Leserbriefe Oktober 2021

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Über Gazprom, die „Pandemie“ und den dritten Weg

? Gazprom
Haben Sie bzgl. der Gazprom-Position in Ihrem Musterdepot keine Befürchtungen, dass in einer Diktatur wie Russland jederzeit das passieren kann, was zurzeit mit Chinaaktien ­passiert, nämlich Willkür seitens des Staates? Es gibt mächtigere Kurs­deter­minanten als Value oder Growth. Diese nimmt man aber nur wahr, wenn man über den Tellerrand der puren Bilanz-Fundamentals hinausschaut. Das erfahren aktuell nicht wenige Fonds und Portfolioverwalter, die ein Faible für China- und allgemein Emerging-Markets-Aktien haben/hatten …
Friedrich Benner

SI: Prinzipiell muss man natürlich bei jedem Investment poten­zielle externe Faktoren berücksichtigen. Das Länder- bzw. politische Risiko bei Gazprom haben wir bei Aufnahme der ­Aktie sehr wohl im Auge gehabt – aber wir bewerteten es als ­vertretbar, da das Papier damals unverschämt günstig war (KGV von drei) und da sich das Unternehmen glaubhaft darum bemüht, das Geschäft und die Berichterstattung den westlichen Standards entsprechend transparent zu gestalten. In unserer ausführlichen Analyse im Heft 4/2019 sprachen wir von einer völligen Neubewertung, die sich hier einstellen könnte. Und wie sich gerade am Kursaufschwung von Gazprom zeigt, kann das Eingehen solcher Risiken auch durchaus ­belohnt werden, wenigstens längerfristig (siehe Musterdepot auf S. 58). Nichtsdestoweniger muss das politische Risiko hier weiter genau beobachtet werden – aber das gilt auch für andere Aktien.

Smart Investor 9/2021

? Der dritte Weg
In Ihrem aktuellen Heft (9/2021) habe ich die Titelstory „Der dritte Weg“ von Ralph Malisch gelesen und für gut befunden. Aller­dings fehlt mir dabei der konkrete Lösungsansatz. Das von mir geleitete Mittelstandsinstitut hat seit 45 Jahren einen solchen dritten Weg nicht in „menschli­chem Kapitalismus“ oder in „ökologischem Sozialismus“ o.Ä. gesucht, sondern in der Mittelstandsökonomie den dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus gefunden, nämlich „die ­personale Wirtschaft“. Diese habe ich in meinem Buch „Die Mittelschicht in Krise und Wandel“ 2020 beschrieben. Im Wesentlichen geht es dabei um einen drastischen Bürokratieabbau und einen ­Kahlschlag des Gesetzesdschungels, um Chancengleichheit und Steuergerech­tigkeit für den Mittelstand und eine Vertretung dessen ­Interessen in der Politik. Ich erlaube mir, Ihnen diesen dritten Weg der personalen Wirtschaft in folgendem Anhang kurz zu erläutern.
Prof. Dr. Eberhard Hamer, Mittelstandsinstitut Hannover

SI: Wir geben Ihnen im Wesentlichen recht. Das zugrunde liegende Problem sehen wir aber im aktuellen Geldsystem, welches ein Wuchern des Staats sowie dessen Verschränkung mit den Großkonzernen und damit all den von Ihnen genannten Problemfeldern erst ermöglicht. Gerne stellen wir Ihre zusammenfassende Darstellung unseren Lesern zur Verfügung, mit diesem Link.

brand eins 9/2021

? Brand eins zu Kapitalismus
Ich wollte Sie da­rauf hinweisen, dass die Zeitschrift brand eins in ihrer aktuellen Ausgabe ­ebenfalls das Thema Kapitalismus the­matisiert hat.
Bernd Garmen

SI: Wie fast immer wird auch hier die aktuel­le Wirtschaftsordnung als Kapitalismus bezeichnet und Lösungen für die derzeitigen Probleme in noch mehr Regulierung und Staat gesehen. Wir dagegen sehen es genau andersherum. Bei einer offiziellen Staatsquote von 51% in Deutschland und einer erdrückenden Regulierung und Bürokratie für die restlichen 49% kann man nicht mehr im Ernst von einem kapitalisti­schen System sprechen. Daher sprechen wir auch von einem Korporatismus, also von einer Verzahnung von Staat und Großkonzernen, durch die dem eigentlich kapitalistisch gearteten Wirtschaftsseg­ment, nämlich dem Mittelstand, die Luft zum Atmen geraubt wird.

? DAX-Umstellung und Derivate
Was passiert mit Ihrem DAX-Short-Zertifikat bzw. mit allen anderen Derivaten, wenn dieser Index bald 40 statt bisher 30 Titel umfasst?
Jürgen Behrendt

SI: Diese Umstellung wird keine Auswirkung auf die DAX-Historie und damit DAX-Derivate haben, da die größere Anzahl der Titel mathematisch so eingebunden wird, dass ein nahtloser Übergang in der DAX-­Historie gegeben ist.

