Weiße Folter

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Politik & Gesellschaft

Menschenrechtsaktivisten und Wissenschaftler sind tief erschrocken: ­Ihnen zufolge haben Corona-Maßnahmen teils erstaunliche Ähnlichkeit zu Techniken der psychologischen Folter und des Change Management.

Zunehmend erfährt die Öffentlichkeit, wie Verantwortungsträger in Corona-Zeiten gezielt Panik schüren. Etwa räumte im Mai das britische Wissenschaftskomitee SPI-B den „Einsatz von Angst“ ein und gab zu, dass seine Arbeit „unethisch“ und „totalitär“ war. In Deutschland sorgte ein Strategiepapier des Innenministeriums für Wirbel. Um die „gewünschte Schockwirkung“ zu erzielen, müsse man die Auswirkun­gen einer Durchseuchung ­verdeutlichen, heißt es darin. Als Beispiel nennt das ­Papier die „Urangst“ vor dem Ersticken oder Ertrinken. Das Wissen, die Eltern angesteckt zu haben und an deren Tod schuld zu sein, sei, „das Schrecklichste, was ein Kind je erleben kann“, schreiben die Autoren.

Ist das Folter?
Für den Menschenrechtsaktivisten Volker Reusing ist das psychologische Folter. Gemeinsam mit seiner Frau hat er ­Strafanzeige vor dem Internationalen Strafgerichtshof wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erhoben. Das internationale Recht, etwa die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, verbietet die Folter. Als ­Folter gilt hierbei „jede Handlung, durch die ­einer Person vorsätzlich große körperliche oder seelische Schmerzen oder Leiden zuge­fügt werden“. Diese Definition sei „zweifel­los unscharf, lückenhaft und somit rechts­prak­tisch und rechtsphilosophisch defizitär“, schreibt der Psychologe Prof. Dr. Rainer Mausfeld. Aber sie stelle einen ersten ­Versuch dar, eine „untere konsensfähige ­Schranke“ zu formulieren, hinter welche die Weltgemeinschaft nicht zurückgehen solle. Wie Prof. Dr. Reusing gegenüber der Stiftung Corona Ausschuss erklärt, sieht er in den Corona-Maßnahmen zahlreiche ­Parallelen zur psychologischen Folter, wie sie der
US-Amerikaner Albert Biderman in seinen For­schungen zu US-Kriegsgefangenen in kommunistischen Lagern beschrieben habe.

Weiße Folter bei Kommunisten
Biderman, ein Militärsoziologe, hatte in den 1950er-Jahren US-Soldaten untersucht, denen chinesische und nordkoreanische Kommunisten falsche Geständnisse durch Folter erpressen wollten. Zu den Foltermethoden gehörten: die Isolation der Solda­ten, sodass diese aller sozialen Unterstützung für den Widerstand beraubt waren und sich intensiv um sich selbst sorgten; die Wahrnehmungsmonopolisierung, bei der Sinnesreize ausgeschaltet werden, die von der Zwangslage ablenken könnten; gelegent­liche Lockerungen oder Vergünstigungen, um Gehorsam einzuflößen; Drohungen, um die Soldaten zu verängstigen; Erniedrigungen, welche die Kosten von Widerstand höher erscheinen ließen als die der Anpassung; und die Erzwingung von trivialen Forderungen, damit das Opfer eine „Haltung des Gehorsams“ entwickelt. Biderman stellte fest, psychologische ­Folter sei „der ideale Weg, einen Gefangenen zu brechen“, weil sich „Isolation auf die ­Hirnfunktion des Gefangenen ebenso auswirkt, als wenn man ihn schlägt, hungern lässt oder ihm den Schlaf entzieht“. Kombiniere man die verschiedenen Metho­den, gehe die psychische Integrität verloren und das Opfer falle auf eine infantile Stufe zurück.

Parallelen zu Corona-Maßnahmen
Für den Menschenrechtsaktivisten sind die Ähnlichkeiten zum Lockdown erschreckend. „Isolation haben wir ganz viel – ­etwa bei alten Leuten oder Personen in Quarantäne. Wahrnehmungsmonopolisierung geschieht über die Nachrichten, die die Menschen verängstigen. Drohungen ­liegen bei der Aussage vor, dass man selbst an dem Virus stirbt oder andere ansteckt – siehe das Strategiepapier des Innenministeriums“, sagt Prof. Dr. Reusing. Wie in den kommunistischen Gefangenenlagern gebe es auch gelegentliche Lockerungen. „Es kommt aber nicht bei jedem Menschen als psychische Folter an“, stellt er fest.

