Leserbriefe Februar 2021

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Fragen und Statements

? Vorstellung der freien Autoren
Die Idee, Ihre freien Autoren mal eigenständig ihre persön­lichen Aktien und Fondsfavoriten vorstellen zu lassen, fand ich witzig. Insbesondere, weil man nun auch Gesichter zu den Auto­ren­namen hat, die man immer wieder unter den Artikeln liest. In der Tat war mir nicht bewusst, dass die meisten Ihrer ­Autoren gar nicht an Ihrem Redaktionssitz beheimatet sind, zwei sogar im weit entfernten Ausland. Gerne mal wieder eine solche Aktion!
Sven Maßner

SI: Sie sind nicht der einzige Leser, dem diese Idee gefallen hat. Unsere Vorstellungsaktion schreit also nach Wiederholung – vielleicht im letzten Heft des neuen Jahres. Übrigens haben wir die zwei präsentierten Favoriten unserer ausländischen Autoren, nämlich Taiwan Semiconductor und Einhell, zuletzt auch in unser Aktienmusterdepot aufgenommen.

? Analystensentiment
Als langjähriger Abonnent habe ich schon in Ihren ­­früheren Kapitalmarktausblicken Ihre Behandlung des ­Analystensentiments wahrgenommen (auf S. 33 in Heft 1/2021; Anm. d. Red.). Was ich mich dabei aber schon immer frage: Kann man aus den Jahres­endschätzungen von Researchhäusern tatsächlich auf den Stand der Börse bzw. des DAX in einem Jahr schließen? Mir erschließt sich hier irgendwie nicht der kausale Zusammenhang. Haben Sie mal im Nachhinein diese Methode einer Erfolgsprüfung unterzogen?
Irenäus Bakoc

SI: Diese Analysemethode geht auf den bekannten amerikani­schen Investor Ken Fisher zurück. Der Hintergrund ist relativ einfach: Analysten geben mit ihrer Einschätzung im ­Mittel ungefähr die allgemeine Einschätzung der Anleger wieder. Die Börse hat aber die Tendenz, die an sie gerichtete Erwartung eben nicht zu erfüllen, denn die Erwartungen sind ja schon in den aktu­ellen Kursen eingepreist. Insofern gibt eine solche ­Auswertung, wie wir sie in jedem Jahresendheft präsentieren, einen groben Anhaltspunkt, was vermutlich nicht passieren wird. Das von den Analysten geschätzte DAX-Plus von knapp 9% bis 31.12.2021 sollte also entweder deutlich unter-, oder aber überschritten werden. Im Großen und Ganzen hat diese grobe Methode in den letzten Jahren schon funktioniert, wenngleich der Aussagegehalt natürlich überschaubar ist.

? amaysim Australia
Ich habe immer noch ein paar Aktien der amaysim Australia im Depot. Ich war damals der Aufnahme dieses Titels in Ihr Musterdepot gefolgt, da die Aussichten vielversprechend ­waren und eine hohe Dividende gezahlt wurde. Dann hatten sich ja ­leider die Geschäftsaussichten ­verdüstert, die Dividende wurde gestrichen und der Kurs verfiel. Ein wenig ist der Kurs nun wieder nach oben gekommen, auf etwa ein ­Drittel meines Kaufwerts. Da Sie amaysim aus dem Musterdepot mit großem Verlust verkauft haben, ist inzwischen wohl keine Bespre­chung mehr im Heft erschienen. Zu meiner Frage: Es liegt ­aktuell ein Übernahmeangebot der WAM Capital Ltd. vor. Wie ­beurteilen Sie dieses? Wie würden Sie damit umgehen?
Sascha Koch

SI: Das Angebot hat vor allem für nicht-australische Anleger einen steuerlichen Hintergrund. WAM Capital ist eine börsennotierte australische Gesellschaft, die wie ein Fonds agiert und in australische Aktien investiert. Geboten wird nach einer Nachbesserung des Angebotes jetzt eine WAM-Aktie für 2,675 amaysim-Aktien, was ca. 0,85 AUD je ­Aktie oder 0,70 AUD in Cash entspricht. amaysim selbst plant, die Firma nach dem ­Verkauf des operativen Geschäfts zu liquidieren und den Erlös von ca. 0,67 bis 0,70 AUD je Aktie aus­zuschütten. Da dies jedoch teilweise besteuert werden muss und für Ausländer zusätzlich Quellen­steuer anfällt, wird es vermutlich attraktiver sein, entweder das Cashangebot von WAM anzu­nehmen oder das Angebot in ­Aktien und diese anschließend zu verkaufen.

