„Wir haben frühzeitig den ­Inflationsanstieg erwartet“

Johannes Maier

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Interview

Smart Investor im Gespräch mit Johannes Maier, BANTLEON AG, über Infra­strukturinvestments als Inflationsschutz und Bewertungs-Gaps im Sektor

Smart Investor: Wo sehen Sie aktuell die wesentlichen Treiber des Infrastruktursektors?
Maier: Gesellschaftlicher Wandel hat immer auch mit dem Thema Infrastruktur zu tun. Dazu gehören aktuell z.B. die zunehmende Digitalisierung und Urbanisierung sowie ein wachsendes Umweltbewusstsein. Einige dieser Entwicklungen wurden durch die Corona-Pandemie befeuert. So hat die Arbeit im Homeoffice die Bedeutung digi­taler Infrastruktur verstärkt ins Bewusstsein gerückt. Ein wesentlicher ­langfristiger Treiber ist die Bekämpfung des Klimawandels, die durch fiskalische ­Maßnahmen wie den EU-Wiederaufbaufonds starken Rückenwind erhält. Kurzfristig kommt es durch die vermehrten Impfungen und die Aufhebung der Mobilitätsbeschränkungen im Transportsegment zu Nachhol­effekten, von denen Investoren ­profitieren.

Smart Investor: Bei steigender Inflation entsteht für zahlreiche Unternehmen Kos­tendruck. Wie schlagen sich Infrastruk­turfirmen in einem Inflationsszenario?
Maier: Langfristig haben Infrastrukturaktien den breiten Markt deutlich outperformt. Der globale Branchenindex GLIO hat in den vergangenen 20 Jahren ­Renditen von über 10% p.a. erwirtschaftet und ­damit den MSCI World um zwei ­Prozentpunkte p.a. übertroffen. Besonders gut haben sich Infrastrukturaktien in Phasen geschlagen, in denen die Teuerungsrate höher als 3% p.a. lag. Generell bieten Infrastrukturunterneh­men also einen guten Inflationsschutz, der in hohen Markteintrittsbarrieren, Quasimonopolstellungen und hoher Preissetzungs­macht begründet ist. Sie stellen Dienstleistungen zur Verfügung, die für das Funktionieren einer Volkswirtschaft unabdingbar sind. Regulatorische Rahmenbedingungen gewährleisten, dass diese Dienstleistungen dauerhaft angeboten werden kön­nen. Darüber hinaus berücksichtigen die meist langfristigen Verträge eine ­Anpassung der Preise an die Inflationsentwicklung. Allerdings muss man je nach Subsektor differenzieren.

Smart Investor: In welchen Infrastruktursegmenten finden Anleger den besten Inflationsschutz?
Maier: Generell resultiert aus hoher Preissetzungsmacht und geringer Kostensensiti­vität der Unternehmen ein inflationsresistentes Geschäftsmodell. Gute Beispiele dafür sind regulierte Versorger oder ­Betreiber von Mautstraßen. Verglichen mit den ­Kosten für die Konzessionen zum Betreiben der Mautstraßen sind die operativen Kosten gering. Mit dem Geschäftsmodell können operative Margen von 60% bis 80% ­erzielt werden. Bei Subsektoren, die einem norma­len Wettbewerb ausgesetzt sind, wie ­Häfen oder Telekommunikationsanbieter, ist der Inflationsschutz geringer. Bei diesen Geschäftsmodellen ist die Durchsetzung von Preiserhöhungen schwieriger und die ­Margen sind deutlich niedriger.

