Wienerberger

Als die Finanzkrise vor über zwei Jahren zuschlug, traf es den Bausektor besonders hart. Der weltweit größte Ziegelhersteller Wienerberger hat sich auf die geänderten Marktbedingungen inzwischen gut eingestellt. Zieht die Nachfrage wieder an, dürfte sich das Ergebnis vervielfachen.

Ziegel für die halbe Welt

Obwohl der Konzern auf eine fast zweihundertjährige Geschichte zurückblicken kann, begann der Aufstieg zur weltweiten Nummer eins erst Mitte der 80er Jahre mit der Expansion über die Grenzen Österreichs hinaus. Heute gehören 229 Werke in 27 Ländern zur Wienerberger-Gruppe, die in den Segmenten Hintermauerziegel, Tondachziegel, Vormauerziegel und Betonsteine aktiv ist. Hauptergebnislieferanten sind dabei die beiden erstgenannten Bereiche. Hier erzielt der Ziegelspezialist über 80% seines EBITDA. Neben einer starken Marktstellung in West- und Nordeuropa ist man in den letzten Jahren vor allem in den Ländern Osteuropas dynamisch gewachsen. Da die Expansion in dieser Region weitestgehend über neugebaute Anlagen erfolgte, verfügt der Konzern dort über die modernsten und produktivsten Werke der Branche.

Die Krise und das Danach
Die Baubranche spürte wie kaum ein anderer Sektor die Schockwellen der Finanzkrise. Viele Märkte – insbesondere in Osteuropa – verzeichneten seitdem dramatische Einbrüche beim Wohnungsneubau. Für Wienerberger kam es zu schmerzhaften Ertragseinbußen, die der Konzern mit einer Anpassung seiner Kapazitäten, Kosteneinsparungen in Verwaltung und Vertrieb sowie gekappten Investitionsbudgets abzumildern versuchte. Seit mehreren Quartalen ziehen die Bauaktivitäten zumindest in Westeuropa wieder leicht an. Ein Sorgenkind bleibt hingegen Osteuropa, wo das Unternehmen bis zuletzt Umsatzeinbußen verzeichnete. Nach Einschätzung von Vorstandschef Heimo Scheuch dürfte sich jedoch das Marktumfeld im Durchschnitt der nächsten Quartale weiter verbessern. Dem Preisdruck begegnet der Konzern mit einer Verschiebung des Sortiments in Richtung höherwertiger Ziegel.

Hohe Substanz
Intensiv arbeitet der Vorstand zudem an einer Expansion in angrenzende Segmente. Die Übernahme eines Anbieters von Steinzeugrohren, wie sie in Abwassersystemen eingesetzt werden, soll ebenso wie die stärkere Ausrichtung auf das Renovierungsgeschäft die Abhängigkeit vom Wohnungsneubau verringern. Erst kürzlich meldete man den Beteiligungsausbau an der Tondach Gleinstätten AG. An dem Hersteller von Tondachziegeln (Jahresumsatz: ca. 200 Mio. EUR) hält Wienerberger nunmehr 50% der Anteile. Positiv hebt sich schließlich auch die Bilanz des Weltmarktführers von der Peergroup ab. Sowohl die hohe Eigenkapitalquote von über 60% als auch der niedrige Verschuldungsgrad von gerade einmal 15% sind keineswegs branchentypisch. Hinzu kommt ein auch in schwierigen Zeiten ordentlicher Cashflow (125 Mio. EUR in den ersten neun Monaten 2010).

Fazit
Die in den letzten Jahren gesunkene Ertragskraft, die sich in einem optisch hohen KGV widerspiegelt, sollte nicht über die fundamentale Stärke des Gesamtunternehmens hinwegtäuschen. Neben der überdurchschnittlichen Bilanzqualität und einer klaren Marktführerschaft überzeugt der eingeschlagene, mit Augenmaß umgesetzte Expansionskurs. Die realisierten Einsparungen bei den Fixkosten werden in einem wieder besseren Umfeld den Gewinn kräftig anwachsen lassen. Bislang ist dieser Ertragsschalter allerdings noch nicht umgelegt worden. Folgt man dem Kursverlauf der Aktie, so beginnt die Börse gerade, auf einen Turnaround in den nächsten zwölf bis 24 Monaten zu spekulieren.