„Das Wachstum war auf Pump finanziert!“

Frank Schäffler wurde 1968 in Schwäbisch Gmünd geboren. Nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann studierte er Betriebswirtschaftslehre in Paderborn und Bielefeld. Er sitzt seit 2005 für die FDP im Bundestag, daneben ist er u.a. Mitglied der Friedrich- August-von-Hayek-Gesellschaft e.V.

Smart Investor: Herr Schäffler, vor einigen Wochen organisierten Sie ein finanzpolitisches Kolloquium zum Thema Staatsverschuldung und Überschuldung im Deutschen Bundestag. Wie sieht die Diagnose für Deutschland denn aus? Sind wir überschuldet?
Schäffler: Sicherlich sind wir überschuldet, und wenn wir so weiter wirtschaften, dann nimmt dies alles kein gutes Ende. Ein Großteil des Wachstums war eben auf Pump finanziert. Und die Folgen davon bekommen wir nun zu spüren. Sowohl der Staat als auch die Finanzinstitute sind überschuldet.

Smart Investor:Was sind die Ursachen dieser Überschuldung?
Schäffler: Das Auseinanderdriften von Geld- und Gütermenge. Dies wurde durch das billige Geld aus der Kreditschöpfung der Banken auf beiden Seiten des Atlantiks hervorgerufen, und ermöglicht hat es der niedrige Zins der Notenbanken. Aber nicht allein die Notenbanken sind die Schuldigen, auch die Fiskalpolitik der Staaten trug und trägt nach wie vor zu der Überschuldung bei.

Smart Investor: Gäbe es Möglichkeiten, sich aus der Überschuldungsfalle herauszuwinden?
Schäffler: Ja, wir brauchen wieder gutes Geld – also Geld, das nicht über Kreditschöpfung entsteht, sondern aus Ersparnissen gebildet ist. Letztlich kann man sich dabei an Friedrich August von Hayek, einem der herausragenden Denker der Österreichischen Schule, und seinem Buch die „Entnationalisierung des Geldes“1 orientieren. Im Endeffekt läuft es auf die Aufhebung der Legal-Tender-Gesetze hinaus, d.h. der Staat verzichtet auf die Ausgabe von gesetzlichen Zahlungsmitteln und erlaubt die Etablierung von freiem Marktgeld.

Smart Investor: Letztendlich laufen die bei diesem Kolloquium besprochenen Lösungsvorschläge immer auch auf eine Entmachtung der Notenbanken hinaus. Wirkt das nicht recht ketzerisch in unseren Zeiten?
Schäffler: Der Vorschlag ist natürlich erstmal sehr forsch und weit reichend. Ziel des Kolloquiums war es aber auch, zunächst einmal meine Kollegen aus dem Bundestag an das Thema heranzuführen. Ich erwarte nun nicht, dass sich morgen diese „Österreichischen Gedanken“ durchsetzen, aber man muss ja irgendwann mal anfangen. So wie Smart Investor bei den Bürgern wichtige Aufbauarbeit leistet, so mache ich das im Deutschen Bundestag.

Smart Investor: Was sagen denn Ihre FDP-Kollegen zu Ihren doch recht ungewöhnlichen Ansichten?
Schäffler: Eine solche Veranstaltung wäre vor ein paar Jahren so nicht denkbar gewesen. Die Themen „stabiles Geld“,
„Überschuldung und die Finanzkrise“ stehen viel mehr im Fokus als das noch vor ein, zwei Jahren der Fall war. Das zeigt mir, dass meine Kollegen in der FDP-Fraktion über diese grundlegenden Fragen nachdenken.

Smart Investor: Mit Griechenland haben wir derzeit einen ganz akuten Fall einer dramatischen Überschuldung vor der europäischen Haustüre. Wie bewerten Sie diesen Fall?
Schäffler: Die Griechen haben sich wie ein Alkoholiker verhalten, dem man immer wieder eine Flasche Schnaps gibt und der nach dieser „letzten“ Flasche Besserung gelobt. Es ist aber nie besser geworden. Dank dem billigen Geld und den niedrigen Zinsen konnten sich die Griechen in einem Maße verschulden, wie es ohne den Euro nicht möglich gewesen wäre. Zu Zeiten der Drachme musste Griechenland 500 Basispunkte mehr für eigene Anleihen bezahlen als beispielsweise Deutschland. Heute sind es nur noch 300 Basispunkte, und darüber regt man sich dann bereits auf.

Smart Investor:
Irgendwie läuft es doch auf eine finanzielle Hilfe für Griechenland hinaus? Was wäre die Folge?
Schäffler: Eine Hilfe für Griechenland wäre ein Bruch der europäischen Verträge. Sie würde den Stabilitäts- und Wachstumspakt endgültig ad absurdum führen. Wer den Euro vorerst retten will, muss den Stabilitäts- und Wachstumspakt verschärfen. Insbesondere muss es eine Austrittsklausel für Länder geben, die sich wie Griechenland in den Euro gemogelt haben.
Smart Investor: Herr Schäffler, vielen Dank für das Gespräch.

Interview:

1) Das englische Original steht auf der Website des Ludwig von Mises Instituts zum
kostenlosen Download bereit: http://mises.org/books/denationalisation.pdf.