Interview: „Die Krise macht nur eine Pause“

Dr. Holger Schmitz

Smart Investor: Die Medien reagieren teilweise euphorisch, weil Griechenland problemlos neue Anleihen platzieren konnte. Scheint nun wieder die Sonne über Hellas und anderen europäischen Peripheriestaaten?
Dr. Schmitz: Für mich ist das unbegreiflich. Vor vier Jahren hat Griechenland die letzten Anleihen platziert. Danach gab es Schuldenschnitte der unterschiedlichsten Art. Die Neuemission zeigt das kurze Gedächtnis der Anleger. Denn eines ist klar: Eine Schuldentragfähigkeit Griechenlands ist gar nicht vorhanden. Daher wird sicher ein weiterer Schuldenschnitt kommen. Die Frage ist nur, ob es ein harter Schuldenschnitt wird oder ein weicher, beispielsweise mit einer Verlängerung der Anleihen-Laufzeit oder einer Reduzierung der Zinsen. Der Öffentlichkeit wird eine Scheinwelt vorgegaukelt, die nicht den Fakten entspricht. An der Staatsschuldenproblematik, nicht nur in Griechenland, hat sich nichts geändert. Sie hat sich vielmehr verschlimmert.

Smart Investor: Der Sündenfall in Zypern mit der Enteignung von Sparguthaben scheint vergessen, müssen sich Anleger weiter Sorgen um ihre Vermögen machen?
Dr. Schmitz: Das Bewusstsein, dass diese Enteignung wieder passieren kann, und das auch in anderen Ländern, ist schon wieder verloren gegangen. Dabei liegen die Ereignisse in Zypern gerade einmal ein Jahr zurück. In Deutschland wird das in den kommenden Wochen nicht passieren. Allerdings besteht auch hier die gleiche Grundproblematik: Die Ausgaben sind permanent höher als die Einnahmen. Die Politiker sind dabei die wahre Ursache der Staatsschuldenproblematik. Ihr Anreizsystem zielt auf Machterhalt ab und nicht auf das Gemeinwohl. Früher wurde eine zu hohe Staatsverschuldung über Kriege gelöst, heutzutage wird es über finanzielle Repressionen versucht. Die Politik arbeitet mit vielen Tricks, wie auch die neue Berechnung des Bruttoinlandsprodukts zeigt. Die reale Schuldenquote sinkt dadurch, dass bei gleichem Schuldenstand das Bruttoinlandsprodukt durch statistische Tricks erhöht wird. Auch die tatsächliche Inflationsrate in Deutschland liegt höher als sie vom Statistischen Bundesamt ausgewiesen wird. Ziel ist es, das Märchen von der Deflation glaubhafter zu machen, um die Zinsen noch weiter senken zu können und eine weitere Geldflut vorzubereiten.

Smart Investor: Wie sollten sich Anleger in der aktuellen Situation bei ihren Investments verhalten?
Dr. Schmitz: In jedem Fall sollten sie sich nicht von rosaroten Nachrichten wie dem Nachfragehype nach griechischen Anleihen anstecken lassen. Die Krise macht momentan nur eine Pause, sie ist definitiv nicht gelöst. Deshalb ist völlig klar, dass sie uns wieder einholen wird. Für Investoren gelten daher die alten Regeln, nämlich Ausweichmöglichkeiten wahrzunehmen und beispielsweise einen Teil des Vermögens außerhalb des EU-Raums in Schweizer Franken oder Norwegischen Kronen anzulegen. Auch Assets, die momentan links liegen gelassen werden, wie Gold oder Silber, werden ihre Renaissance erleben. Ein Patentrezept gibt es nicht. Es geht vielmehr darum, über eine Risikominimierung die Schäden, die den Anlegern durch die Politik zugefügt werden, zu begrenzen.

Smart Investor: Herr Dr. Schmitz, vielen Dank für die klaren Worte.

Interview: Christian Bayer