Exchange-Traded Funds (ETFs)

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Inside

Mehr als passive Investments
2022 war für viele ETF-Anleger nicht gerade ein Spitzenjahr. Aktien- und Rentenindizes tauchten im Jahresverlauf ab und die entsprechenden ETFs taten es ihnen gleich. Aktive Fondsmanager mit bewährtem Risikomanagement strapazierten die Nerven der Investoren dagegen weniger. Unabhängig vom Blick in den ­Rückspiegel: Der Streit um aktives oder passives Manage­ment entwickelt sich immer mehr aus der Phase des Entweder-oder zu einem Sowohl-­als-auch. Semiaktive und aktive Ansätze in ETFs treten zunehmend in Konkurrenz zu den Indexabbildern.

Aktiv gemanagte ETFs
Aktiv gemanagte ETFs wollen das Beste aus den Welten des aktiven und passiven Investierens bieten, also Chancen auf Outperformance kombiniert mit niedrigen Kosten. In den USA sind diese ETFs schon seit längerer Zeit beliebt, in ­Europa stehen sie noch am Anfang. Zu hoher Bekanntheit hat es auch in Deutschland der von Cathie Wood gemanagte ARK Innovation ETF aus den USA gebracht. Während der Hausse der Wachstumswerte ging er spektakulär durch die ­Decke und stürzte dann ebenso spek­takulär ab. Das Analysehaus Scope ­machte in einer aktuellen Studie zu dieser ETF-Gattung in Deutschland 50 aktive ETFs unterschiedlicher Emittenten aus. Laut Scope lagen sie bei einer Kostenquote von 0,05% bis 0,85% deutlich unter den Kosten der herkömmlichen ­aktiven Fonds. Auf S. 24 behandeln wir die Performance von ETFs auf Mode­themen, die unabhängig von der Marktphase nicht überzeugen kann.

Faktoreninvestment mit gutem Gewissen
Unter diesen aktiven ETFs lieferte der ­Ossiam US ESG Low Carbon Equity Factors (WKN: A2PG7C; +41,0% in drei Jahren) gute Ergebnisse. Das Anlageuniver­sum besteht aus US-Aktien unterschiedli­cher Marktkapitalisierung. Zunächst werden die Titel über einen Best-in-Class-­Ansatz nach ihrer ESG-Qualität gerankt und die schlechtesten 20% ausgesondert. Aus den übrigen 80% werden Unternehmen mit kontroversen Geschäftsmodellen wie umstrit­tene Waffengeschäfte eliminiert. Danach wird ein Portfolio konstruiert, das ­Faktoren wie Value und Momentum auf Sektoren- und Aktienebene berücksichtigt. Unterneh­men werden so gewichtetet, dass sie den CO2-Fußabdruck gegenüber der ­Benchmark, einem herkömmlichen US-Large-und-Mid-Cap-Index, um 40% reduzieren. Zu den Top-Holdings des ETFs gehören aktuell Tesla und Amazon.

Energie im Depot
Im Jahr 2022 zählte der Energiesektor zu den Top-Performern. Die Ursache lag vor allem in der starken Nachfrage nach Öl und Gas sowie dem Comeback fossiler Energie­träger. Seit Jahresbeginn konnten Anleger mit dem iShares MSCI World Energy Sector ETF USD (WKN: A2PHCF) 53,8% verdienen, auf Dreijahressicht lag die Performance bei 52,7%. Der ETF deckt das Segment der Energieaktien aus den Industrieländern ab. Zu den im ETF enthalte­nen Unternehmen zählen an der Spitze die Branchenschwergewichte ­ExxonMobil, Chevron und Shell.

Rohstoffe im ETF-Mantel
Der L&G Longer Dated All Commodities ETF (WKN: A1CXBU) bietet Anlegern ein breit diversifiziertes Rohstoffportfolio. Der Indexfonds aus dem Haus der Assetmanagementtochter des britischen Versicherers Legal & General deckt neben Energie, Industrie- und Edelmetallen auch die Segmente Landwirtschaft und Viehzucht ab. Basiswert ist der Bloomberg Commodity Index 3 Month Forward TR USD. Die Indexgewichtung der Rohstoffe wird nach Produktionsmenge und Liquidität der Rohstoffe vorgenommen. Die Höchstgrenze für einzelne Rohstoffe liegt bei 15%, für die Rohstoffsektoren bei 33%. Unter den einzelnen Commoditys ist Gold aktuell mit 13,4% am stärksten gewichtet, gefolgt von Erdgas mit 11,9%. Anleger erwirtschaf­teten mit dem ETF auf Sicht von drei Jahren 74,8% in Euro.

Wandelanleihen im Blick
Der SPDR Refinitiv Global Convertible Bond (WKN: A12CZS) bietet ein Investment in gut 350 Wandelanleihen. Die Perfor­mance lag in drei Jahren für Euroanleger bei 16,4%. Unter den Sektoren dominiert aktuell die IT mit 31,6%. Bei den Top-Holdings finden sich Convertibles von Palo Alto, einem US-Cybersicherheitsunternehmen, und dem mexikanischen Telekomkon­zern América Móvil. Basiswert des ETFs ist der Refinitiv Qualified Global Convertible Index. Die Benchmark wird monatlich rebalanciert, Emittenten dürfen am Anfang eines Monats zu maximal 4% im Index vertreten sein. Darüber hinaus muss das Emissionsvolumen der Wandelanleihen bestimmte Mindestgrößen erreichen.

Nachhaltige Ernährung
Der britische Anbieter Rize ETF konzen­triert sich auf Themen-ETFs. Zur Auswahl steht beispielsweise der im August 2020 aufgelegte Rize Sustainable Future of Food ETF (WKN: A2P876). Die Unternehmen im ETF liefern ihren Beitrag zur Gewährleistung der weltweiten Ernährung bei gleichzeitiger Minderung von Umweltschäden und Treibhausgasemissionen. Das Themenspektrum der Aktien umfasst u.a. die Segmente nachhaltige Verpackungen, Biolebensmittel und Wassertechnologie. Zu den Firmen, in die investiert wird, zählen O-I Glass, der Weltmarktführer für Glasbehälter, und der Kartoffelproduktehersteller Lamb Weston Holdings.

Edelmetallminen-ETF
Von einem möglichen Comeback der Edelmetallminen können Anleger mit dem Van­Eck Vectors Junior Gold Miners ETF (WKN: A12CCM) profitieren. Der Fokus liegt auf Nebenwerten, die oft am Beginn der Exploration stehen. Die gewichtete durchschnittliche Marktkapitali­sierung der knapp 100 Unternehmen, in die der ETF investiert, liegt aktuell bei 2,6 Mrd. USD. Auf Dreijahressicht lag der Wertzuwachs bei 2,8%. An der Spitze der Top-­Positionen befinden sich derzeit ­Yamana Gold und Kinross Gold.

Comeback der Schwellenländer?
Bereits 2021 entwickelten sich mit Blick auf MSCI Emerging Markets und MSCI World die Aktien der Schwellenländer schwächer als die der Industriestaaten. Der Trend setzte sich 2022 fort. Für antizyklisch orientierte Investoren eröffnen sich Chancen. Mittlerweile ist der MSCI Emerging Markets Index mit einem KGV von unter zwölf günstig bewertet. Der HSBC MSCI Emerging Markets ETF (WKN: A1JCMZ; +2,4% in drei Jahren) bietet einen diversi­fizierten Zugang zu ­Schwellenländeraktien. Aktuell sind Finanztitel mit 23,5% am stärksten gewichtet, unter den Ländern dominiert Festlandchina mit 26,7%.

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