Aktien-Update – Lanxess

Nur selten haben Vorstandswechsel kurzfristig derart sichtbare Auswirkungen auf den Börsenkurs wie heute im Fall des Spezialchemiekonzerns Lanxess (aktueller Kurs: 48,65 EUR, WKN 547040). Die Nachricht, dass der frühere Finanzchef Matthias Zachert – bislang noch im Dienste des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck – zu den Leverkusenern zurückkehren und dem bisherigen Vorstandschef Axel Heitmann nachfolgen soll, trieb die Lanxess-Aktie zeitweilig um fast 10% an. Auch wenn Heitmanns Abgang nach Querelen mit dem Lanxess-Aufsichtsrat über die weitere Strategie zwar nicht ganz überraschend kommt, hatten doch nur die wenigsten Beobachter einen solchen Schritt zum jetzigen Zeitpunkt erwartet. Mit Zachert übernimmt ein erfahrener Sanierer das Ruder und ein Mann, der bereits von 2004 bis 2011 als Lanxess-CFO den Konzernumbau mitgestaltete. Nun soll er seinen früheren Arbeitgeber fit für das schwierige Branchenumfeld machen. Als einer der weltweit größten Hersteller von synthetischem Kautschuk litt die frühere Bayer-Chemiesparte schon länger unter den deutlich rückläufigen Kautschukpreisen und einem schwachen Autoabsatz in Europa. Heitmann war es nicht gelungen, die Abhängigkeit vom zyklischen Auto- und Reifenmarkt nennenswert zu reduzieren. Diese Aufgabe soll fortan unter Zacherts Führung neu angepackt werden. Spätestens zum 15. Mai wird der Manager sein neues Amt antreten. Dass Heitmann im Gegenzug Lanxess bereits Ende Februar verlassen muss, ist zudem ein klares Indiz für unüberbrückbare Differenzen mit dem Kontrollgremium und Aufsichtsratschef Rolf Stomberg. Für Merck-Aktionäre bietet die Personalie indes wenig Erfreuliches. Spiegelbildlich zum haussierenden Lanxess-Papier brachen die Aktien der Hessen am Vormittag prozentual zweistellig ein. Damit wurde ein Börsenwert von über 850 Mio. EUR binnen weniger Minuten vernichtet.

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SI-Kommentar: Dem Lanxess-Aufsichtsrat ist mit der Berufung ihres Ex-CFOs Zachert ein echter Coup gelungen. Die Vorschusslorbeeren sind immens, wie sich an der heutigen Kursreaktion und den ersten Analystenkommentaren ablesen lässt. Gleichwohl wird auch der neue Chef das Ruder nicht von heute auf morgen herumreißen können. Eine schnelle Besserung der Margensituation scheint aufgrund der weiterhin schwachen Nachfrage aus dem Automobil- und Reifenmarkt eher unwahrscheinlich. Insofern sollten sich Anleger auf einen noch verhaltenen Ausblick bei Vorlage der Jahresbilanz einstellen. In jedem Fall ist Zachert die Weiterführung der von Heitmann begonnenen Sanierung zuzutrauen. Auch eine Verbreiterung der Aktivitäten, welche die Abhängigkeit vom sehr zyklischen Kautschukgeschäft reduzieren soll, wird auf Zacherts Agenda ganz oben stehen. Gemessen an einem Jahresumsatz von knapp 9 Mrd. EUR und dem Ertragspotenzial in besseren Zeiten – siehe die Jahre 2011 und 2012, in denen jeweils ein Überschuss von über einer halben Milliarde Euro anfiel – erscheint der aktuelle Börsenwert von rund 4 Mrd. EUR ausbaufähig. Noch bewegt sich die Aktie allerdings in ihrer Handelsspanne der vergangenen Monate zwischen 44 und 53 Euro. (MW)Hinweis auf mögliche Interessenkonflikte:
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