„Ich denke nicht, dass das ein Zufall ist“

Smart Investor: Herr Griffin, die „Kreatur von Jekyll Island“, also die FED, existiert noch immer. Was muss geschehen, damit sie verschwindet?
Griffin:
Sie ist sogar noch gewachsen. Heute dominiert sie nicht nur die Vereinigten Staaten, sondern die ganze Welt. Sie erzeugt Geld aus dem Nichts, das sie sogar nach Europa pumpt. Für die amerikanische Öffentlichkeit, die das alles bezahlen muss, sind die Konsequenzen absolut zerstörerisch.

Smart Investor: Was davon ist Zufall, was Kollateralschaden und was ist der Plan?
Griffin:
Ich denke nicht, dass das, was wir heute sehen, ein Ergebnis des ursprünglichen Plans ist. Der ursprüngliche Plan war wohl viel kleiner. Nur ein Mittel, damit die Banken die amerikanische Wirtschaft kontrollieren konnten und natürlich auch die Politik.

Smart Investor: Wie ist das eigentlich mit der Eigentümerschaft der FED?
Griffin:
Das Thema der Eigentümerschaft ist nicht so bedeutend, wie es vielleicht scheint. Zwar impliziert Eigentümerschaft Kontrolle. Aber es gibt andere Arten der Kontrolle, ohne Eigentümer zu sein. Das Wichtige ist die Kontrolle.

Smart Investor: Es gibt jetzt Initiativen in den USA, die FED abzuschaffen. Was halten Sie davon?
Griffin:
„Die FED abschaffen“ hat verschiedene Bedeutungen: Wenn Leute wie ich das sagen, dann meinen wir es auch so. Andere wollen lediglich die Überführung der FED in die Hände des Finanzministeriums. Das würde natürlich nichts ändern, denn es würde weiter Geld aus dem Nichts geschaffen.

Smart Investor: Für uns verstärkt sich der Eindruck, dass zwischen Politik und Banken eine Symbiose zulasten des Bürgers und Steuerzahlers entstanden ist?
Griffin:
Genau so ist es, eine Partnerschaft.

Smart Investor: In Deutschland haben wir z.B. im Hinblick auf die Euro-Rettung das merkwürdige Phänomen, dass 90% der Politiker beschließen, was – überspitzt gesagt – 90% der Bevölkerung ablehnen. Wen repräsentieren diese Leute eigentlich noch?
Griffin:
Das passiert gerade überall auf der Welt. Die sogenannten demokratischen Regierungen repräsentieren nicht das Volk. Sie vertreten andere Interessen, und es wird zunehmend klar, dass dies die Interessen der Finanzwirtschaft sind. Zwar regulieren die Regierungen die Banken, aber es sind die Banken, die das Geld für die Regierungen beschaffen. Wer das Geld beschafft, hat letztlich die Kontrolle über die Politiker.

Smart Investor: Bei der Gründung der FED gab es ja noch offene Opposition, die sich für das Volk einsetzte. Haben heutige Politiker den Bezug zum Volk verloren?
Griffin:
Das ist wahr, eine sehr gute Beobachtung. Eine exzellente Beobachtung.

Smart Investor: Noch eine Beobachtung: Die meisten Menschen verstehen das Wesen des Geldes gar nicht. Das kann doch kein Zufall sein?
Griffin:
[Lacht] Ich denke nicht, dass das ein Zufall ist. Es wird nicht in der Schule gelehrt. Sie sehen auch niemanden im Fernsehen über die Grundzüge des Geldwesens reden. Man kann sogar ein erfolgreicher Banker sein, wenn man zwar die Mechanik des Geschäfts versteht, aber nicht die Philosophie dahinter.

Smart Investor: Ist das eine allgemeine Tendenz, dass wir immer abhängiger von Systemen werden, deren Philosophie wir nicht verstehen (sollen)?
Griffin:
Ich denke auch hier nicht, dass das ein Zufall ist. Es ist eine Mischung: Etwas Zufall, etwas bewusste Planung, wobei die Planung wohl stärker geworden ist. Der Gegensatz besteht zwischen denen, die das Sagen haben, und dem Rest. Sie halten es für ihre Verpflichtung und ihr Privileg zu regieren – natürlich zum Nutzen aller.

