Generation Y und die Versorgungslücke

Gerade Frauen müssen vorsorgen

Die Generation Y denkt nicht über die Rente nach. Noch nicht. Sie wird es tun, hoffentlich nicht zu spät. Ich bin ein Teil dieser Generation, und ich bin ein Teil der Lösung. Mit Vorträgen und Seminaren bringe ich jungen Menschen, insbesondere Frauen, die Börse näher. Gerade sie haben im Alter eine Versorgungslücke. Frauen kümmern sich viel zu wenig um die Themen Finanzen und Kapitalmarkt. Viele sind sich ihrer zukünftigen Finanzlücke noch nicht bewusst.
Wer davon ausgeht, eine monatliche Rente von 1.800 EUR zu erhalten, könnte sich in einer komfortablen Situation wähnen. Jedoch kommt es weniger auf den absoluten Betrag an als auf den Lebensstandard, welchen man sich damit leisten kann. Gehen wir über die nächsten 30 Jahre von 2% Inflation aus, entspräche eine Rente von 1.800 EUR, gemessen in heutigem Geld, nur einer Kaufkraft von 994 EUR.

Mit Aktien gegen Inflation

Das klingt zuerst einmal düster, doch hier kommt der Charme der Aktien ins Spiel. Wer über einen guten vermögensverwaltenden Fonds in Aktien investiert, kann sich der Inflation anpassen. Aktien entsprechen Anteilen an echten Unternehmen und sind somit reale Werte. Sie unterliegen deshalb ebenfalls der Inflation. Gepaart mit dem Zinseszinseffekt kann so selbst mit einem geringen dreistelligen monatlichen Anlagebetrag ein stattliches Polster für das Alter aufgebaut werden.
Monatliche Einzahlungen haben einen weiteren Vorteil: den Kosten-Durchschnitts-Effekt. Aktienmärkte schwanken. Wer regelmäßig investiert, kauft somit manchmal zu etwas höheren und manchmal zu etwas günstigeren Kursen. Es ergibt sich langfristig ein gutes Mittel.

Zurück zur Versorgungslücke

Warum sollten nun gerade Frauen sparen, obwohl sie doch häufig weniger verdienen? Genau deshalb: Weil sie weniger in die Rentenkasse einzahlen und ihnen deshalb im Alter eine geringere Rente zusteht. Des Weiteren sind es zumeist Frauen, welche für die Kinder im Beruf aussetzen oder reduzierte Stunden arbeiten. Dadurch zahlen sie wiederum weniger ein. Hinzu kommt: Wir erwirtschaften mit unseren Rentenbeiträgen die Renten der derzeitigen Ruheständler und sind darauf angewiesen, dass unsere Rente von zukünftigen Beitragszahlern geleistet wird. Wie man jedoch an der Bevölkerungspyramide erkennen kann, werden die zukünftigen Beitragszahler nicht mehr zahlreich sein.
Zahlten 1972 in der BRD noch 4,2 Beitragszahler die gesetzliche Rente eines Rentners, so waren es 2015 nur noch 2,1 Beitragszahler. Im Jahr 2050 werden in Deutschland laut Schätzungen nur noch 1,54 Personen im erwerbsfähigen Alter auf einen Rentner kommen – unabhängig davon, ob diese tatsächlich arbeiten oder nicht. Da ich plane, mindestens 90 Jahre alt zu werden, und vermutlich nicht wie Charlie Munger auch mit 94 noch jeden Tag am Schreibtisch sitzen werde, wende ich mich dem Kapitalmarkt zur Altersvorsorge zu. Wenn Sie mit 90 lieber ihre Katze kraulen als auf Minijobbasis die Beete des Nachbarn zu jäten, empfehle ich, heute mit dem Investieren zu beginnen. Ein Sprichwort besagt: „Der beste Tag, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Der nächstbeste Tag ist heute.

 

Nadine Heemann (Jahrgang 1980) arbeitete nach dem Studium der BWL in den Capital Markets Divisions verschiedener Investmentbanken, zuletzt bei Morgan Stanley. Seit 2015 ist sie für die 1997 von ihrem Schwiegervater gegründete Heemann Vermögensverwaltung GmbH tätig. Nadine Heemann ist Teil des vierköpfigen Managementteams des vermögensverwaltenden FU Multi Asset Fonds (WKN: A0Q5MD).