Das Desaster des Benjamin Graham

Dirk Stöwer

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Kolumne

Gastbeitrag von Dirk Stöwer, Kontor Stöwer Asset Management

Von all den Geschichten über den legendären „Vater des Value Investing“ sollte man besonders eine stets im Bewusstsein behalten. Anfang 1930 traf Benjamin Graham in Florida den 93-jährigen Geschäftsmann John Dix. Dieser warnte ihn eindringlich: „Mr. Graham, I want you to do something of the greatest importance to yourself. Get on the train to New York tomorrow; go to your office, sell out your securities; pay off your debts, and return their capital to your partners.“ Graham ignorierte den Rat – und verlor während der Großen Depression über 70% des Anlegerkapitals.

Warum verlor Graham beim Crash von 1929 so viel Geld?
Graham war damals keineswegs der defensive Value-Investor, als den wir ihn später kennen. In den 1920er Jahren betrieb er mit seinem Partner Jerome Newman eine Investmentfirma, die zwar auf Fundamentaldaten achtete, aber auch stark gehebelt war. Graham nutzte Kredite, um Positionen zu vergrößern, und betrieb Arbitragegeschäfte. Was ihm letztlich das Genick brach, war nicht der Fehler in der Analyse, sondern das Unterschätzen der Systemrisiken: der massiven Kreditvergabe, der Illusion ewigen Wachstums, und – ganz wesentlich – der psychologischen Blase, in der sich die Märkte damals befanden. Als die Kurse kollabierten, wurden auch Graham-Newman-Positionen zwangsliquidiert – Margin Calls, illiquide Assets, massive Kursverluste. Innerhalb kürzester Zeit war ein erheblicher Teil des verwalteten Kapitals vernichtet.

Defensive Strategien gegen den Wahn dieser Welt
In einer Ära, die Gewissheiten zersetzt und der Zauberkasten der digitalen Finanzmärkte seine volle Wirkung entfaltet (Stichworte: Geldschöpfung, Bitcoin, Stablecoin), verliert auch das Finanzsystem zwangsläufig seine Stabilität. Die Postmoderne, oft als kulturelle Haltung beschrieben, hat längst Einzug in die ökonomische Realität gehalten – mit dramatischen Folgen. Wo früher Wissen, Erfahrung und bewährte Vorgehensweisen das Fundament bildeten, herrschen heute dogmatischer Eifer, Hysterie und uferlose Regulierung. So sollen Finanzprodukte oder selbst die Notenbanken den Klimawandel beeinflussen: ein System, das Komplexität mit Kontrolle verwechselt, Wachstum mit Blasenbildung und Innovation mit Intransparenz. Hinzu kommt seit diesem Jahr die neue Zollstrategie der USA, die sich gegen den Wohlstand der Nationen richtet und an die klassischen Tributzahlungen der Antike erinnert.

Wer in der heutigen Marktphase der grenzenlosen Staatsverschuldung gut schlafen möchte, sollte sich stets Grahams schmerzhafte Lektion in Erinnerung rufen. Dabei geht es nicht um die Frage, ob der große Reset kommt, sondern darum, wie man ihn finanziell bestmöglich übersteht. Denn sollte der Finanz-GAU eines Tages tatsächlich vor der Tür stehen, ist es für einen Strategiewechsel zu spät. Investieren mit Demut, Bescheidenheit und Weitsicht haben sich nachhaltig bewährt. Deshalb gehören auch konservative Ansätze, wie etwa defensive Multi-Asset-Fonds sie bieten, in jedes Portfolio. Diese streuen systematische Risiken breit und legen den Fokus auf Werterhalt auch unter schwierigsten Bedingungen. In einer Welt des postmodernen Irrsinns ist Vorsicht kein Anachronismus, sondern eine Überlebensstrategie.

Dirk Stöwer ist zusammen mit Martin Beckmann Geschäftsführer der Kontor Stöwer Asset Management (KSAM) in Trier. Beide verantworten den KSAM EinkommenAktiv Fonds (WKN: A113US), den KSAM-Value² Fonds (WKN: A2QAX5),den KSAM REBO Flex Fonds (WKN: A3DV7N) und seit 01.02.2024 auch den Scandinavian ValueBuilder (WKN: A2N66Y). Die erfolgreichen Value-Investoren betreuen bundesweit vermögende Privatkunden und institutionelle Anleger. KSAM ist zudem Veranstalter der Fondskongresse in Stuttgart und Trier.

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