? Politische Statements erwünscht
Ich habe gesehen, dass aus Ihrem Leserkreis wohl gelegent­lich kritisiert wird, dass im Smart Investor politische Themen zuneh­mend Raum gewinnen. Lassen Sie sich aber bitte nicht ­davon abbringen, denn Sie spiegeln ja damit nur den zunehmenden Einfluss wider, den die Politik auf die Wirtschaft und damit auch auf die Finanzmärkte ausübt. Eben aus diesem Grund sind für Anleger nicht nur Anlagetechnik und Unternehmensdaten wichtig, sondern zunehmend auch die Einschätzung der politischen Rahmenbedingungen und deren vermutliche Entwicklung. Und gerade deshalb empfinde ich Ihre Alternative zur überall abruf­baren Massenmeinung als besonders hilfreich. Also bitte: Machen Sie weiter so!
Boris Langemann

SI: Danke für Ihr Statement! So ähnlich haben wir das auch von anderen Lesern vernommen. Das bestärkt uns in unse­rer Sicht, dass Politik und Wirtschaft/Börse nicht voneinander zu trennen sind – heutzutage noch weniger als früher. Insofern bleiben wir auch weiter unserer Linie treu.

? Zwei Tranchen mit völlig unterschiedlicher Performance?
Ich habe mir von Gunter Burgbacher, der den AfB verantwortet, das Video angesehen, welches in Ihrem ­Newsletter verlinkt war. Daraufhin habe ich mir die Kurse der beiden Tranchen, die es zu diesem Fonds gibt, angeschaut. Die Retailtranche mit der WKN A2PE00 weist Kosten von 1,8% p.a. aus. Die Wert­entwicklung seit Auflegung am 1.1.2019 beträgt +24%. Die ins­titutionelle Tranche mit der WKN A2JQJC kostet aber nur 1,57% p.a. und die Wertentwicklung beträgt dagegen +34%! Wie ist das möglich? Haben Sie dafür eine Erklärung?
Dietmar Pörstel

SI: Die institutionelle Tranche wurde zum 2.1.2019 aufgelegt. Zu Beginn war diese für alle Interessenten frei erwerbbar; seit dem 22.5.2019 beträgt die Mindestinvestition allerdings 25.000 EUR. Die Retailtranche wurde zum 22.5.2019 im Nachgang aufgelegt, ist für alle Interessenten frei erwerbbar und es gibt keine Mindestanlagesumme. Die Wertentwicklung beider Tranchen ist also ab dem 22.5.2019 nahezu identisch, bis auf die Differenz bei den laufenden Kosten. Der große Unterschied liegt also an der späteren Auflage der Retailtranche. Wegen der nicht vorhandenen Anforderung der Mindestanlage haben wir die Retailtranche in unser Fondsmusterdepot aufgenommen.

? ZDF schießt gegen Polleit
In der ZDF-Sendung „Die Goldhändler von Degussa – AfD-Geschäfte und rechte Gesinnung“ vom 12.1.2021 wurden die Namen mehrerer Herren genannt, die mit Degussa Goldhan­del und dem Ludwig von Mises Institut zu tun haben. Einer der Herren ist Prof. Dr. Thorsten Polleit. Nun habe ich im Smart Investor 1/2021 ein Interview mit Herrn Prof. Dr. Polleit gelesen. ­Gerne würde ich wissen, wie diese Zusammenhänge zu ­sehen sind.
Gerhard Stock

SI: Dieser ZDF-Beitrag war nach unserer Auffassung ein ­echter Tiefpunkt des Journalismus. Einen überzeugten Anhänger des Liberalismus und der Österreichischen Schule wie Herrn Prof. Dr. Polleit über mehrere Ecken mit dem Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen ist einfach nur ehrabschneidende Agitation. Auf die Idee, die braune Spielart des Sozialismus habe irgendwelche Schnittmengen mit dem kompromiss­losen Liberalen Ludwig von Mises – wie der ZDF-Beitrag insinuiert –, kann man wohl nur kommen, wenn das eigene Koordinatennetz so weit nach links verschoben ist, dass alles, was nicht explizit links/sozialistisch ist, irgendwie rechts sein muss. ­Richtig ist, dass Ludwig von Mises Zeit seines Lebens einer der klügsten und wortgewaltigsten Gegner jeder Art von Sozialismus war. Auch das vom ZDF verwendete Wort „marktradikal“ ist ein Kampfbegriff, mit dem inzwischen Anhänger der Marktwirtschaft verunglimpft werden. Aus dem Mund von Menschen, die ihren Lebensunterhalt auf der Basis von Zwangsgebühren ­bestreiten, klingt der Vorwurf der „Marktradikalität“ allerdings nicht sonder­lich überzeugend.

Bezüglich unseres Interviews mit Prof. Dr. Polleit zum Thema „Sozialismus vs. Kapitalismus“ im Heft 1/2021 erreichte uns ein längerer kritischer Leserbrief von Johann Brandmeier, der sich mit dessen inhaltlichen Aussagen auseinandersetzt. Wir baten Herrn Prof. Dr. Polleit daraufhin um eine Stellungnahme. Aus Platzgründen finden Sie diese sowie den Leserbrief in der ­Rubrik „Österreichische Schule“.

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