Fonds – Kolumne

Nullzins-Umfeld schreit nach Alternativen

Gastbeitrag von Dr. Markus Elsässer, ME Fonds-Special Values

Paradigmenwechsel
Den meisten Anlegern ist nicht bewusst, wie sehr sich die Finanzlandschaft geändert hat, und zwar für lange Zeit. Feste Zinseinkünfte aus Termingeldern und sicheren Anleihen zu einem lohnenden Zins gehören der Vergangenheit an. In dieser Situation verlassen mehr und mehr Kapitalbesitzer frustriert den Finanzmarkt und tätigen teils unsinnige Investments, wie zum Beispiel Wohnungskäufe zu überhöhten Preisen. Dabei wird völlig übersehen, dass der Aktienmarkt durchaus als Alternative zu Anleihen genutzt werden kann. Was früher der Zins war, ist jetzt und in Zukunft die Dividende. Das Anlageinstrument der Zukunft ist nicht mehr die Anleihe, sondern die Aktie.

Öffnung der Märkte
Um die Ausgangslage richtig zu verstehen, ist es nötig, eine globale und langfristige Betrachtung vorzunehmen. Seit 1990 hat sich die Welt grundlegend geändert. Für lange Zeit spielte sich die eigentliche Geschäftswelt lediglich in Westeuropa und Nordamerika ab. Der Ostblock war verschlossen, Asien hinkte in seiner Entwicklung weit hinterher, in Südamerika herrschte Chaos und Hyperinflation und um Afrika machte man, mit Ausnahme von Südafrika, einen weiten Bogen. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks öffneten sich diese Märkte nach und nach. Zeitgleich entwickelte sich die moderne Kommunikation via Internet. Dieser Doppeleffekt, nämlich der Zugang von Milliarden von Menschen zu Informationen über moderne Produkte und Technik, hat dazu geführt, dass die Absatzmärkte sich verzigfacht haben. Gleichzeitig haben ungeheure Fortschritte in der Effizienz der Produktion und Weltlogistik dazu geführt, dass auch in entferntesten Regionen diese neuen Märkte bedient werden können.

Grundlegende Bedürfnisse
Diese Entwicklung hat erst jetzt begonnen. Die Bedürfnisse all dieser Menschen nach einem besseren, modernen Leben sind noch lange nicht befriedigt. Dieser Trend basiert auf einer sicheren Grundlage, weil es sich hierbei überwiegend um sehr berechtigte Anliegen handelt. Als Beispiel: In den Tropen ist das Leben ohne Airconditioning einfach beschwerlich, hygienische sanitäre Anlagen sind von großer Wichtigkeit. Überall auf der Welt ist die Urbanisierung voll im Gang und das Konsumverhalten vollständig von westlichem Marketing geprägt. Von Neuseeland bis Argentinien wünschen sich sportlich orientierte Menschen Schuhe von Nike oder Adidas. Sie putzen sich mit Colgate-Zahnpasta die Zähne und nutzen Fahrstühle von Schindler. Das Faszinierende an dieser Entwicklung ist, dass nicht der heimische Mittelständler in einem Emerging Market der große Gewinner ist, sondern die großen, erfolgreichen und etablierten Konzerne aus Europa und Nordamerika.

Auswahl entscheidend
Früher war die Börse ein Spezialgebiet für Spekulanten. Heute bietet der Aktienmarkt die einmalige Gelegenheit, sich an erstklassigen Firmen mit einer großen Zukunft zu beteiligen. Insofern ist ein reines Vergleichen von historischen Kursen mit dem heutigen Kursniveau der falsche Ansatz. Worauf es heute ankommt, ist die Analyse und Auswahl der Firmen, die von dem globalen Siegeszug des modernen Lebens profitieren. Dringend zu empfehlen: Eine sorgfältige Selektion, ein weiter Blick über den Globus sowie eine langfristige Anlagestrategie.

Über Dr. Markus Elsässer:

Markus Elsässer

Geboren 1956 in Heidelberg, wuchs der Sohn eines Botschafters in London, Hongkong, Paris und Kairo auf. Nach Banklehre und Wirtschaftsstudium an der Universität in Köln arbeitete Dr. Elsässer in einer Wirtschaftsprüfer-Sozietät. Seine Industriekarriere begann er als Finanzdirektor bei Dow Chemical Deutschland. Danach war er in Sydney, Australien als General Manager für Benckiser und schließlich in Singapur als Managing Director Asia-Pacific für die Storck Gruppe tätig. Seit 1998 ist er selbstständiger Investor und Fondsberater. Darüber hinaus war er viele Jahre als Mitglied in Beiräten von einflussreichen Industriefamilien tätig und arbeitete für einige Jahre eng mit dem bekannten New Yorker Investor Guy Wyser-Pratte zusammen.