Rettungsanker Gold

Titelbild: © Artem – stock.adobe.com

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Gold funktioniert. Aber nur mit diesem Papier …

Klumpen ohne Risiko

Alle, die in der Europäischen Union (EU) leben, arbeiten und sparen, haben es mit einem klassischen Klumpenrisiko zu tun, da praktisch alle bestimmenden Faktoren der wirtschaftlichen Existenz auf die eine oder andere Art von der EU und dem Euro abhängen. Es ist daher theoretisch – und zunehmend auch praktisch – ratsam, einen Teil seiner Ersparnisse bewusst diesem Klumpen zu entziehen und auf einen anderen Klumpen zu setzen – z. B. auf Gold. Gold ist eine Versicherung gegen Krisen aller Art, sogar gegen Krisen der Versicherungswirtschaft. Auch gegen Währungs- und Staatskrisen sollte Gold – zumindest teilweise – schützen. Zudem ermöglicht eine goldene Depotbeimischung auch noch eine gewisse Unabhängigkeit von den Launen des Aktienmarktes.

Betrachtet man die Euro-Notierung des Goldkurses (vgl. Abb.), so fällt ein spannendes Muster auf: Wohldefinierte Konsolidierungsphasen und steile Kursanstiege wechseln sich ab. Große Konsolidierungen finden sich zwischen 2016 und 2018, vom Sommer 2020 bis zum Sommer 2021 und vom Sommer 2022 bis heute. Dazwischen liegen die erwähnten steilen Aufstiegsperioden. Und noch etwas ist auffällig: Der übergeordnete Trend des Goldes gegenüber dem Euro weist seit vielen Jahren nach oben.

Ein Trend ist ein Trend ist ein Trend

Für diesen übergeordneten Aufwärtstrend werden von Experten die verschiedensten Gründe genannt: Zuletzt natürlich die Inflation, aber auch eine strukturelle Überlastung der Staatshaushalte, eine Überdehnung der EU – sowohl territorial als auch kompetenzmäßig –, eine überforderte Europäische Zentralbank (EZB), etc. Der rationale Anleger mag die Gründe mehr oder weniger einleuchtend finden, oder auch noch weitere Begründungen finden bzw. vorziehen. Wichtig aber bleibt für ihn vor allem der Kurs und der Trend, und der zeigt – wie gesagt – nach oben. Entsprechend dürfte man mit einer auch kräftigeren Goldbeimischung aller Wahrscheinlichkeit nach auf mittlere und längere Sicht kaum etwas falsch machen.

Nur in eine Falle darf der Anleger beim Goldkauf nicht tappen. Sie ist neu und manchem noch unbekannt. Zunächst haben Goldmünzen und -barren gegenüber Gold-Fonds oder -Zertifikaten unbestreitbare Vorteile. Sie sind keine bloßen Rückzahlungsversprechen. Physisches Gold ist auch nicht auf elektronische Börsenhandelsplätze angewiesen, welche im Krisenfall womöglich wenig zuverlässig sind. Eine Goldmünze wird auf den Tisch des Hauses gelegt und dann gibt es dafür Bargeld zum aktuellen Kurs. Doch Stopp! So einfach ist es eben nicht, nicht mehr. Denn genau hier lauert die relativ neue Falle.

„Halt! Ausweis!“

Gestützt auf und ermuntert durch Gesetzesänderungen verlangten schon in den letzten Jahren immer mehr Banken und Goldankäufer vom privaten Verkäufer, sich mit einem amtlichen Papier auszuweisen. Mittlerweile geht man noch einen Schritt weiter und erwartet oft einen Herkunftsnachweis für das angebotene private Goldvermögen. Hinter vorgehaltener Hand wird dem interessierten Nachfrager am Banktresen bedeutet, man handle sozusagen in vorauseilendem Gehorsam. Schlicht gesprochen: Man hat Angst, dem Vorwurf ausgesetzt zu werden, der Geldwäsche Vorschub geleistet zu haben. Darum, Entschuldigung, wenn es möglich sei, zeige man doch bitte und bitte schriftlich, woher man das Gold habe, welches man gerade veräußern wolle. Ansonsten könne man dem Geschäft leider nicht näher treten …