Smart Investor: Das ist was sie sagen oder was sie denken?
Griffin:
Ich vermute, am Anfang dachten sie sogar so, aber dann erkannten sie irgendwann, dass das gar nicht der Fall ist. Aber sie sagen es noch immer. Für sie würde Wandel den Verlust ihrer Führungsrolle und ihres Lebensstils bedeuten. Also spielen sie einfach weiter.

Smart Investor: Was sind das für Leute, die die Fäden ziehen?
Griffin:
Meine eigene, ganz unwissenschaftliche Theorie darüber: Es gibt eine Art „Raubtierklasse“ innerhalb der Menschen, und zwar in allen Gesellschaften, Kulturen, Rassen und zu allen Zeiten. Ich würde den Anteil auf 3 bis 5% schätzen. Obwohl wir alle diese Raubtierinstinkte haben, sind sie bei diesen Menschen stärker ausgeprägt. Sie werden von der Macht angezogen wie Motten vom Licht. Als Teil der herrschenden Klasse haben sie die Möglichkeit, ihr Wesen auszuleben und respektiert zu werden, andernfalls müssten sie Kriminelle werden.

Smart Investor: Da klingt so, als sei das unabänderlich?
Griffin:
Hätten wir noch das, was wir in Amerika eine verfassungsmäßige Regierung nennen, dann hätten Politiker gar nicht so viel Macht. Die „Raubtierklasse“ würde von der Politik dann nicht mehr so angezogen werden und müsste sich anderswo entfalten.

Smart Investor: Als Kriminelle?
Griffin:
Ja, oder in Banken, im Militär, in den Gewerkschaften, kurz: wo immer es die Möglichkeit gibt, Macht auszuüben, am besten unter dem Deckmantel, Gutes zu tun.

Smart Investor: Täuscht uns eigentlich der Eindruck, dass viele „Lösungen“ der Schuldenkrise die Dinge nur schlimmer machen?
Griffin:
Der Zweck der FED besteht nicht in der Stabilisierung der Wirtschaft oder darin, den einfachen Leuten zu helfen. Der Zweck der FED besteht darin, ihren Herren zu dienen und zum Vorteil ihrer Mitglieder zu handeln. Sie ist ein Bankenkartell.

Smart Investor: Seit dem Ausbruch der Schuldenkrise wird regelmäßig Marktversagen beklagt. Zu Recht?
Griffin:
Sie beschuldigen die Märkte, das freie Unternehmertum und den Kapitalismus. Was sie nicht sagen ist, dass freies Unternehmertum und Kapitalismus schon seit Jahrzehnten nicht mehr existieren. Wir leben eigentlich in einem System der Regulierung, des Eingriffs und der Kumpanei zwischen Regierung und Großunternehmen. Das ist das System, das gescheitert ist. Was aber gesagt wird: Schaut, der Markt ist gescheitert, deshalb brauchen wir mehr Einfluss und Kontrolle durch die Regierung. Indem Worte mit falschen Definitionen verwendet werden, werden wir zu falschen Schlussfolgerungen verleitet. Das ist der Trick.

Smart Investor: Auch die neue Oppositionsbewegung „Occupy“ fordert mehr Staat. Ist das überhaupt eine echte Opposition?
Griffin:
Einige von uns, die etwas misstrauischer sind, fragen sich genau das. Das ist ein altes Spiel: Die Banken wissen, dass große Animositäten gegen sie bestehen, und es wäre aus ihrer Sicht konsequent, die Führung ihrer eigenen Opposition zu übernehmen. Diese Bewegungen auf der ganzen Welt verlangen mehr Regulierung und Kontrolle durch die bekannte Partnerschaft aus Regierung und Banken, die die Probleme ja überhaupt erst verursacht hat. Selbst wenn die Banken nichts damit zu tun hätten, müssten sie „Occupy“ lieben. Aber sie wären dumm, falls sie wirklich nichts damit zu tun haben.

