Aktien Update – Mitteldeutsche Fahrradwerke AG

Die Mitteldeutschen Fahrradwerke AG (akt. Kurs 3,05 EUR; WKN A0B95Y) sind deutlich vom Erfolgspfad abgeraten und stehen mitten in unübersichtlichem Gelände: Auf etwa 15 Mio. EUR werde sich der Fehlbetrag für das Jahr 2013 belaufen. Dies teilte das Unternehmen völlig überraschend per ad-hoc-Meldung mit. Der Fehlbetrag sei auf Fehlbuchungen des Materialaufwandes im Vorratsvermögen zurückzuführen, die erst während der Arbeiten zum Jahresabschlusses aufgefallen sind. Der Aktienkurs wurde daraufhin von den Anlegern pulverisiert.

Die entscheidende Frage lautet: Sind hier Management-Amateure am Werk, die vielleicht gute Fahrräder bauen können, von Controlling und Kalkulation aber keinen blassen Schimmer haben? Oder steckt mehr dahinter? Denn in der Mitteilung ist auch davon die Rede, dass Umsatzerwartungen nicht erreicht wurden. Die Liquiditätsausstattung jedenfalls sei hinreichend, um den Betrieb uneingeschränkt aufrecht zu erhalten.

Die Produkte der MiFa genießen ansonsten einen sehr guten Ruf. Das Unternehmen deckt mit einer Mehrmerken-Strategie die gesamte Palette von der Einsteigerqualität bis zum Premiumbereich ab und gilt bei den Elektrofahrrädern als führend. Gerade dem Bereich der Elektromobilität auf zwei Rädern wird großes Wachstumspotenzial zugeschrieben.

Genaues ist derzeit nicht bekannt. Mit dem neuen Vorstandsmitglied Hans-Peter Barth für den erkrankten, bisherigen Alleinvorstand Peter Wicht (der zugleich mit der Familie Maschmeyer Hauptaktionär ist), soll für Klarheit und die Wende gesorgt werden. Dazu beitragen soll auch die Zusammenarbeit mit dem weltgrößten Fahrradhersteller, der HERO Cycles Ltd. Das indische Unternehmen habe eine Finanzspritze zugesagt.

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SI-Kommentar:

Auch wenn das operative Geschäft wieder flott gemacht werden kann, droht weiteres Ungemach: Durch den hohen Verlust 2013 dürften Covenants der Unternehmensanleihe verfehlt werden, was zu Sonderkündigungsrechten der Anleihekäufer führt. Der Bond der MiFa ist ebenfalls abgestützt und notiert um 25%.

Die Frage ist nun, ob das Unternehmen dank guter Positionierung in einem attraktiven Markt im Kern gesund ist und durch HERO bzw. Maschmeyer jederzeit die notwendige Liquidität erhält. Dann wären die jetzigen Niveaus der Aktie und der Anleihe eine ziemlich gute Chance für Anleger, die bei vollem Risiko investieren. Sollten sich tiefergehende Schwierigkeiten offenbaren, wäre andererseits der Weg zum Pennystock bzw. zum Ausfall der Anleihe ebenso denkbar. (spr).

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