Smarter Rat

Smart Investor Weekly rät: Wenn Sie Barren und Münzen kaufen, achten Sie darauf, eine Quittung zu erhalten. Bewahren Sie die Quittung auf, an einem Ort, an den Sie sich erinnern und über den Sie gegebenenfalls Ihre Erben informieren. Werfen Sie Quittungen von früheren Käufen nicht weg. Das Umfeld wird rauer. Der Generalverdacht gegen unbescholtene Eigentümer ist ebenso salonfähig geworden wie der Generalverdacht gegen das Eigentum an sich. Anleger müssen sich an dieses stark eingetrübte Umfeld anpassen. Beim Smart Investor haben wir uns immer wieder intensiv mit der Thematik beschäftigt, zuletzt im großen Kapitalschutzreport im aktuellen Smart Investor. Einen Teaser des Gastbeitrags von Josef Schöftenhuber, Geschäftsführer der active SYNERGIE CONSULTING Ltd., finden Sie hier. Den kompletten Beitrag lesen Sie in Smart Investor 11/2022, den Sie hier bestellen können. Zumindest so viel dürfen wir Ihnen verraten. Die Politik hat in den letzten Jahren ein ganzes Arsenal an regelrechten Enteignungsgesetzen geschaffen, die nur noch auf ihren Einsatz warten.

Buffett kauft

Aktien im Wert von 9 Mrd. USD kaufte Investment-Ikone Warren Buffett im dritten Quartal dieses Jahres. Buffett gilt als der erfolgreichste Anleger der Welt. Daher ist es immer interessant, was auf der Einkaufsliste für sein Investment-Konglomerat Berkshire Hathaway steht. Buffett kauft: unter anderem Aktien von Occidental Petroleum und Chevron, zwei Großunternehmen aus dem Öl-Sektor. Er investiert in den börsennotierten Häuserbauer Louisiana-Pacific, in die Finanzholding Jefferies Financial sowie in den Chemiekonzern Celanese.

Taiwan-Wette

Der Finanzprofessor David Kass kommentiert im Wall Street Journal: „Das ist typisch Buffett. Er ist gierig, wenn andere ängstlich sind und ängstlich, wenn andere gierig werden.” Typisch Buffett ist auch, dass er seine Position am Halbleiterhersteller Taiwan Semiconductor (WKN: 909800, Hauptsitz Taiwan) aufstockt, obwohl Chinas Parteichef Xi Jinping wiederholt drohte, das unabhängige Taiwan wieder für China in Besitz nehmen zu wollen. Buffett dürfte hier strategische Überlegungen anstellen oder über Informationen von höherer Stelle verfügen. US-Präsident Joe Biden traf sich gerade mit Xi Jinping. Nachdem der Markt von Buffetts Investment erfuhr, schoss die Aktiennotierung von Taiwan Semiconductor um über 10% nach oben.

Die begehrteste Druckerei der Welt

Strategische Überlegungen dürften auch ratsam sein, wenn ein Anleger darüber nachdenkt, ob er in Aktien der wohl begehrtesten Druckerei der Welt investieren sollte. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine Notenbank, sondern um die niederländische ASML (WKN: A1J4U4). Diese stellt Spezialdruckmaschinen her. Chip-Fabriken wie eben Taiwan Semiconductor drucken auf ASML-Maschinen ihre Integrierten Schaltkreise (= Chips). Kaum jemand beherrscht die Herstellung der Spezialdruckmaschinen so gut wie ASML. Entsprechend liest sich die Kundenliste wie ein „Who Is Who“ der weltweit führenden Chiphersteller.

Zunächst befürchteten Börsianer, dass ASML bald das China-Geschäft abhandenkommen könnte, falls sich die Wirtschaftswelt aufgrund von Xi Jinpings Taiwan-Drohungen und Weltmachtambitionen noch weiter in einen West- und einen Ostwirtschaftsblock aufteilen sollte. Mittlerweile jedoch scheint die Mehrheit der Börsianer zu der Ansicht gelangt zu sein, dass ASML auch in einer solcherart geteilten Wirtschaftswelt beste Karten hat. Den Chinesen wird es offenbar auf Jahre kaum gelingen, eine eigene supermoderne Chip-Produktion auf die Beine zu stellen, und die westlichen Chip-Hersteller brauchen die fortschrittlichen Maschinen der niederländischen ASML ebenfalls. Seit dem Tiefpunkt am 13.10.22 ist der Kurs von ASML entsprechend wieder kräftig angestiegen.

