Interview

Smart Investor im Gespräch mit Oliver Fischer von Hauck & Aufhäuser über den Investmentansatz des H & A PRIME VALUES Income-Fonds und Chancen in der Healthcare-Branche

 

Smart Investor: Es fließt immer mehr Geld in Investmentfonds mit nachhaltiger Ausrichtung. Investoren haben es dadurch nicht leichter, weil Begriffe wie ethisch und nachhaltig von Anbieterseite ganz unterschiedlich interpretiert werden. Welchen Auswahlansatz verfolgen Sie?

Fischer: Unsere Idee des ethischen Investments basiert auf der Überzeugung, dass der Anleger durch die Art und Weise der Geldanlage wirtschaftliche Abläufe und damit auch die Realität menschlichen Lebens mitgestalten kann. Wir prüfen bei jeder Anlageidee, die ein attraktives Risiko-Rendite-Verhältnis aufweist, ob das Unternehmen (bzw. der Emittent) nicht gegen Ausschlusskriterien verstößt und ob es humane, soziale und kulturelle Werte fördert sowie zur Erhaltung und Verbesserung der Umwelt beiträgt. Diese Prüfung erfolgt mittels unserer speziell entwickelten Research-Methodik, welche seit 20 Jahren von einem unabhängigen Ethik-Beirat monatlich verifiziert wird.

Smart Investor: Ethisches Investieren ist nicht ohne Selektionskriterien denkbar. Dadurch werden Diversifikationsmöglichkeiten reduziert. Entgehen Anlegern deshalb Renditeperlen?

Fischer: Studien von renommierten Wissenschaftlern haben gezeigt, dass der zusätzliche Diversifikationsnutzen bei mehr als 40 Titeln im Portfolio marginal ist. Wenn wir bei der Portfolio-Konstruktion also Klumpenrisiken bei den Industrien und Länder vermeiden, benötigen wir kein allumfassendes Anlageuniversum. Unser ethisches Universum umfasst derzeit weltweit mehr als 600 Titel. Es kann schon sein, dass ein als „unethisch“ klassifizierter und somit ausgeschlossener Titel einmal gut performt – auf der anderen Seite generiert dieser Titel dann auch externe Kosten, die wir als Aktionäre und Lebewesen ja auch mittragen.

Smart Investor: Der Fonds gehört als ältester kontinentaleuropäischer Ethikfonds zu den Pionieren dieser Gattung. Wie hat sich ethisches Investieren in den vergangenen 20 Jahren gewandelt?

Fischer: Im angelsächsischen Bereich waren im 20. Jahrhundert sogenannte „Social Funds“ bekannt. In Europa standen dagegen lange Zeit ökologische Fragestellungen im Mittelpunkt. 1995 war die Zeit reif, um einen Ethik-Fonds zu lancieren, der die gleichermaßen kontrovers diskutierten sozialen und ökologischen Fragen kombiniert angeht. Die Unternehmen waren damals mehrheitlich nicht darauf eingestellt, Daten zum Umgang mit Stakeholdern zu veröffentlichen. Dies hat sich in den vergangenen Jahren komplett gewandelt. Einerseits fragen immer häufiger institutionelle Investoren wie große Pensionsfonds solche Kriterien ab, andererseits tragen neben den spezifischen Nachhaltigkeitsresearch-Agenturen auch die großen Analystenhäuser viele Informationen zusammen. Die vergangenen 20 Jahre haben gezeigt, dass ethische und nachhaltige Investmentfonds auch im Vergleich zu konventionellen Fonds Spitzenrenditen erzielen können.

Smart Investor: Welche Unternehmen finden Sie momentan für den Fonds interessant und warum? Wie entscheiden Sie, ob Sie eher in eine Anleihe oder in eine Aktie eines Konzerns investieren?