? Augustausgabe nicht angekommen
Als ich die Rubrik Leserbriefe in Ausgabe 9/2021 las, sah ich das Cover der Ausgabe 8/2021, und zwar zum ersten Mal. Das fiel mir leider nicht vorher auf, da ich viel zu tun hatte. Wäre es möglich, mir die Printausgabe 8/2021 noch einmal zu schicken? Diese Ausgabe hat offenbar der Postweg verschluckt. Was nicht unbedingt schlecht ist, wenn ein Postbote oder sonst irgendwer sich auf diese Weise schlau machen wollte … aber ich hätte sie halt auch gerne bekommen.
Peter Braun

SI: So etwas ist tatsächlich ärgerlich, aber es passiert immer ­wie­der mal, dass auf dem Postweg etwas verloren geht. Wir schicken heute ein neues Heft raus – diesmal im Couvert, damit kein Postbote oder Nachbar unnötig animiert wird, sich das Maga­zin unter den Nagel zu reißen. Schön, dass Sie es mit Humor nehmen.

? Pandemie oder nicht?
Ich habe mir das Video von Manuel Barz angesehen, welches Sie in Ihrem Newsletter verlinkt hatten, und in welchem er die Sterbezahlen des Jahres 2020 analysiert und darin keine ­Pandemie erkennen kann. Als Dipl.-Mathematiker arbeite ich in der Versiche­rungsbranche als Aktuar, der Versicherungstarife kalkuliert. Ich habe täglich mit solchen Zahlenreihen zu tun. In den Zahlen sind Trends und Zufälle versteckt. Beides gilt es, sauber voneinander zu ­trennen. Ich habe die Herleitung von Barz’ Aussagen geprüft und sie ist kor­rekt. Ich wäre genauso vorgegangen. Sicherlich kann man weiter in die Tiefe gehen. Den abnehmenden Trend bei den Sterbezahlen könnte man berücksichtigen. Dann könnte man untersuchen, ob es sich 2020 um einen Bruch dieses Trends gehandelt hat. Nichtsdestotrotz stimmt seine Aussage, dass man 2020 keine Pandemie in den Zahlen nachweisen kann. Unter einer Pandemie würde man ja eine Auffälligkeit verstehen und nicht den Bruch eines Trends.
Wolf Gerke

SI: Herr Barz scheint mit seinem Video einen Nerv getroffen zu haben – so viel Feedback erhielten wir schon lange nicht mehr wie auf die Verlinkung auf sein Video. Neben Ihnen als Aktuar meldeten sich ein Phyiker, ein Mathematiker, ein Finanzanalyst und ein Fondsmanager, die alle die offiziellen Rohdaten von RKI und Destatis untersuchten und alle zum gleichen ­Ergebnis kamen: Das „Corona Jahr“ 2020 ist hinsichtlich der Sterblichkeit völlig unauffällig, oder anders gesagt: Es ist in keiner Alters­gruppe eine Übersterblichkeit festzustellen.

? Deutscher Schuldenberg
Im aktuellen Smart Investor (9/2021) erwähnt Ihr Chefre­dakteur in seinem Editorial für Deutschland einen Schuldenstand pro Steuerzahler von 375.000 EUR. Wie wurde ­dieser Wert ermittelt?
Thomas Klingshirn

SI: Die offizielle deutsche Staatsschuld (explizit) beträgt rund 2,275 Bio. EUR. Dabei sind zukünftig anfallende Auszahlungen wie z.B. für Beamtenpensionen nicht miteinberechnet. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht, aber grob gerechnet dürfte diese implizite ­Verschuldung um 150% höher sein, also bei rund 5,7 Bio. EUR. Theoretisch könnte man auch noch die sogenannte Nachhaltigkeitslücke berücksichtigen: Dahinter verbergen sich alle durch das heutige Steuer- und Abgabenniveau nicht gedeckten staat­lichen Leistungsversprechen für die Zukunft, nicht zuletzt dieje­nigen der Sozialversicherungen. Der Ökonom Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen berechnet so einen ungeheuerlichen Schuldenberg von fast 12 Bio. EUR, welcher nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise zustande gekommen sei. Bleiben wir aber ­vorsichtshalber bei den 5,7 Bio. EUR und beziehen diese auf die ca. 15 Mio. Netto-Steuerzahler (mehr sind es nicht in der rund 83 Millionen umfassenden Bevölkerung) – so kommt man auf einen Wert von rund 375.000 EUR pro Netto-Steuerzahler.

? Explosion bei Uranaktien
Ich habe heute noch mal mit Vergnügen im über ein Jahr alten Heft 7/2020 gelesen, dort insbesondere Ihren Artikel zu den Uranaktien. Nach mehreren Monaten Konsolidierung haben ­diese in den letzten Wochen massiv zugelegt. Alle damals ­besprochenen Aktien liegen weit im Plus. Der Uranpreis selbst kommt jetzt auch in Bewegung. Dieses Mal dürfte der Treiber die Übernahme von Uranium Participation durch Sprott gewesen sein. Der Sprott Physical Uranium Trust hat die Uranbestände von ehemals Uranium Participation in wenigen Wochen um 30% vergrößert. In der Mainstreampresse liest man kaum etwas darüber.
Ronny Siegmund

SI: Der massive Kursanstieg ist uns auch aufgefallen. In einem Monatsmagazin haben wir oftmals nicht die Möglichkeit, auf solch schnelle Entwicklungen zeitnah einzugehen – aber wir hatten ja vor einem Jahr frühzeitig auf die massive Unter­bewertung dieses Sektors hingewiesen. Wir planen, bald wieder darüber zu schreiben.

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