Geschichte der weißen Folter
Bereits in den 1950er-Jahren fand der Psychologe Donald Hebb bei seinen Forschungen über die sensorische Deprivation – ­­also den Entzug der Sinneswahrnehmungen – heraus, dass extreme Isolation die ­Fähigkeit einschränkt, klar zu denken, und die Betroffenen anfällig für Suggestionen macht. Der CIA-Leitfaden KUBARK führte die Erkenntnisse von Hebb, Biderman und dem sogenannten MK-­ULTRA-Programm der CIA zusammen. Das 1963 erschienene Vernehmungshandbuch empfiehlt Isolationshaft und sensorische Deprivation, um Menschen zu brechen. Diese und der gestei­gerte Reizpegel bei der Vernehmung bewirkten, dass das Subjekt den Vernehmer als Vaterfigur wahrnehme, und führten zu einer „­Stärkung der Tendenz zur Willfährigkeit“. Der KUBARK rät dabei von körperlicher Gewalt ab: „Die Androhung von Zwangsmaßnahmen schwächt oder bricht Widerstand normalerweise effek­tiver als die Zwangsmaßnahme selbst.“

Change Management
Die Erkenntnisse der Psychologen flossen auch in das soge­nannte Change Management ein. Diese Führungstheorie über das Durchsetzen von Wandel in Organisationen, geht auf den Deutschen Kurt Lewin zurück, erklärt der Bildungsphilosoph Dr. ­Matthias Burchardt. Der Sozial­psychologe habe in den 1940er-Jahren bei Gruppenversuchen herausgefunden, dass sich menschliches Verhalten besser über sozialen Druck als durch eine Anwei­sung von einer Autorität steuern lasse. Lewin habe auf das Bedürf­nis ­gesetzt, soziale Aner­kennung zu erhalten und ­Ausgrenzung zu vermeiden. Change verlaufe dabei in drei Phasen ab: Unfreezing – das Auf­brechen der alten Überzeugungen auch gegen Wider­stände; Change – das Einflößen neuer Ideen oder Verhaltensweisen; und Refreezing – das Festzurren des Gelernten.

Sachzwang, Zeitdruck, Überrumpelung
Die Change-Anleiter schaffen Zeitdruck, Sachzwänge und überrumpeln die Leute, um Widerstände aufzulösen, sagt Dr. Burchardt. Denkt man an die Ereignisse um Corona, kommen einem etwa die Schock­nachrichten aus Italien und China oder die anfangs ­hohen Prognosen über ­Todeszahlen in den Sinn. Laut Dr. Burchardt ­schockieren, infantilisieren oder euphorisieren die Change-­Anleiter ihre Opfer in der ersten Phase. Das knappe Toilettenpapier sei ein klassi­sches Beispiel für Unfreezing, weil sich Menschen mehr ­Sorgen um Hygiene als um Bürgerrechte machten, sagt der ­Wissen­schaft­ler und erklärt: „Die Leute sind desorientiert und spüren den Verän­de­rungsdruck. Sie fühlen sich ohnmächtig bzgl. ihrer eigenen Gestal­tungskraft und unterwerfen sich der angebotenen Doktrin.“

„Goldene Handschellen“
Lewin argumentierte auch, dass man den Leuten ihre gewohnte Umgebung ­entreißen muss, um sie zu verunsichern und empfäng­lich für neue Ideen zu machen. Lehrer-Fortbildungen fänden darum nicht an der Schule, sondern in weit entfernten Tagungs­hotels statt, sagt Pädagoge Dr. Burchardt. Eduard Schein griff die Ideen Lewins auf und erklärte, dass auch ganze Gesellschaften dem Change Management unterworfen werden könnten. Der US-Psychologe nimmt dabei explizit Bezug auf die Erfahrungen aus Kriegsgefangenenlagern der chinesischen und nordkoreanischen Kommunisten. Hierzu sei es entscheidend, Flucht zu verhindern, weil diese der beste Weg sei, sich dem Change zu entziehen: „Wenn Sie eine Person zwingen können, in einem Setting zu bleiben, werden Sie schlussendlich ihn oder sie dazu bringen können, sich selbst zu öffnen, um abweichende Standpunkte hinsichtlich eines Themas anzuneh­men“, schreibt er. Zwang könne physisch sein, aber auch „goldene Handschellen“ ­bedeuten. Quarantäneregeln oder Testpflich­ten bei Reiserückkehrern erscheinen so in einem ganz neuen Licht, erschweren sie es doch, sich der „neuen Normalität“ zu entziehen.

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Lösung: Vereinzelung überwinden
Dr. Burchardt zufolge hat bereits die ­zweite Phase des Change begonnen, die noch ­eine Weile andauern werde. „Solche Konzepte hinterlassen verbrannte Erde – das Unfreezing und Kaputtmachen ist leicht, aber das Aufbauen von etwas Neuem gelingt eher selten“, sorgt sich der ­Wissenschaftler. Die Lösung sei, sich nicht als ­Einzelspieler zu begreifen, sondern sich der ­Kraftquellen zu versichern, die außerhalb der Vereinzelung liegen – also der Familie, der Dorfgemeinschaft oder der liebenden Partnerschaft. Wichtig sei, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen – etwa einen Stopp der Maßnahmen zu fordern – und die Metho­den der Anleiter des Change zu durchschauen.

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Fazit
Zunehmend wundern sich Beobachter über die Parallelen zwischen psychologischen Kontrolltechniken und den Corona-­Maßnahmen. Etwa sagt die Sozialpsycholo­gin Katy Pracher-Hilander gegenüber dem österreichischen TV-Sender AUF1: „Wir haben klare Indizien, dass wir es mit psycho­logischer Kriegsführung zu tun haben.“ Ziel sei, „die Menschen psychisch zu brechen“, um sie lenken zu können. Kontrolltechniken sind etwa die sensorische Depri­vation, gelegentliche Lockerungen, Drohun­gen, Wahrnehmungsmonopolisierung, Über­rumpelung und das Herausreißen der Opfer aus gewohnten sozialen Kontexten.

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