Aktien-Update – Ebay

Eigentlich sollte am gestrigen Abend die Quartalsbilanz des Internet-Auktionshauses Ebay (aktueller Kurs: 41,87 EUR, WKN 916529) im Mittelpunkt stehen. Dann wurden die Zahlen aber von einer anderen Nachricht des Unternehmens fast überlagert. Demnach hat sich Milliardär Carl Icahn, bekannt für seine proaktive und aggressive Shareholder Value-Strategie, mit knapp 1% beim Ecommerce-Pionier eingekauft. Er will in Zukunft zwei Verwaltungsräte entsenden und die Aufspaltung des Konzerns initiieren. In einem Brief an Ebay-CEO John Donahue forderte er ein Spin-off des Bezahldienstes PayPal, den Ebay im Jahr 2002 für den aus heutiger Sicht Schnäppchenpreis von 1,5 Mrd. USD übernahm. Inzwischen wächst PayPal weitaus schneller als die klassischen Marktplätze, auf denen Nutzer Waren kaufen und versteigern können. Das Ebay-Management lehnt Icahns Forderung jedoch ab und sieht gerade in der Kombination beider Geschäftsbereiche den Schlüssel für den weiteren Unternehmenserfolg. Stattdessen schlagen Donahue und seine Kollegen ein neues 5 Milliarden Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm vor. Auch im Schlussquartal lag das Wachstum der PayPal-Sparte mit 19% klar über dem von Ebays Auktionsplätzen, die einen Umsatzanstieg um 12% auf 2,3 Mrd. USD verbuchen konnten. Nach Steuern verdiente der Konzern 0,81 USD je Aktie (Vj.: 0,70 USD) und damit in etwa so viel wie von Analysten erwartet. Der Ausblick auf das neue Geschäftsjahr verfehlte indes die Konsensschätzungen. So stellte Donahue für 2014 Erlöse zwischen 18,0 und 18,5 Mrd. USD sowie ein EpS zwischen 2,95 und 3,00 USD (Vj.: 2,71 USD, Erwartungen: 3,12 USD) in Aussicht. Erstmals äußerte sich der Vorstand auch zu den Perspektiven für das Jahr 2015. Dann möchte Donahue zwischen 20,5 und 21,5 Mrd. USD umsetzen und den Gewinn je Aktie um mehr als 10% im Vergleich zum 2014er-Niveau steigern.

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SI-Kommentar
: Icahns Forderung ist nicht neu oder wurde so auch schon von anderen Investoren vorgebracht. Tatsächlich könnten in diesem Fall beide Teile mehr wert sein als das Ganze, wobei aus operativer Sicht doch eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Auktionsgeschäft und Paypal fortbestehen sollte. Mit Icahn besitzt diese Position nun einen prominenten und vor allem durchsetzungsfähigen Fürsprecher. Dass die Ebay-Aktie trotz des eher schwachen Ausblicks nachbörslich um über 5% hinzugewinnen konnte (zeitweilig betrug das Plus sogar über 9%), zeigt auf wessen Seite die Wall Street steht. Offenbar sehen die Anleger in Icahns Vorschlag die Chance für eine höhere Bewertung des Ecommerce-Pioniers. Hinzu kommt das neue Aktienrückkaufprogramm, das die Notiz ebenfalls unterstützen dürfte. Mit einem KGV von 19 gehört das Papier ohnehin zu den eher moderat gepreisten Internettiteln. Operativ sind von Ebay auch dank des Erfolgs der Mobile-Strategie weiterhin verlässliche, obgleich wenig spektakuläre Wachstumsraten und Ergebnisse zu erwarten. Insgesamt bietet die Aktie auch nach dem heutigen Kurssprung in die Nähe eines neuen Allzeithochs eine attraktive Mischung aus Growth und Value. (MW)Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
Ein mit “*“ gekennzeichnetes Wertpapier wird zum Zeitpunkt der Erscheinung dieser Publikation von mindestens einem Mitarbeiter der Redaktion gehalten.

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