese mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung von der Steuer freigestellt werden. Dazu ist ein formloser Antrag mit Wohnsitznachweis ­nötig. Dividenden unterliegen hingegen immer der Quellensteuer im Land des Firmensitzes der Aktie und werden je nach hinterlegtem Steuerwohnsitz und Doppelbesteuerungsabkommen reduziert (oder auch nicht) bzw. es kann eine Erstattung auf Antrag direkt in den ­jeweiligen Ländern erfolgen.


Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen. Je kürzer ein Leserbrief (bitte mit Namen und Ort), desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er an dieser Stelle publiziert und beantwortet wird. Leserbriefe bitte an info@smartinvestor.de oder an die im Impressum angegebene Postadresse senden.

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