Aktien-Update – Tom Tailor

Bislang hatte es den Anschein, die hinzugekaufte Marke „Bonita“ sei für den Modekonzern Tom Tailor mehr ein Bremsklotz. Denn während die Erlöse in den eigenen Filialen von Quartal zu Quartal erfreuliche Zuwächse verzeichneten, ging bei Bonita der Absatz mitunter deutlich zurück. Auch wenn das Tom Tailor-Management stets Zuversicht verbreitete und auf den zeitlichen Vorlauf der eingeleiteten Umstrukturierungsmaßnahmen hinwies, dürfte so manch ein Aktionär doch allmählich die Geduld verloren haben. Mit den heute vorgelegten Eckdaten zum dritten Quartal zeichnet sich nun aber erstmals konkret eine Trendwende bei Bonita ab. Die Marke steigerte ihren Umsatz auf vergleichbarer Fläche um rund 5%. Noch etwas besser liefen die Geschäfte erneut in den Tom Tailor-Stores. Hier lag der Zuwachs bei den Einnahmen im gleichen Zeitraum bei knapp 8%. Über den Online-Shop wurde sogar 27% mehr umgesetzt. Damit konnte man sich vom rückläufigen deutschen Modeeinzelhandel klar abheben. Tom Tailor führt den Turnaround bei Bonita auf verkürzte Produktions- und Lieferzeiten sowie auf die Umstellung der Kollektion mithilfe des bewährten Trendmanagementsystems zurück. Für die kommenden Quartale und das Weihnachtsgeschäft erwartet Tom Tailor-Chef Dieter Holzer dann auch eine Fortsetzung des Wachstumskurs. Dabei werde zugleich eine Verbesserung der Profitabilität angestrebt. Den ausführlichen Quartalsbericht mit allen Ergebniskennzahlen veröffentlicht die Gesellschaft am 7. November. Die Börse reagiert derweil erleichtert. So rangierte die Aktie nach der Bekanntgabe dieser Zahlen mit einem Plus von rund 5% an der Spitze des SDAX.

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SI-Kommentar: Tom Tailor gelingt es, sich vom weiterhin schwierigen Marktumfeld abzukoppeln. Anders als bei Gerry Weber stimmt hier auch die kurzfristige Wachstumsperspektive. Hinzu kommt eine mit Blick auf das nächste Geschäftsjahr vorteilhaftere Bewertung. Durch den Wegfall von Akquisitionskosten und unter der Annahme von Profitabilitätsfortschritten bei Bonita sollte das KGV von aktuell 22 auf moderate 12 sinken (Gerry Weber 2014e: 16). Auch beim KUV (= Kurs-Umsatz-Verhältnis) weist die Tom Tailor-Aktie eine deutlich attraktivere Bewertung auf (0,5 gegenüber 1,5 bei Gerry Weber). Da die Charttechnik bislang keine klare Tendenz erkennen lässt – der Wert bewegt sich seit über einem Jahr in einer recht engen Seitwärtsspanne –, drängt sich bislang aus dieser Sicht kein Einstieg auf. Hierzu bedarf es zudem einer Verstetigung der positiven Umsatzentwicklung. (MW)

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