Zu den Märkten

Direkt nach dem letzten Smart Investor Weekly bestätigte der DAX den positiven Grundton mit einem weiteren Satz um +3,5% am vergangenen Donnerstag. Ursache waren die niedriger als erwartet ausgefallenen US-Inflationszahlen, die weltweit ein regelrechtes Kursfeuerwerk entfachten. Damit konnte im DAX auch das Zwischenhoch von Mitte August überwunden werden. Selbst die Irritationen um Raketeneinschläge in Polen, die den hiesigen Boulevard und einige Hinter- und Mittelbänkler bereits in Kriegsbegeisterung taumeln ließen, konnten dem Markt bislang nichts anhaben. Das ist ein Zeichen der Stärke, besonders, da die deutschen Standardtitel nach einer Rally um mehr als 2.500 Punkte deutlich übergekauft sind. Schließlich konnte zuletzt auch die 200-Tage-Linie erstmals seit Januar 2022 wieder überzeugend überwunden werden. Zwar fällt diese im Moment noch, mit dem ersten Tag, an dem der Index aber einen höheren Wert als vor 201 Tagen haben wird, würde auch dieser langfristige gleitende Durchschnitt steigen.

Vor dem Hintergrund der fundamentalen Situation ist der Kursaufschwung kaum zu erklären. Die Unternehmen ächzen unter Inflation, Lieferproblemen, eingetrübter Kauflaune und einer drohenden Rezession. Immer mehr kündigen Kurzarbeit an, wandern ab oder machen gleich ganz dicht. Steigende Kurse in einer solchen Situation werden dann standardmäßig mit Hoffnungen auf eine bessere Zukunft begründet – das berühmte Licht am Ende des Tunnels. Doch könnte sich diesmal dahinter auch ein anderer Effekt verbergen, den die Austrians als Crack-up-Boom bezeichnen. Dieser Boom heißt auf Deutsch auch Katastrophenhausse, was den Kern der Sache trifft. Denn positiv ist eine solche Hausse trotz steigender Kurse nicht. Im Wesentlichen steckt dahinter eine Flucht aus dem Fiatgeld in all jene Anlagen, von denen man sich auch bei fortgesetztem und/oder beschleunigtem Geldverfall noch Werthaltigkeit verspricht. Da insbesondere der EZB weiter die Hände für eine ernsthafte Anti-Inflationspolitik gebunden sind, ist ein solcher Crack-up-Boom auch gar nicht so abwegig, wie es manchem im Moment vielleicht erscheinen mag. Im nächsten Smart Investor 12/2022 werden wir der Frage nachgehen, welche Argumente auch schon kurzfristig für eine solche Katastrophenhausse sprechen.

Musterdepots & wikifolio

In der Rubrik Musterdepots & wikifolio berichten wir heute über unsere alten und mehrere neue Transaktionen in den beiden Musterdepots sowie über die Entwicklung in unserem wikifolio „Smart Investor – Momentum“. Sie können sich dort durch einfaches Blättern einen schnellen Überblick über die Transaktionen der letzten Wochen verschaffen. Um diesen Bereich lesen zu können, müssen Sie Abonnent des Smart Investor Magazins sein und sich auf der Smart-Investor-Website einloggen. Sollten Sie Ihr Passwort vergessen haben, fordern Sie bitte ein neues bei abo@smartinvestor.de an.

Fazit

Gold ist nach der Trendwende weiter ein großes Thema. Dass es daneben auch andere spannende Investmentthemen gibt, zeigte einmal mehr Warren Buffett mit seiner jüngsten Einkaufstour.

Frank Sauerland, Ralph Malisch

Smart Investor 11/2022:

Titelstory: Kapitalschutzreport 2022

Staatsfinanzen: Es brennt an allen Ecken und Enden

Konferenzen: World of Value & Ludwig von Mises

Edelmetalle: Geduld bleibt das Gebot der Stunde

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Die Charts wurden erstellt mit Guidants und Tai-Pan von Lenz+Partner. Diese Rubrik erscheint jeden Mittwochnachmittag.

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