Die Ruhe vor dem Sturm

Tobias Tretter

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Kolumne I

Gastbeitrag von Tobias Tretter, Commodity Capital AG

Der Minensektor befindet sich seit August vergangenen Jahres in einer gesunden Konso­lidierung, vieles deutet auf eine ­zeitnahe Fortsetzung der Rohstoffhausse hin. Folgen wir dem Ansatz der ameri­kanischen Zentralbank und sehen die ­aktuellen Infla­tionszahlen von über 5% als vorüber­gehend an, so müssen die Zinsen unabhängig von der „wahren“ Infla­tion weiterhin niedrig bleiben. Weder ­Staaten noch ­Unternehmen oder Privathaushalte können es sich ­leisten, wieder „normale“ Zinsen zu bezahlen. Auf Sicht der kommenden Jahre werden uns daher die negativen Realzinsen erhalten bleiben, die die Rohstoffpreise weiter ansteigen ­lassen werden.

Explosion der Kupfernachfrage
In den vergangenen Jahrzehnten wurde nicht nur zu wenig in die Rohstoffex­ploration investiert, was für die meisten Rohstoffe sinkende Produktionszahlen zur ­Folge hatte. Der Umstieg von fossilen Brenn­stoffen auf regenerative Energien erfordert zudem eine gewaltige zusätzliche Menge an Rohstoffen. Laut Glencore-CEO Ivan Glasenberg dürfte sich die Kupfernach­frage bis 2050 verdoppeln. Er erwartet, dass der Kupferbedarf um zusätzlich jährlich 1 Mio. Tonnen wächst – einen ­Anstieg, der doppelt so hoch ist wie die historischen Produktionsausweitungen. Nicht zu verges­sen ist auch die Silbernachfrage, die sich im Zuge des Ausbaus von Solarstrom mehr als verdoppeln dürfte.

Gold- und Silberproduzenten
Was allgemein für Rohstoffe und Minenwerte gilt, hat auch Bestand für Edelmetalle sowie Gold- und Silberproduzenten. Gold und Goldminen waren unter den größten Gewinnern im vergangenen Jahr und konnten bis August 2020 recht ­kräftig zulegen, ehe die Minenwerte ­konsolidierten. Diese Konsolidierung war gesund, dürfte sich nun allerdings dem Ende nähern. Die Goldproduzenten erwirtschaften derzeit die höchsten Margen und freien Cashflows ihrer Historie; sie notieren allerdings noch immer 50% unter den Höchstständen von 2011. Diese extreme Unterbewertung der Minenaktien sollte sich in den kommenden Monaten abbauen. Die Inves­toren werden realisieren, dass die Margen in diesem Zyklus nicht wie in der vorangegangenen Hausse von 2008 bis 2011 durch ausufernde Kosten wieder ver­nichtet werden. Die sprudelnden Gewinne ­wurden zunächst zur Verbesserung der Bilanzen verwendet. Die Einhaltung von ESG-Krite­rien spielt mittlerweile, auch aus Profitabilitätsgründen, ebenfalls eine erhebliche Rolle. Der Fokus bei unseren Projekt­besuchen liegt daher auch immer auf der Beziehung des Unternehmens zur ansässigen Bevölkerung.

Fazit
Für die zweite Jahreshälfte erwarten wir eine Hausse bei den Gold- und Silberunter­neh­men. Minenunternehmen sind historisch niedrig bewertet, während die Produ­zenten mehr als je zuvor verdienen. Aufgrund der Corona-Pandemie war es den großen Firmen allerdings nur sehr bedingt möglich, angehende Produzenten und ­Juniors zu übernehmen, da die Reisemöglichkeiten extrem beschränkt waren. Sofern keine vierte Welle auf die ­Unternehmen zurollt, werden die Übernah­men in den kommenden Monaten sprunghaft ansteigen. Neben hohen Prämien für Übernahmen erwarten wir auch Über­nahmekämpfe zwischen den Majors. Beson­ders Projekte in politisch stabilen ­Regionen wie ­Kanada, Australien oder Amerika stehen auf der Speisekarte.

Als geschäftsführender Gesellschafter leitet Tobias Tretter die Commodity Capital AG seit ihrer Gründung 2009. Er fungiert dort als Portfoliomanager sowie als CIO und ist für die Investmententscheidungen des Commodity Capital Global Mining Fund (WKN: A0YDDD) verantwortlich. Tretter erhielt seinen Prädikatsabschluss an der ­Universität Bayreuth mit einer Diplomarbeit über die Lebenszyklusanalyse bei ­Rohstoffunternehmen. Seine Karriere begann er bei der Credit ­Suisse Asset Management, danach setzte er seine Erfahrung bei der Beratung des Fonds DJE Gold und Ressourcen mit dem Ergebnis ­mehrerer Auszeichnungen ein. 2017 und 2018 erhielt Tretter den Lipper Fund Award für den „besten Rohstofffonds und für den besten Goldfonds in Europa“.

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