Fortress Paper Ltd.

Ein kanadisches Unternehmen, das in der Schweiz und Deutschland produziert? Da dürften die meisten Anleger erstmal hellhörig werden und sich dann ganz schnell abwenden. So was kann ja nur unseriös sein. Im Falle von Fortress Paper würde der Anleger damit aber einem ganz exzellenten Unternehmen den Rücken zuwenden und sich selbst um ein gutes Investment bringen.

Banknotenpapier aus der Schweiz
Fortress Paper Ltd. (WKN: A0M WAX) ist ein Produzent von Sicherheits- und Spezialpapier und hat in Landquart (Schweiz) und Dresden seine beiden Produktionsstandorte. In der Schweiz wird vor allem das Papier für Banknoten und Reisepässe hergestellt, aber auch Visapapier und Veranstaltungstickets werden hier produziert. Die Landqart Papiermühle ist der einzige Lieferant für das Papier, auf dem der Schweizer Franken gedruckt wird – und das seit über 30 Jahren. Daneben gehört die Schweizer Tochter zu den neun Herstellern des Eurobanknotenpapiers und beliefert damit zehn Länder des Euroraums. Im Bereich der Banknotentechnik ist das Unternehmen Innovationsführer. Auf der jährlichen Washingtoner Banknotenkonferenz im Dezember 2009 stellten die Kanadier ihr neues Durasafe Banknotenpapier offiziell vor. Dem Vernehmen nach wurde es sehr gut aufgenommen. Durch ein Sichtfenster in der Banknote wird die Fälschungssicherheit signifikant erhöht. Das besondere dabei ist, dass die Banknote selbst aus Papier besteht und nicht, wie andere Geldscheine mit Sichtfenster, aus Plastik. Der Aufsichtsrat hat unterdessen einer Ausweitung der Produktionskapazitäten von 2.500 Tonnen auf 10.000 Tonnen Papier zugestimmt, welche bereits in diesem Jahr vollständig durchgeführt werden soll.
Anfang Januar konnte Fortress Paper verkünden, einen Referenzvertrag über die Produktion von 2,5 Mio. elektronischer Reisepässe abgeschlossen zu haben. In den kommenden zehn Jahren wird erwartet, dass ein Großteil der 750 Mio. Reisepässe auf die neuen Pässe, die mit einem RFID-Chip ausgestattet sind, umgestellt werden wird. Ein Referenzvertrag ist hier der Eintritt in einen bedeutenden Markt, und die Unterzeichnung eines solchen ist ein schwieriges Unterfangen. Mit dem Vertragsabschluss dürften Nachfolgeaufträge so gut wie sicher sein.

Vliestapeten aus Deutschland

In der Papiermühle in Dresden produzieren die Kanadier etwas gänzlich anderes: Spezialpapier, vor allem eine besondere Tapetenart, sogenannte Vliestapeten. Diese haben vielerlei Vorteile gegenüber herkömmlichen Tapeten – so müssen sie beispielsweise nicht eingekleistert werden, verformen sich auch bei Nässe nicht und können besonders leicht wieder ablöst werden. Auch auf diesem Gebiet legt Fortress Paper ein hohes Maß an Innovationsfreude an den Tag. Unter anderem wurden spezielle Dämmungstapeten entwickelt, mit denen sich ein zusätzlicher Isolationsschutz herstellen lässt.
In den vergangenen zwei Jahren wurden in dem Werk etliche Umbaumaßnahmen vorgenommen, einerseits um eine Erhöhung der Produktion zu erreichen und andererseits um diverse Innovationen besser und schneller herstellen zu können.
In den letzten Jahren hat der Weltmarktanteil dieser speziellen Tapeten immer stärker zugenommen und liegt inzwischen bei knapp 30%. Insbesondere Asien und Russland sind hier die wichtigsten Märkte. Im Bereich der Vliestapeten ist Fortress Paper mit einem Anteil von fast 50% Weltmarktführer.

Weitere Diversifikationen geplant

Ganz frisch ist die Meldung, dass Fortress Paper sich in Spezialnischen weiter diversifizieren will. Am 19. März vermeldeten die Kanadier den Abschluss eines „Asset Purchase Agreements“ (APA) mit Fraser Papers. Fortress Paper übernimmt damit von dem ebenfalls in Kanada ansässigen Unternehmen die Thurso Papiermühle in Quebec. Geplant ist der Umbau der Mühle zu einer herausragenden Produktionsstätte für günstigen Spezialzellstoff. Daneben will Fortress Paper an der Mühle zusätzlich ein auf Biomasse basierendes Co-Generationskraftwerk errichten. Durch die Produktion von „grüner“ Energie sollen Energie- und somit Kosteneinsparungen erreicht werden. Insgesamt plant Fortress Paper hierbei Investitionen von rund 150 Mio. USD. Der Deal ist allerdings noch nicht vollständig in trockenen Tüchern, da unter anderem die Zustimmung der kanadischen Gerichte fehlt.

Sehr gute Zahlen

Die Zahlen, die Fortress Paper in den vergangenen Quartalen vorgelegt hat, sind mehr als gut. Obwohl das Jahr 2009 für die Wirtschaft insgesamt ein sehr bescheidenes Jahr darstellte, konnte das Unternehmen seinen Umsatz steigern. Vor allem das dritte und vierte Quartal lieferten Rekordergebnisse. Insgesamt konnte der Umsatz gegenüber dem Jahr 2008 von 189 Mio. EUR auf 198,3 Mio. EUR gesteigert werden. Der Nettogewinn blieb mit 12,7 Mio. EUR nahezu gleich. Dass der Gewinn nicht mit den Umsätzen mitzog, lag primär an den Investitionen, die das Unternehmen im Dresdner Werk tätigte. Zum 31. Dezember 2009 wies Fortress Paper einen Nettocashbetrag von 14 Mio. USD aus.

Erfahrenes Management
Mit dem CEO Chadwick Wasilenkoff steht ein erfahrener und umtriebiger Unternehmer an der Spitze von Fortress Paper. Als ehemaliger CEO von Titan Uranium Exploration hat er bewiesen, dass er weiß, wie ein Unternehmen entwickelt wird. Als ehemaliger unabhängiger Private-Equity-Investor versteht er zudem etwas von Kapitalanlage – nicht umsonst hält er mehr als 22% der Anteile des Papierproduzenten. Daneben steht mit dem Präsidenten des Unternehmens, Dr. Alfonso Ciotola, ein Veteran der Papierindustrie auf der Steuerbrücke. Bevor er zu Fortress Paper stieß, bekleidete der Italiener über 30 Jahre lang verschiedene Positionen im Management europäischer Papierunternehmen.

Fazit

Die geplante Diversifikation zeigt, dass das Management weiterhin konsequent daran arbeitet, Fortress Paper in den Nischenbereichen der Papier- und Zellstoffproduktion zu platzieren. Mit den Sparten Sicherheits- und Spezialpapier hat das Unternehmen bereits jetzt zwei stabile Standbeine, die erfolgreich wirtschaften. Und sollte aufgrund der ausufernden Schulden in nicht allzu ferner Zukunft tatsächlich ein Währungsschnitt stattfinden, dann dürften die nahezu fälschungssicheren Banknoten der Landqart Mühle besonders gefragt sein.
Der Kurs der Aktie hat sich inzwischen sehr gut entwickelt und ist möglicherweise auch schon etwas davon gelaufen. Vielleicht sollte mit einem Einstieg noch etwas abgewartet werden, ob der Kurs nicht doch noch einmal etwas zurückkommt.