Löcher in der Matrix – Übernahme 4.0

„Plan B für Kuka“ (n-tv.de, 31.5.16)

RTEmagicC_Matrix_mit_LochEigentlich mühen sich Politiker landauf, landab, Investoren in ihr Land, ihre Region oder ihr Dorf zu bekommen. Heerscharen von Wirtschaftsförderern werden beschäftigt, Finanzdienstleister halten Private Equity-, Trade-Deal- oder Merger & Acquisition-Spezialisten vor. Gerne werden auch Investoren aus dem Ausland gesehen. Wenn etwa Warren Buffet meint, der deutsche Mittelstand sei geradezu gemacht für Investments seiner Berkshire Hathaway, dann jubilieren Wirtschaftsvertreter von der IHK bis zum allerletzten Branchenverband ob des Ritterschlags.

Nur wenn ein chinesischer Konzern seinen Anteil am Augsburger Roboter-Hersteller Kuka kräftig aufstocken will, knallt den sonst als Lordsiegelbewahrern der freien Marktwirtschaft Beflissenen das Monokel auf die Tischplatte: Kuka als einer der führenden Roboter-Bauer, Antreiber bei der Digitalisierung der deutschen Wirtschaft, gleichsam Mittelstürmer im Team Industrie 4.0, an einen chinesischen Investor? Das geht offenbar gar nicht. Sollte Kuka an Chinesen verkauft werden, bestehe die Gefahr, dass auch die Technologie der deutschen Autobauer nach China abfließe, raunt es hinter vorgehaltenem Fächer.

Autobauer überließen Kuka, wenn sie Maschinen bestellen, wichtige Informationen über ihre Produktionsprozesse und Modelle, wird gewarnt. Wovor haben diese Auguren Angst? Kühlschränke mit City-Bremsfunktion? Der Midea-Konzern, so heißt der Investor, ist nämlich Hersteller von Haushaltsgeräten. Sogar juristische Tricksereien werden kolportiert, etwa eine Prüfung nach dem Außenwirtschaftsgesetz oder die Beschränkung des Anteils der Chinesen auf 49%, was das Aktiengesetz so aber nicht hergibt. Bei allem Respekt vor dem Know-how und der Marktstellung von Kuka: Automatisierungs-Spezialisten gibt es zu Tausenden in Deutschland.

Es ist nun einmal so, dass eine Firma, die an der Börse notiert ist, prinzipiell den Besitzer wechseln kann. Warum also diese Aufregung? Seinerzeit, als Großinvestoren aus dem arabischen Raum ihre Petro-Dollars hierzulande anlegten, war die Aufregung ebenfalls groß, man wird sich also auch an chinesische Investoren gewöhnen. Bemerkenswert aber, dass jene, denen sonst der freie Markt über alles geht, in der Diskussion bislang nicht zu vernehmen sind.

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