Echte Lösungen für den Klimawandel

Laura Natumi McTavish

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Kolumne I

Gastbeitrag von Laura Natumi McTavish, DNB Asset Management

Anleger berücksichtigen zunehmend die ökologischen Merkmale ihrer ­Investitionen. Der Antrieb kann moralischer Natur sein, um das Portfolio mit den eigenen Wer­ten in Einklang zu bringen; er kann auch gewinnorientiert sein, weil man glaubt, dass Unternehmen mit Aktivitäten, die zu ­einer besseren Umwelt beitragen, eher überdurchschnittliche Renditen erwirtschaften können. So weit herrscht Einigkeit in der Finanzbranche – doch warum ist es in der Praxis nicht ganz so leicht, Unternehmen auszuwählen, die zur Lösung der Klima- und Umweltherausforderungen beitragen?

CO2-Fußabdruck
Noch immer werden bei den Fondsportfolios in der Regel die Emissionen der Unternehmen, standardmäßig verteilt auf den Umsatz, gemessen und ausgewiesen. Unse­rer Meinung nach reicht dies aber nicht aus. Der CO2Fußabdruck, auch Koh­len­stoff­intensität genannt, ist die Messung der Treibhausgasemissionen eines Unternehmens im Verhältnis zu seinem Um­satz und einer von mehreren Faktoren, die etwas über das Klimarisiko und dessen Auswirkungen bei einem Unternehmen aussagen. Unternehmen und Investoren nutzen ihn, um kohlenstoffbedingte Risiken zu erkennen und anzugehen. Die ­Betrachtung des Beitrags der verschiedenen Sektoren zum globalen Treibhausgasausstoß kann ein nützlicher Ausgangspunkt sein, um zu ermitteln, welche Prio­ritäten bei der Emissionsreduzierung ­gesetzt werden sollen.

Scope-3-Emissionen
Wir sehen einen großen Wert darin, über die Scope-1- und -2-Emissionen, also die direk­ten und indirekten Emissionen eines Unternehmens hinauszuschauen. ­Unbedingt mit einbezogen werden sollten Scope-3-Emissionen. Dies sind Emis­sionen, die durch die Aktivitäten eines Unter­nehmens entstehen, aber nicht von diesem selbst kontrolliert werden. Zudem sind sie schwer zu messen, sodass sie in der Regel nicht oder nur unvollständig aus­gewiesen werden.Obwohl einige Anbieter von ESG-Daten diese Emissionen schätzen, ist es noch ­immer nicht üblich, dass sie in die CO2-Bilanz von Investoren einbezogen werden.

Ausstoßvermeidung
Ein Beispiel kann das Konzept der vermiedenen Emissionen veranschaulichen. Ein Hersteller von Windturbinen und ein Produzent von Kosmetika haben ähnliche Emissionsprofile in Bezug auf Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen, unterscheiden sich aber stark in Bezug auf „poten­tial avoided emissions“ (PAE). Dabei handelt es sich um eine Methode, bei der die vermiedenen Kohlenstoffemissionen in der Wertschöpfungskette von Pro­dukten und Dienstleistungen eines Unternehmens gemessen werden. Verließe sich der Investor nur auf die Emissionen in den Be­reichen 1, 2 und 3 , würde er die Gelegenheit verpassen, in ein Unternehmen zu inves­tieren, das echte Lösungen für den Klimawandel bietet.

Fazit
Unseres Erachtens ist es überaus wichtig, auch die positiven Klimaauswirkungen der Unternehmen zu messen, in die ein Portfolio investiert ist. Dies ist allerdings eine komplizierte Aufgabe, bei der unserer Meinung nach tiefer gegangen werden muss. Dies ist schrittweise möglich und kann nur durch eine gründliche Analyse erfolgen, die auch Gespräche mit den Unter­nehmen einschließt.

Laura Natumi McTavish kam 2018 zu DNB. Seit 2020 ist sie Portfolioanalystin für den DNB Renewable Energy Fund (WKN: A0MWAL). Zuvor war sie als ­Analystin im Responsible-Investments-(RI-)Team für die Recherche und Analyse von Unternehmen und Portfolios zuständig, um wesentliche Risiken und Chancen im Bereich Environment, Social and Governance (ESG) zu identifizieren. Bevor sie zu DNB kam, war McTavish knapp zwei Jahre bei Trucost (Teil von S&P Global) als Researchanalystin tätig, wo sie für Finanzinstitute CO2-Fußabdrücke von Portfolios und maßgeschneiderte Projekte durchführte. Sie hat einen MSc in Carbon Finance von der ­University of Edinburgh und einen BA (Hons) in Business with Economics von der Glasgow Caledonian University.

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