„Am Ende zählt die Qualität“

Gabriele Hartmann

ARTIKEL TEILEN

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on email
Email

Interview

Smart Investor im Gespräch mit Gabriele Hartmann, Perspektive Asset Management AG, über ihren Stock-Picking-Ansatz und wirtschaftliche Folgen der Pandemie

Smart Investor: Frau Hartmann, die COVID-19-Pandemie hat zu einem erheblichen Wirtschaftseinbruch geführt. Wie beurteilen Sie die Lage und welche Folgen sehen Sie?
Hartmann: Aus makroökonomischer Sicht kam COVID-19 für viele Länder zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Hohe Staatsverschuldung und niedriges Wirtschaftswachstum in Europa als Folge der globalen Finanzkrise eskalieren wegen der jetzt nötigen COVID-19-Hilfen ­zusätzlich, zumal nicht abzusehen ist, welche Kosten die Pandemie noch verursachen wird. Ein rascher Schuldenabbau für Europa ist nicht vorstellbar. Die Pandemie verhindert in Anbetracht der höchst bedenklichen poli­ti­schen Maßnahmendekrete eine ­schnelle Wirtschaftserholung. Auch andere Faktoren, wie der steigende Grad an Protektionis­mus, werden mittelfristig eine ­nachhaltige Erholung der Wirtschaft belasten. Proble­matisch wird es, wenn die Menschen das Vertrauen in die Regierung, die Zentralbanken oder die Währung verlieren. Der Wert einer Währung basiert darauf, dass die Menschen auf die Gültigkeit als Zahlungsmittel vertrauen. Geht dieses Vertrauen verloren, ist eine Währungsreform unausweichlich – und für den Euro wäre es gleichgültig, in welchem Land der Euro­zone dieses Vertrauen verloren ginge.

Smart Investor: Was bedeutet das für Anleger?
Hartmann: Aktien sind schon wegen ­ihres Sachwertcharakters erste Wahl; jedoch ist gezieltes Stock Picking notwendig. Wir sind der Ansicht, dass Investoren auf zwei Dinge vertrauen sollten: auf den Nach­haltigkeitsaspekt und auf Qualität.

Smart Investor: Bitte erläutern Sie das genauer.
Hartmann: Viele Menschen sind sich bewusst geworden, dass die Ausbeutung des Planeten und die Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen eine sehr negative Ausgangslage für künftige Generationen schaffen. Viele Schäden sind ­bereits irreparabel, doch für ein ­Umdenken hin zu einem nachhaltigeren ­Wirtschaften ist es niemals zu spät. Anfänge sind bereits gemacht. Als Kapitalanleger haben wir in unserer Verantwortung als Fondsberater die Pflicht, das anvertraute Vermögen in Unternehmen zu allokieren, die genau diese Probleme erkannt haben, sozioökonomisch verantwortungsvoll handeln und sich so Vertrauen verdienen. Diese Unternehmen werden in Zukunft mit einer erhöhten Nachfrage belohnt werden, wodurch auch unmittelbar der Anleger profitiert.

Smart Investor: Welche Aspekte ­beinhal­tet das Qualitätskriterium?
Hartmann: Auf Qualitätsunternehmen ver­trauen weltweit tagtäglich Konsumenten. Europäische Eigenheimbesitzer vertrauen auf die Sanitäranlagen von Geberit, Menschen mit Hörschäden vertrauen auf die Implantate von Cochlear und chinesische Eltern vertrauen a2 Milk bei der Ernährung ihrer Säuglinge. Das ist eine Nähe, die der Mensch schon hat – bislang nur als Konsument, künftig auch als Kapitalanleger. Solche Unternehmen verfügen über eine starke Wettbewerbsposition und damit langfristig ein ­überdurchschnittliches Wachstum, unabhängig davon, in welcher Währung wir für deren Produkte bezahlen. Wie in vielen Bereichen unseres Alltags: Am Ende zählt die Qualität.

Smart Investor: Frau Hartmann, vielen Dank für die Ausführungen.

Gabriele Hartmann absolvierte eine Ausbildung bei Hauck & Aufhäuser ­Privatbankiers und ein Studium der internationalen Betriebs­wirtschaft mit Schwerpunkt Bankwirtschaft. Danach war sie zunächst als Analystin ­tätig. Frau Hartmann ist Mitglied des Vorstands der Perspektive Management AG. Seit 2017 ist sie Fondsmanagerin für ESG-Strategien (Perspektive OVID Equity; WKN: A2ATBG/ A2DHTY). Im Januar 2021 wurde der ­Sustainable Smaller Companies Fund (WKN: A2QDRX/A2QDRY) aufgelegt, der ebenfalls von ihr gemanagt wird.

UNSERE EMPFEHLUNGEN