Smart Investor: Wie beurteilen Sie die Bewertung börsennotierter Unter­nehmen im Vergleich zu Infrastruktur­direktanlagen?
Maier: Seit geraumer Zeit ist eine Bewertungslücke zwischen börsennotierten Infra­strukturunternehmen und Direktanlagen zu beobachten. Wir sehen beispielsweise, dass in einigen Infrastruktursektoren bei Direktanlagen für nahezu identische ­Assets ein Aufschlag von 50% bezahlt wird. ­Eine der Ursachen ist, dass immer mehr Geld in Direktanlagen fließt. 36% des gesamten verwalteten Vermögens, das in Infrastruktur­direktanlagen investiert werden soll, ist aber noch nicht angelegt – ein deutliches Zeichen für einen Anlagenotstand, der die Preise nach oben getrieben hat. Diese Überbewertung ist auch durch das Kontroll­premium, d.h. die Möglichkeit der Kon­trolle der Assets über die Direktanlage, nicht gerechtfertigt. Über die Aktien von Ferrovial sind wir beispielsweise im Flughafen Heathrow investiert, bei dem auch ein Konsortium von Private-Equity-Investo­ren zu den Eigentümern zählt. Auf lange Sicht werden diese ­Bewertungsunterschiede nicht bestehen bleiben, sodass börsennotierte Infrastruktur ein entsprechendes Auf­holpotenzial bietet.

Smart Investor: Können Sie den konjunkturbasierten Investmentansatz von BANTLEON am Beispiel der aktuellen Portfolioausrichtung erläutern?
Maier: Über die hauseigenen Konjunk­turprognosen haben wir frühzeitig eine Konjunkturerholung und den Infla­tionsanstieg erwartet. Im Fonds Bantleon Select Infra­struc­ture wurde diese Sichtweise bereits Ende des vergangenen Jahres mit der Überge­wichtung konjunktur­sen­si­tiver Segmente umgesetzt. Zu den Profiteuren der konjunkturellen Erholung zählen ­Mautstraßen und Flughäfen, aber auch Umweltdienstleister. Das konjunktursensitive Segment decken wir im Fonds u.a. mit VINCI ab, momentan einer der am höchsten gewichteten Titel des Portfolios. Das Unternehmen betreibt Flug­häfen und Autobahnen in Frankreich, ist aber auch im Infrastrukturbau tätig. Ebenfalls übergewichtet sind wir im Umweltdienstleister Veolia.

Smart Investor: Wie wird das Thema Nachhaltigkeit bei der Portfoliokons­truktion berücksichtigt?
Maier: Wir legen ein starkes Augenmerk auf die Vereinbarkeit der ­Geschäftsmodelle mit dem Nachhaltigkeitsgedanken. ­Deshalb erstellen wir für jedes Unternehmen vor der Aufnahme ins Portfolio eine Nachhaltigkeitsanalyse. Der Fonds investiert beispielsweise stark in erneuerbare Energien; Konzerne, bei denen die Energie zum Großteil aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird oder die keine eindeutige Strategie zur Unterstützung der Klimaneutralität haben, werden ausgeschlossen. Zudem inves­tieren wir in große Rechenzentren. Weil Big Data rund 3% des globalen Stroms verbraucht, macht es mit Blick auf Nachhaltigkeit einen bedeutenden Unterschied, wie dieser erzeugt wird. Ein positives ­Beispiel ist der Rechenzentrumsbetreiber Equinix, der mittlerweile bei über 90% des Bedarfs auf erneuerbare ­Energien setzt. Das Gerichtsurteil gegen Shell, bei dem das Unternehmen zu massiven Klima­schutz­maßnahmen verurteilt wurde, zeigt die mittlerweile erheblichen Risiken nicht-nachhaltiger Geschäftsmodelle.

Smart Investor: Herr Maier, vielen Dank für die interessanten Ausführungen.

Johannes Maier ist Portfoliomanager für Infrastrukturaktien beim Assetmanager BANTLEON in München. Nach einem BWL-Bachelorstudium mit Schwerpunkt Finance & Energy erwarb er einen Executive MBA mit Schwerpunkt Value Investing. 2011 begann Maier beim ­Datendienstleister Bloomberg, 2019 wechselte er zu Bantleon und war dort zunächst verantwortlich für die Analyse von ­Infrastrukturunternehmen; seit Januar 2021 ist Maier Co-Port­folio­mana­ger der Publikumsfonds Bantleon ­Select Infras­tructure (WKN: A2PH94) und ­Bantleon Changing World (WKN: A2JKZA).

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