„Zykliker und Value holen auf, Techs bleiben weiter attraktiv“

Elisabeth Weisenhorn

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Interview

Smart Investor im Gespräch mit Elisabeth Weisenhorn, Portikus Investment GmbH, über den Investmentansatz des Portikus International ­Opportunities Fonds (WKN: A1XFVL) und die aktuelle Zinsentwicklung

Smart Investor: Frau Weisenhorn, wer steht hinter dem Fonds und wie würden Sie das Konzept beschreiben?
Weisenhorn: 2014 haben Michael Hochgürtel und ich uns zusammengetan, um den Fonds zu initiieren. Herr Hochgürtel beschäftigt sich schon seit längerer Zeit mit indexorientierten Investments, ­während ich für aktives Management und Einzeltitel stehe. Der Fonds ist ein vermögensverwaltender und wachstumsorientierter Mischfonds mit einem international diver­sifizierten Aktienportfolio, das flexibel an die Marktgegebenheiten angepasst werden kann. Der Ansatz umfasst makro- und mikroökonomische Fundamentalanalysen und ist nicht regelgebunden. Die ­Ergebnisse der Analysen bilden dann die Richtlinien für unsere Entscheidungen. Die Aktienquote kann theoretisch zwischen 0% und 100% liegen. In der Praxis waren wir noch nie bei 0%, bei 30% aber schon. Momentan liegen wir bei 87%.

Smart Investor: Was müssen sich ­Anleger unter der Doppel-Plus-Strategie des Fonds vorstellen?
Weisenhorn: Das erste Plus ist das Basisinvest­ment mit ETFs zur Abdeckung globaler Regionen. Diese passiven Instrumente werden im Portikus-Fonds aktiv gemanagt. Das zweite Plus ist die Auswahl der Einzel­titel, die zusätzliche Renditechancen ­bieten. Sehen wir mehr Chancen bei ­Einzelaktien, nutzen wir diese Opportunitäten. Falls das nicht der Fall ist, bilden wir die Anlageklasse Aktien eher über ETFs ab. Grundsätzlich sollte der Anteil der Einzelaktien nicht größer als der der ETFs sein.

Smart Investor: Welche Kriterien berück­sichtigen Sie bei der Aktienauswahl?
Weisenhorn: Bei der Aktienauswahl sind die Ertragsperspektive und die Qualität des Unternehmens von entscheidender Bedeu­tung. Dazu gehören die ­Attraktivität des Geschäftsmodells und die Solidität der Bilanzen. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die attraktive Bewertung im ­Verhältnis zum Wachstum und zum Ertrag. Zudem wollen wir über die ausgewählten Unterneh­men von Zukunftstrends wie der Digitali­sierung oder erneuerbaren Energien profi­tieren. Unter Diversifizierungsaspekten soll keine Aktie über 4% gewichtet sein; im Normalfall sind es 2%.

Smart Investor: Können Sie typische Invest­mentbeispiele nennen?
Weisenhorn: Ein Beispiel ist Apple, in die der Fonds vergleichsweise frühzeitig investiert hat, als die Aktie noch sehr günstig bewer­tet war. Mittlerweile hat sich der Titel verfünffacht. Bei allen Quartalszahlen gab es die Furcht, ob Apple in der Lage ist, ­weiter Wachstum zu liefern. Das Unternehmen ist weiter innovationsstark. Auch bei anderen Techwerten wie Alphabet, Microsoft und SAP sind wir schon eine geraume Zeit dabei. Manche werden sich fragen, warum der Fonds nicht rausgegangen ist, ­nachdem zuletzt die Techwerte etwas ins Wanken gekommen sind. Die Unternehmen haben gute Zahlen geliefert und sind immer noch vernünftig bewertet, wenn auch höher als zum Kaufzeitpunkt. Zykliker und Value holen auf, Techs bleiben aber weiter attrak­tiv, denn sie begleiten die digitale Transformation. Ein Beispiel aus einem ­anderen Sektor ist die Allianz-Aktie. Hier gefällt uns, dass das Unternehmen die Kosten redu­ziert, Arbeitsprozesse zunehmend digitali­siert und kontinuierlich wächst. Zudem gibt es eine attraktive Dividendenren­dite. Kürzlich hat der Fonds auch in thyssenkrupp investiert. Nachdem mit der Aufzugsparte das Tafelsilber verkauft worden war, gab es Verbesserungen im ­Management. Das Unternehmen hat aber noch Perlen wie die grüne Wasserstofftechnologie. Bei anderen Firmen, die in dem Segment noch nicht so weit sind, werden diese Technologien deutlich höher bewertet. Kurz nach unserem Einstieg verzeichnete die Aktie Kursgewinne, zudem gab es Rückenwind durch anziehende Stahlpreise.

Smart Investor: Aktuell sind Renten zu 10% im Portfolio gewichtet. Ist von der Anlageklasse noch ein Performance­beitrag zu erwarten? Wie sehen Sie die weitere Zinsentwicklung?
Weisenhorn: Die Positionierung auf der Rentenseite mit europäischen Unternehmensanleihen kürzerer Laufzeiten und inflationsindexierten Anleihen ist vergleichsweise defensiv. Die Rentenquote ist nicht als Ertragsbringer, sondern als Risiko­puffer für den Fall gedacht, dass es zu Rückschlägen kommt. Aus unserer Sicht fallen der Zinsanstieg und die anzie­hende Inflation, die wir in den vergangenen ­Wochen gesehen haben, in die Kategorie Normalisierung. Einen Trendwechsel ­sehen wir noch nicht.

Smart Investor: Wie wird das Risikomanagement des Mischfonds umgesetzt?
Weisenhorn: Ein Teil des Risikomanagements liegt in der von uns angestrebten Diversifizierung über unterschiedliche Regionen, Sektoren und Gewichtungen von Einzeltiteln. Zu Absicherungszwecken können auch Futures und Optionen genutzt ­werden. Wann und wie die Aktienquote verringert wird, wird diskretionär ent­schieden. Auch Währungsrisiken können abgesichert werden.

Smart Investor: Frau Weisenhorn, ­vielen Dank für die Ausführungen.

Elisabeth Weisenhorn gründete 2014 mit Michael Hochgürtel die Portikus Investment GmbH. Sie startete ihre Karriere bei Fiduka-­Kostolany. Von 1985 bis 2000 war sie für die DWS, die Fondsgesellschaft der ­Deutschen Bank AG, tätig und wurde mehrmals als Fondsmanagerin des Jahres ausgezeichnet. In ihrer Verantwortung lagen ­internationale Aktien- und Mischfonds wie Akkumula, ­Investa und GKD-Fonds mit einem ­Volumen von ca. 14 Mrd. EUR. Als ­geschäftsführende Gesellschafterin der Weisenhorn & Partner GmbH betreute sie anschließend vermö­gende Privatkunden und Fonds.

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