Fischer: Unsere Fondsmanager favorisieren zurzeit Unternehmen aus dem Gesundheitswesen aus Europa und insbesondere aus Nordamerika. Die Branche ist aufgrund der Gesundheitsreform von Präsident Obama im Umbruch, was neue Anlagemöglichkeiten bietet. Außerdem profitiert der Gesundheitssektor von einer anhaltend hohen Akquisitions- und Fusionswelle bei den Unternehmen. Ob wir die Anleihe oder die Aktie eines Unternehmens in unsere Portfolios aufnehmen, hängt unter anderem von der jeweiligen Attraktivität des jeweiligen Wertpapiers ab und welche Spielräume die Anlagegrenzen des Fonds bieten. Grundsätzlich fällen wir die Anlageentscheidungen auf Basis eines strukturierten Prozesses, der sowohl qualitative (Prüfung von Geschäftsmodellen der Unternehmen) als auch quantitative Kriterien (Scoring-Modell und klassische Finanzanalyse) enthält.

Smart Investor: Sie halten momentan den britischen Einzelhändler Tesco im Portfolio. Im vergangenen Jahr kam das Unternehmen in die Kritik. Angeblich hat der Konzern Meeresfrüchte aus Thailand angeboten, die dort von völlig ausgebeuteten Fremdarbeitern gefischt wurden. Müsste man bei der Auswahl nicht auch die Lieferketten von Firmen bewerten und ist das überhaupt möglich?

Fischer: Tesco scheint sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst zu sein und hat einen umfassenden „Code of Business Conduct“ eingeführt. Der Konzern hat auch bereits auf schwerwiegende Missstände reagiert. Gleichzeitig versuchen unsere Ethikanalysten die gesamte Wertschöpfungskette bei der Bewertung zu berücksichtigen. Bei Tesco handelt es sich um einen Einzelhändler mit Vollsortiment. Das bedingt den Einkauf einer Vielzahl von Produkten unterschiedlicher Hersteller aus allen Regionen. Die verschiedenen Probleme bei Zulieferern sind deshalb größtenteils auf den gesamten internationalen Einzelhandel übertragbar. Die von Ihnen angesprochene Problematik in Thailand wurde im Juni 2014 von britischen Medien thematisiert. Unser Engagement-Partner GES ist bereits seit 2012 diesbezüglich mit Tesco im Gespräch, worauf auch bereits ein besseres Verhalten erzielt werden konnte. Das PRIME VALUES Ethik-Komitee hat Tesco im August aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen, da die Mindestpunktzahl in der Positiv-Analyse nicht mehr erreicht wurde. Der Titel muss gemäß unseres Regelwerks innerhalb von sechs Monaten verkauft werden.

Smart Investor: Herr Fischer, vielen Dank für das Gespräch.
Interview: Christian Bayer

 

Über Oliver Fischer:

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Oliver Fischer verfügt über 15 Jahre Erfahrung in der Finanz- und Investmentbranche. Nach seinem Studium in München, mit Schwerpunkt Versicherungs- und Finanzwirtschaft, war er ab dem Jahr 1999 für die Firma Fondsconsult als Senioranalyst tätig. Anfang 2003 wechselte er zur Münchner Kapitalanlage KAG, wo er seine Karriere als Fondsmanager begann und mehrere Dachfonds verantwortete. Mitte 2004 trat Fischer in das Unternehmen Hauck & Aufhäuser ein. In seiner Tätigkeit als Portfolio- und Fondsmanager in der Fondsvermögensverwaltung München war er für bis zu dreizehn verschiedene Fondsprodukte verantwortlich und betreute sowohl private und institutionelle Kunden. Ab Januar 2011 war Fischer zunächst als Direktor bei der Hauck & Aufhäuser (Schweiz) AG tätig, ehe er im September 2011 die Geschäftsführung übernahm. 2014 wurde er zum Delegierten des Verwaltungsrates von Hauck & Aufhäuser (Schweiz) gewählt und verantwortet seither zudem das Publikumsfondsgeschäft von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers KGaA.