„Anleger sollten darauf gefasst sein, dass zyklische Aktien stärker leiden“

Louis Puga

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Interview

Smart Investor im Gespräch mit Louis Puga, Société de Gestion Prévoir, über den Investmentansatz des Prévoir Gestion Actions (WKN: A1T7ND) und den Verzicht auf Rüstungsaktien

Smart Investor: Was sind die wesentlichen Kriterien für die Aktienauswahl im Prévoir Gestion Actions?
Puga: Der Fonds setzt auf aktives Stock Picking. Im Fokus stehen Titel aus Euroland, die nach unserer Auffassung ein langfristiges und nachhaltiges Wachstum bieten. Die Qualitätsparameter der in Betracht kommenden Unternehmen umfassen u.a. ein bewährtes Geschäftsmodell sowie ein fähiges Managementteam – aus unserer Sicht ein entscheidender Faktor für langfristigen Erfolg. Darüber hinaus hat der Investmentansatz einen Fokus auf stetiges Umsatz- sowie Gewinnwachstum der Firmen nebst einer robusten Finanzstruktur mit niedriger Verschuldung. Die Eigenkapitalrendite sollte idealerweise, je nach Branche, 10% bis 15% betragen. Ein weiteres Kriterium bei der Auswahl ist ein großer Umsatzanteil in Märkten, die ein strukturelles Wachstum aufweisen, wie die USA oder Asien. Besonders mögen wir Familienunternehmen, da diese meist effizienter agieren. ESG-Faktoren fließen zwar in die Investmententscheidungen ein, sind aber nicht ausschlaggebend, sondern lediglich Teil eines umfassenden Bewertungsprozesses.

Smart Investor: Worauf müssen sich Anleger aus Ihrer Sicht in den kommenden Monaten bei europäischen Aktien einstellen?
Puga: Das Szenario einer Kombination aus schwachem Wachstum und anhaltender Inflation in Europa könnte durch einen schwächer werdenden US-Arbeitsmarkt mit höherer Kerninflation weiter befeuert werden. In Europa nimmt der Druck durch eine hohe Verschuldung, politische Unsicherheiten und strategische Fehlentscheidungen zu. Anleger sollten daher darauf gefasst sein, dass zyklische Aktien stärker leiden. Da der Fonds bereits jetzt stark auf Wachstumsbranchen wie beispielsweise Tech-Werte ausgerichtet ist, sollte er weniger davon betroffen sein. Aus diesem Segment sind aktuell etwa ASML Holding und BE Semiconductor, beide wichtige Ausrüster für die Chipindustrie, im Portfolio. Trotz allem Enthusiasmus für Technologiewerte behalten wir die Bewertungen und Risiken im Blick. Kurzfristig bestehen natürlich nach wie vor starke geopolitische Unsicherheiten, die sich jedoch bei langfristiger Betrachtung abschwächen sollten.

Smart Investor: Der Prévoir Perspectives (WKN: A1XCQU) mit einem Schwerpunkt auf europäischen Nebenwerten konnte bislang in diesem Jahr knapp 10% zulegen. Wie unterscheidet sich der Ansatz von dem des Prévoir Gestion Actions?
Puga: Es ist richtig, dass sich der Prévoir Perspectives seit Jahresanfang um einiges besser schlägt als der Prévoir Gestion Actions. Das ist zum einen durch Nachholeffekte bedingt, ein weiterer wichtiger Punkt ist das weitgehende Fehlen des US-Dollar-Effekts. Der Greenback hat zum Euro im bisherigen Jahresverlauf ja deutlich verloren. Auch wenn der Prévoir Perspectives hauptsächlich in Wachstumswerten investiert ist, ist er mehr ein Fonds, der einen Growth-at-a-Reasonable-Price-(GARP-)Ansatz verfolgt, also auf eine Kombination von Wachstum und Bewertung setzt. Dieser Investmentansatz ist ebenfalls zyklischen Entwicklungen ausgesetzt, die im bisherigen Jahresverlauf erfreulicherweise für Rückenwind gesorgt haben.

Smart Investor: Der Prévoir Gestion Actions befindet sich aktuell auf einer Durststrecke. Was sind die Ursachen?
Puga: Bei dem Fonds hat die angesprochene US-Dollar-Abwertung zur europäischen Gemeinschaftswährung negativ durchgeschlagen. Die Portfoliounternehmen des Fonds sind mit ihren Umsätzen stark in dieser Währungszone engagiert. Durch die Abschwächung des Greenback und natürlich durch die Zollpolitik der USA weisen die Aktien bislang in diesem Jahr eine etwas schlechtere Performance auf. Das sollte sich aber im Laufe des Jahres wieder ausgleichen. Die langfristige strategische Ausrichtung und die Ertragskraft der europäischen Titel, in die wir investieren, überzeugt uns nach wie vor.

Smart Investor: Europäische Rüstungsaktien hatten in den vergangenen Monaten eine herausragende Performance geliefert. Aus welchen Gründen investiert der Prévoir Perspectives nicht in diesen Sektor?
Puga: Der Fonds investiert von seiner Investmentphilosophie her nicht in Werte, die stark vom Staat abhängen, sei es durch Subventionen, als Kapitaleigner oder auch als größter Kunde. Dies ist beispielsweise bei Werten wie Rheinmetall, zumindest was die Rüstung betrifft, der Fall. Ein Engagement des Staates führt oft zu unwägbaren Entscheidungen, die jeder marktwirtschaftlichen Logik entbehren. Das erschwert es auch, diese Unternehmen zu analysieren. Daher ist die Abhängigkeit der Unternehmen vom Staat für uns ein Ausschlussfaktor.

Smart Investor: Herr Puga, vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Graduiert mit dem Schwerpunkt auf ­Finanzen der EDHEC Business School und als CIIA startete Louis Puga seine Karriere bei La Caisse des Dépôts et Consignations als Staatsanleihenportfolio­manager für Emerging Markets, bevor er in das Aktienportfoliomanagement für Small- und Mid Caps wechselte. 2021 stieß er zur Société de Gestion Prévoir und übernahm ab Januar 2022 federführend das Management des Prevoir Gestion ­Actions (WKN Retailtranche: A1T7ND; Institranche: A114GU), welcher auf Mid- und Big Caps in Paneuropa fokussiert ist.

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