Smart Investor: Auch dass „Occupy“ breiten Raum in den Massenmedien bekommt, während eine Bewegung, die freies Wettbewerbsgeld fordert, „übersehen“ wird, ist doch kein Zufall?
Griffin:
Nein, das ist kein Zufall [lacht]. Natürlich muss man so etwas wahrnehmen, selbst wenn man dann schreibt, dass die Ideen völlig verrückt sind.

Smart Investor: Wenn also Information nicht die Aufgabe der Massenmedien ist, was ist es dann? Kontrolle?
Griffin:
Sehen wir auf das Offensichtliche: Das Gehirn ist leicht zu kontrollieren. Und je intelligenter es ist, desto leichter ist es, weil es mehr Programmierungen aufnehmen kann. Werbung ist ein perfektes Beispiel für kontinuierliches, professionelles Mind Control. In den Bereichen Wirtschaft und Politik findet diese Programmierung auf dem höchstmöglichen Niveau statt. Der Umstand, dass viele das nicht bemerken und es sich auch gar nicht vorstellen können, ist ein Hinweis darauf, wie effizient hier gearbeitet wird.

Smart Investor: Wenn es um Kontrolle geht, dürfte das freie Internet ein Fehler gewesen sein?
Griffin:
Mein Gefühl ist, dass sie es nicht wirklich haben kommen sehen. Aber jetzt, wo sie es sehen, lassen sie nichts unversucht, das Internet zu kontrollieren. Es ist eines ihrer wichtigsten Projekte. Sie haben es schon geschafft, die Menschen davon zu überzeugen, dass wenn sie Kinderpornographie, Terrorismus und all die anderen schlimmen Dinge verhindern wollen, es einer stärkeren Kontrolle durch die Regierung bedarf. Da haben wir es wieder: Durch falsche Informationen und vor allem Angstkampagnen sollen die Leute gar nicht mehr zur Ruhe und schon gar nicht zum Nachdenken kommen. Am Ende verlangen selbst wohlmeinende Menschen das genaue Gegenteil von dem, was in ihrem eigenen besten Interesse wäre. Hegel’sche Dialektik. Es ist einfach, eine Kampagne zu starten, wenn man der Öffentlichkeit Fakten vorenthält.

Smart Investor: Wie sähe eine Lösung aus?
Griffin:
Die Lösung ist einfach, aber nicht leicht: Werdet das Problem los! Und das Problem ist das Papiergeldsystem. Kehrt zu gesundem Geld zurück! Der schwierige Teil ist, wie kommt man dorthin? Als erstes gehört die gesamte Gesetzgebung abgeschafft, die das Fiat-Money-System unterstützt. Die Leute brauchen alternatives Geld. Wenn der einfache Bürger einmal vom Wert konkurrierender Währungen überzeugt ist, dann werden die reinen Papierwährungen nach und nach verschwinden. Einfach weil sie niemand mehr haben will.

Smart Investor: Da wird es aber Widerstand geben, der Euro ist hierzulande „Staatsreligion“. Die Opposition will die Regierung in ihrem Euro-Eifer sogar noch überholen …
Griffin:
Das ist doch nicht ernsthaft eine Opposition, oder?! Aber in Amerika ist es die gleiche Geschichte. Es nennt sich Republikaner und Demokraten, aber es sind nur zwei Abteilungen der gleichen Partei. Die heute wichtigsten Themen, nationale Souveränität und das Papiergeldsystem, finden Sie nicht einmal auf den Wahlkampfplattformen der beiden großen Parteien. Sie sind tabu.

Smart Investor: Das ist, zufällig versteht sich, bei uns genauso.
Griffin:
Das ist der rote Faden: Es ist kein Zufall.

Smart Investor: Reden wir über die Interventionen in das Leben der Bürger. Die Wohlfahrtssysteme verschlingen mittlerweile den größten Teil der Steuereinnahmen, dennoch lesen wir über wachsende Armut. Da stimmt doch was nicht?
Griffin:
Je mehr die Regierung ihr Wohlfahrtsprogramm ausweitet, umso mehr Armut erzeugt sie. Wenn die Leute nicht durch harte Arbeit vorankommen, dann hören sie auf, hart zu arbeiten, und die Leistung geht zurück. Wenn die Leute Transfers erhalten, ohne dafür zu arbeiten, dann gibt es keinen Anreiz zu arbeiten. Der arbeitende Teil der Bevölkerung verringert sich und die Armut breitet sich solange aus, bis keiner mehr arbeiten will. Dann wird es zu einem totalitären Staat kommen, der die Leute zur Arbeit zwingen kann.

