Ohne Zins und Verstand

Prof. Dr. Max Otte

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Kolumne II

Gastbeitrag von Prof. Dr. Max Otte, PI Privatinvestor Kapitalanlage GmbH

Die Welt befindet sich nicht nur in der Corona-Pandemie, wir sind auch mitten in einer globalen Schuldenkrise. Schon letztes Jahr haben die Staaten, unterstützt von ihren jeweiligen Zentralbanken, massiv Schulden aufgenommen – und es ist kein Ende in Sicht. Wie bekommen wir den Geist wieder in die Flasche? Die Wahrheit: Auf normalem Wege ist dies nicht möglich. Laut US-Milliardär und Hedgefondsmanager Ray Dalio lassen sich Schuldenkrisen nur auf vier Weisen oder mittels ­einer Kombination davon „wegzaubern“:
1. Sparen und damit einhergehende Insolvenzen,
2. Schuldenrestrukturierungen, -streichungen und Währungsreform,
3. Gelddrucken und Inflation und
4. Transfers von denen, die etwas haben, zu denen, die wenig oder nichts haben (z.B. bedingungsloses Grundeinkommen).

Option 1 ist mittlerweile ausgeschlossen, Option drei scheint ihre Grenzen erreicht zu haben – bleiben also nur noch die ­zweite und vierte Option. Wenn die ­Notenbanken eigene Krypto­währungen ausgeben, wäre z.B. „Geld mit Verfallsdatum“ denkbar. Negativ­zinsen sind im Grunde nichts anderes. Wir werden gezwungen, zu investieren oder zu konsumieren, und können immer ­weniger „auf der hohen Kante“ behalten.

Inflationsbeschleuniger
Das Geldvermögen der Deutschen von 6,7 Bio. EUR (!) muss abgeschmolzen werden. Neben den Zwangsmaßnahmen des Staats wie Schuldenrestrukturierungen und Transfers zieht auch die offene und versteckte Inflation an. Die Pandemie wirkt als Beschleuniger. Die Forschungsplattform www.nullzinspolitik.de unter Leitung von Prof. Dr. Gunther Schnabl zeigt deutliche Inflationsbeispiele aus dem ­realen Leben: So machen die Mieten nur 6,5% im harmonisierten Verbraucherpreisindex zur Inflationsmessung aus – ein Witz, wenn man bedenkt, dass beispielsweise in München mittlerweile über 50% des durchschnittlichen Haushaltseinkommens für die Miete draufgehen. Unternehmen treiben die Inflation versteckt nach oben, indem sie Preise beibehalten, aber Packungsgrößen reduzieren. Qualitätsverbesserungen wie mehr Rechnerleistung wirken sich preismin­dernd aus und dämpfen die Inflation. Verschlechterungen, z.B. beim Service oder in der Produktqualität, werden jedoch nicht als Preissteigerungen berücksichtigt. Prof. Dr. Schnabl resümiert: „Hätten wir eine ­höhere gemessene Inflationsrate, wie dies unsere alternativen Inflationsmaße andeuten, dann wäre die preisbereinigte Lohnentwicklung womöglich schon für einen Zeitraum von bis zu 20 Jahren negativ.“ Vielen Lohn- und Gehaltsempfängern der Mittelschicht geht es schlechter als vor zehn Jahren – und mit Ersparnissen auf ihrem ­Bankkonto werden sie doppelt geschröpft.

Vom Sparen zum Investieren
Mit Blick auf die immensen Ersparnisse der Deutschen besteht akuter Handlungsbedarf. Die meisten Deutschen aus der Mittelschicht begehen allerdings immer die gleichen Fehler: Sie kaufen zu große Eigenheime in der Pampa und denken, das sei eine Investition, wobei es in Wirklichkeit Konsum ist, oder sie lassen das Geld auf dem Konto liegen und investieren gar nicht. Das Gute: Sie selbst sind hier Handelnder, nicht der Staat und nicht die Zentralbanken. Wichtig ist der systematische Transfer vom Sparen (= Konsumverzicht) hin zum Investieren (= Erwerb von produktiven ­Vermögensgegenständen). Durch Sachwerte wie Aktien schützen Sie Ihr Vermögen vor Inflation.

Prof. Dr. Max Otte hat als Wirtschafts- und Finanzexperte sowie anerkannte Autorität auf dem Gebiet des werthaltigen Investierens (Value Investing) zahlreiche Bücher und Artikel zu Wirtschafts- und Finanzthemen veröffentlicht. Er hatte Professuren an der Boston University, der Hochschule Worms und der Universität Graz inne und ist seit fast 40 Jahren an der Börse aktiv.
Prof. Dr. Otte ist an Unternehmen beteiligt, die zusammen über 2,5 Mrd. EUR an Kundengeldern betreuen. Seine PI Privat­investor Kapitalanlage GmbH mit Sitz in Köln betreut u.a. den PI Vermögensbildungsfonds (WKN: A1J3AM), den Max Otte ­Multiple Opportunities Fund (WKN: A2ASSR) und mehrere Man­date für institutionelle Investoren. Prof. Dr. Otte ist zudem Herausgeber des Kapitalanlagebriefs „Der Privatinvestor“.

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