Nebenwertefonds/-ETFs

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Mehr Chancen, höhere Risiken?

Inside

Gern gebrauchte Etiketten für das Anlage­universum der Nebenwerte sind u.a. „stark schwankungsanfällig“, „oft teuer“ und „in Krisenzeiten absturzgefährdet“. Manches muss mit Blick auf die Fakten zurecht­gerückt werden. So hat der Nebenwertespezialist Lupus alpha in einer Studie, ­welche Daten von 2000 bis zum Ende des ersten Quartals 2022 umfasst, bei europäischen Nebenwerten mit einigen Vorurteilen aufgeräumt. Demnach legten ­diese Titel nicht nur eine bessere Per­formance als die Aktien der ersten Reihe aufs Parkett, sie erholten sich auch schneller von zwischenzeitlichen Verlusten als Large Caps. Das große Anlageuniversum bietet aktiven Investoren zudem hervorragende Möglichkeiten, nach unentdeckten Perlen zu tauchen.

Deutsche Hidden Champions
Der Lupus alpha Smaller German Champions (WKN: 974564; +18,2% in drei Jahren) investiert vorrangig in Titel aus dem MDAX und SDAX, die international gut positioniert sind. Neben quanti­tativen Faktoren werden qualitative Aspekte wie das Gewinnwachstum berücksichtigt. Portfoliomanager Björn Glück legt beim Stock Picking großen Wert auf persönliche Gespräche und Unternehmensbesuche. Der Fonds mit über 20-jährigem Track Record hat eine beeindruckende Marathonperformance hingelegt. Seit ­Auflegung im August 2001 erzielten Anleger 699,8%, der Vergleichsindex (50% MDAX und 50% SDAX) kam in dem Zeitraum auf 365,4%. Zu den Top-Holdings zählen aktuell etwa das IT-Service-Unternehmen Bechtle und der Schmierstoffhersteller FUCHS PETROLUB.

Überdurchschnittliche Performance
Der globale Nebenwertefonds Squad Point Five (WKN: A2H9BE) aus dem Hause Point Five Capital hat auf Sicht von drei Jahren 47,0% erwirtschaftet. Der Name verweist auf das Value-Credo Warren Buffetts: „Kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cent dafür.“ Die Strategie des Fonds ist im Deep-Value-Spek­trum angesiedelt. Zur Vermeidung von Value Traps wird ergänzend ein Momentumansatz genutzt, der Katalysatoren wie operative Verbesserungen in einem Un­ternehmen in den Blick nimmt. Falls in Haussephasen keine günstigen Titel zu finden sind, wird Cash aufgebaut. Unter den Top-Holdings finden sich u.a. das Hong­konger Telekommunikationsunternehmen SmarTone oder die US-Holding Vector Group, die im Immobilien- und Tabakgeschäft tätig ist.

Die Kleinsten im Blick
Augustin Lecocq und Aurélia Caruso lenken den Mandarine Europe Microcap (WKN: A2AQ7L; +25,3% in drei Jahren) aus dem Hause der französischen Fondsboutique Mandarine Gestion. Im Blickpunkt stehen europäische Wachstumsunternehmen mit einer Marktkapitalisierung von maximal 800 Mio. EUR. Neben der Wachs­tumsstärke wird u.a. auf Bewertung und Momentum geachtet. Der Fonds ist mit gut 200 annähernd gleichgewichteten ­Titeln hoch diversifiziert. Selbst die am stärksten gewichteten Titel wie das britische Selfstorage-Unternehmen Lok’nStore Group und der französische 3D-Druck-Spezialist Prodways Group sind mit deutlich unter 1% im Fonds vertreten.

US-Nebenwerte mit Value-Charakter
Der SPDR MSCI USA Small Cap Value Weighted ETF (WKN: A12HU5; +51,3% in drei Jahren für Euroanleger) bildet ­einen werthaltigen Aktienkorb aus nahezu 2.000 Nebenwerten ab. Er enthält die Titel des MSCI USA Small Cap Index. Im Unterschied zum herkömmlichen US-Nebenwerteindex sind die Unternehmen bei der Value-Benchmark nicht nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet. Das entscheidende Kriterium ist die Bewertung der Aktien. Zur Identifizierung werden fundamentale Kennziffern wie der Buchwert genutzt. Der Finanzsektor ist mit 27,8% aktuell am stärksten vertreten. Zu den größten Positionen im Fonds, die gerade einmal ca. 0,6% des Portfolios ausmachen, zählen das Öl- und Gasunternehmen Chesapeake Energy (siehe auch S. 50), der Energieinfrastrukturdienstleister Plains GP Holdings und die Versicherungsholding Unum Group.

Asienfokus
Der Matthews Asia Small Companies Fund (WKN: A1W1Z4; +58,5% in Euro auf Dreijahressicht) nimmt Nebenwerte aus dem asiatisch-pazifischen Raum außer­halb Japans in den Blick. Fondsmanager Vivek Tanneeru sucht Firmen mit starken Wettbewerbsvorteilen und Preisset­zungsmacht. Ein Schwerpunkt liegt auf Unternehmen, die den steigenden Konsum­bedarf in der Region befriedigen. Am stärksten ist aktuell Indien mit 32,6% ­vertreten, gefolgt von China/Hongkong (27,2%). Im drit­ten Quartal haben indische Unternehmen u.a. von der Normalisierung des Wirtschafts­lebens im Land nach der Corona-Krise profitiert. Unter den Top-Holdings ­­finden sich der indische Finanzdienstleister Bandhan Bank und der südkoreanische Batterie­materialien­her­stel­ler ECOPRO BM.


Mäßige Performance
Eine deutlich unterdurchschnittliche Performance mit einem Minus von 10,8% in drei Jahren lieferte der AXA WF Framlington Europe Small Cap (WKN: 657738) ab. In den vergangenen Jahren blieb der Fonds stark an der Entwicklung der Benchmark, des STOXX Europe Small 200 TR Net, kleben. Seit Ende 2020 konnte er selbst mit der Entwicklung des Vergleichsindex nicht mehr mithalten. Am höchsten gewichtet ist der Schwei­zer Arzneimittelhersteller Siegfried Holding, der u.a. COVID-19-Impfstoffe ­abfüllt und auf Jahressicht gut 16% ab­gegeben hat. Im März haben Françoise Cespedes und Caroline Moleux das ­Portfolio übernommen, denen künftig mehr Fortune bei der Titelauswahl zu wünschen ist.

Aktuelle Antriebsschwäche
Der Threadneedle Global Smaller ­Companies (WKN: A1JJHG; +17,9% in drei Jahren) gehört mit einem Volu­men von aktuell 1,6 Mrd. EUR zu den ­Dickschiffen unter den Nebenwerte­fonds. Manager Scott Woods sucht welt­weit in Industrie­­ländern unterbewertete Qualitätstitel mit vom Markt unter­schätzten Wettbewerbsvorteilen. Auf ­lange Sicht ist die Wertentwicklung sehr überzeugend; aktuell befindet sich der Fonds in einer ­Schwächephase. Mit 60,6% sind die USA am stärksten vertreten. Zu den Top-Holdings zählt WillScot Mobile ­Mini Holdings Corp., ein Anbieter von mobilen Raum- und Lager­lösungen aus den USA.

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