„Unsere Maschinen treffen den Nerv der Zeit“

Smart Investor: Herr Dr. Bretthauer, das Jahr 2010 lief geradezu phänomenal für LPKF: Bei einer EBIT-Marge von 21,3% konnten gegenüber dem Vorjahr ein Umsatzwachstum von 60% und ein Gewinnwachstum von 158% erzielt werden. Was sind die Gründe dafür?
Dr. Bretthauer:
Diese gute Performance ist zu einem großen Teil dem LDS-Geschäft, einem von uns neu entwickelten Verfahren zur Herstellung von Schaltungsträgern, zu verdanken. Man kann wirklich sagen, dass diese Technologie im Jahr 2010 den Durchbruch geschafft hat. Darüber hinaus trugen drei unerwartete Großaufträge dazu bei, dass das Jahr so erfolgreich abgeschlossen werden konnte.

Smart Investor: Kann dieser Erfolg im Jahr 2011 fortgesetzt werden?
Dr. Bretthauer:
Wir werden das Jahr 2010 im Umsatz sogar toppen können. Allerdings waren im laufenden Geschäftsjahr enorme Kapazitätsausweitungen notwendig, um die künftige Nachfrage bedienen und weiter wachsen zu können. Im Jahr 2010 war es ein großer Kraftakt, die Aufträge zu bewältigen. Wie Sie sich vorstellen können, wurde den Mitarbeitern einiges abverlangt, um eine Umsatzsteigerung von 60% bei gleicher Kapazität zu erreichen. In Folge dessen wurden nach dem Wachstumsjahr 2010 viele Investitionen getätigt. Die Produktions- und Entwicklungsfläche in Garbsen wurde um circa 50% erweitert. Wie erwartet, hat sich das LDS-Geschäft nicht so stark wie im Vorjahr entwickelt, was aber durch Erfolge in anderen Bereichen kompensiert werden konnte. Im Hinblick auf den Geschäftsverlauf sind wir optimistisch gestimmt, da die Auftragsbücher bis in das Jahr 2012 gefüllt sind. Momentan befinden sich die Auftragseingänge auf dem Rekordniveau von ungefähr 79 Mio. EUR.

Smart Investor: Seit zehn Jahren wird das LDS-Verfahren von LPKF weiterentwickelt. Was macht dieses Verfahren attraktiv für Ihre Kunden und worum geht es dabei genau?
Dr. Bretthauer:
Wie bereits erwähnt, geht es bei dem LDS-Verfahren um eine von LPKF entwickelte und weltweit patentierte Innovation zur Herstellung von Schaltungsträgern. Das Verfahren kurz erklärt: Zur Herstellung von Elektronik werden die Leiterbahnen nicht mehr, wie eigentlich üblich, auf Leiterplatten, sondern an einem Kunststoffteil fixiert. Dieses Kunststoffteil ist in vielen Fällen gleichzeitig das Gehäuse eines Gerätes. Im Handyoder Hörgerätebereich findet diese Bauweise oft Verwendung. Die Lösung ist wirtschaftlicher, da man sich beispielsweise im Handybereich die Montagekosten für eine separate Antenne spart. Außerdem ist das Gerät leichter und kleiner – und das alles ohne Qualitätseinbußen.

Smart Investor: Was sind denn Ihre Wachstumstreiber für die nächsten Jahre?
Dr. Bretthauer:
Selbstverständlich wird der LDS-Bereich der Hauptwachstumstreiber sein. Ob Laptops, Tablet-PCs oder auch in der Medizintechnik. Es gibt viele Möglichkeiten, unsere Innovation einzusetzen. Doch weist besonders der Handymarkt ein großes Potenzial zur Anwendung der LDS-Technologie auf. In bereits 40% der Smartphones finden Bauteile dieser Technik Verwendung. Diese 40% stellen lediglich 10% des weltweiten Mobiltelefonmarktes dar. Wenn man bedenkt, dass der Smartphone-Trend noch lange kein Ende genommen hat, besteht allein in diesem Marktsegment sehr viel Wachstumspotenzial. Der Einsatz der Technik macht eben überall Sinn, wo es um hochintegrierte Elektronik geht, und hier existieren Bereiche, die wir im Moment nicht einmal erahnen. In Zahlen bedeutet das: In den nächsten Jahren rechnen wir mit einem Wachstum von mindestens 10% p.a. und einer EBIT-Marge von mindestens 15%.

Smart Investor: Im Gegensatz zu vielen anderen Wettbewerbern haben Sie zurzeit keine Probleme mit dem Solarbereich. Worin liegt diese Sonderkonjunktur begründet?
Dr. Bretthauer: Wir haben in der Tat keine Probleme mit dem Solarbereich. Ganz im Gegenteil, wir werden mit dem Geschäftszweig in diesem Jahr ein positives Ergebnis erwirtschaften. Wie von Kunden mehrfach bestätigt, produzieren die LPKF-Maschinen leistungsfähigere Solarzellen mit weniger Ausschuss. Unsere Maschinen treffen den Nerv der Zeit.

Smart Investor: Haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

Unternehmensportrait:
Das Hannoveraner Unternehmen LPKF entwickelt und produziert Maschinen, die hauptsächlich in der Elektronik- und Solarindustrie Verwendung finden. Ursprünglich fertigte der im Jahre 1967 gegründete Ein-Mann-Betrieb Leiterplatten-Prototypen. Damals stellte die von LPKF erfundene CAD-gesteuerte Frästechnik eine Alternative zum ineffizienten, umweltschädlichen Ätzen dar. Seit den 90er Jahren zählen auch Lasersysteme für die Leiterplattenfertigung und Mikroelektronik zum Angebotsspektrum. Lasersysteme für die Produktion elektronischer Baugruppen wie beispielsweise die Herstellung von Schablonen leisten den größten Beitrag zum Umsatz. Forschung und Entwicklung wird großgeschrieben im Hause LPKF. Die Produktionsund Entwicklungsfläche in Garbsen wurde allein in diesem Jahr um circa 50% erweitert.

Der international tätige Maschinenbauer konnte im Jahr 2010 einen Umsatz von 81,2 Mio. EUR generieren, der Jahresüberschuss belief sich dabei auf 12,5 Mio. EUR. Mit einer aktuellen Eigenkapitalquote von leicht über 50% zählt das Unternehmen zu den Besten der Branche. Im Ausland, besonders in Asien, weiß man die Niedersachsen sehr zu schätzen. Das zeigt sich am Exportanteil des Umsatzes, der stolze 85% beträgt. Momentan befinden sich die Auftragseingänge auf dem Rekordniveau von ungefähr 79 Mio. EUR. Beachtlich ist, dass LPKF in seiner 37jährigen Firmengeschichte noch nie ein Jahr mit einem Verlust abgeschlossen hat.