Smart Investor: Sie haben sich auch mit dem Thema Krebs beschäftigt. Wie kam es dazu?
Griffin:
Ein enger Freund von mir war Arzt. Er begann, eine nicht genehmigte Therapie bei Krebs anzuwenden, die sehr erfolgreich war. Aber das medizinische Establishment nahm ihm schließlich die Lizenz. Seine Substanz rettete zwar Leben, aber sie entstammte nicht dem Arsenal der Pharmaindustrie. Es ist die gleiche Geschichte wie mit den Banken, nur dass wir jetzt über ein Pharma-Kartell sprechen. All die Gesetze sind so gemacht, dass sie dieses Kartell unterstützen. Das „Problem“ mit Substanzen aus der Natur: Sie sind billig und man kann sie nicht patentieren.

Smart Investor: Man schaltet also – zum Wohle des Kunden/Patienten versteht sich – bewusst neuen Wettbewerb aus?
Griffin:
Genau. Ein Kartell funktioniert sogar besser als ein Monopol, weil es den Eindruck von Wettbewerb erzeugt. Alle großen Industrien sind heute Kartelle.

Smart Investor: Staatliche Eingriffe, falsche Anreize, Kartellbildung – es scheint, das Thema verfolgt uns?
Griffin:
Exakt. Das ist die Natur des Kollektivismus. Und das ist das System der Welt, in der wir heute leben. Leute benutzen dafür auch andere Worte wie Sozialismus, Kommunismus oder Faschismus. Diese Worte haben viele emotionale Bedeutungen. Sie alle basieren aber auf dem gleichen Prinzip: Die Gruppe ist wichtiger als der Einzelne.

Smart Investor: Was finden die Leute daran denn attraktiv?
Griffin:
Die Attraktion besteht darin, dass es leicht ist, den Leuten die Vorteile einer politischen Aktion aufzuzeigen. Was daran nicht stimmt? Die Leute fragen sich nicht, von wem und unter welchen Bedingungen das Geld dafür herkommt.

Smart Investor: Von den anderen?
Griffin:
Genau, in einem solchen System stiehlt jeder von jedem. Aber wir bemerken das nicht, weil es die Politiker nicht so beschreiben. Deshalb verkauft es sich so gut, weil immer nur über die Vorteile gesprochen wird, aber nie über die Kosten bzw. Konsequenzen. Idealistische, aber naive, vor allem junge Menschen fallen darauf immer wieder herein.

Smart Investor: Was also fehlt, ist eine Opposition, die sich um das Individuum kümmert?
Griffin:
Es gibt eine Organisation, die ich 2002 gegründet habe: www.freedomforceinternational.org. Wir sind starke Befürworter einer konstruktiven Opposition, und die nennt sich Individualismus. Das Projekt ist immer noch sehr klein, aber es wächst. Wir haben heute Mitglieder in 58 Ländern.

Smart Investor: Und Sie versuchen das System von innen heraus zu verändern?
Griffin:
Ja. Es gibt keinen anderen Weg. Wir gründen aber keine Partei, sondern erwarten, dass unsere Mitglieder in allen möglichen Parteien aktiv werden. Das ist wichtig, denn alle Parteien sind heute kollektivistisch. Unser Motto: Kämpfe nicht gegen das Rathaus, sondern werde das Rathaus!

Smart Investor: Vielen Dank für das interessante Gespräch.

Portrait:
G. Edward Griffin (1931, verheiratet) ist ein US-amerikanischer Dokumentarfilmer und Bestseller-Autor, der insbesondere durch seine Kritik an der US-Notenbank FED bekannt wurde. Griffin beschäftigte sich im Laufe seiner Karriere mit vielfältigen Fragestellungen der Gesellschaft, der politischen Strukturen und des Gesundheitswesens. Im Mittelpunkt seines Interesses und seines Engagements steht dabei stets das Individuum. Kollektivistischen Ideen und Volksbeglückern jeder Art hat er stets eine Absage erteilt.