Löcher in der Matrix – „Wunderwaffen“

„Wird Mario Draghi eine neue Wunderwaffe zünden?“ (welt.de, 8.5.2014)

Mario Draghi, der Hüter des Euro, hat sie also, die „Wunderwaffe“. Er muss sie nur noch zünden. Und wie das Wörtchen „neue“ impliziert, ist es auch gar nicht seine erste und einzige Waffe dieser Art – Normalität also in Frankfurt und richtig gute Nachrichten noch dazu? Es folgt eine Aufzählung der bisherigen Maßnahmen des „Meisters des Unberechenbaren“ und deren Wirkung auf den „Euro-Break-Up-Index“ – ein Gradmesser für die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Land aus dem Euro verflüchtigt. Dank Wunderwaffen-Mario ist „unser Geld“ demnach so sicher wie schon lange nicht. Ansonsten wird kräftig spekuliert, darüber ob Draghi, oder ob er nicht – EZB-Astrologie vom Feinsten.

So weit, so gut. Dennoch stolpert man irgendwie über diesen etwas aus der Mode gekommenen Begriff der „Wunderwaffe“, der nicht nur prominent in der Überschrift prangt, sondern sich auch noch einmal in eine Kapitelüberschrift und in den Text verirrt hat. Da war doch was?! Bei wikipedia.de finden wir folgende Begriffsbestimmung: „Der Begriff Wunderwaffe wurde von der nationalsozialistischen Propaganda während des Zweiten Weltkrieges geprägt.“ Huch, also doch. Wir wollen jetzt aber gar nicht in das routinemäßige Empörungslamento à la „Der hat Autobahn gesagt!“ einfallen. Viel spannender als die Herkunft des Begriffs scheint uns dessen Bedeutung zu sein – wieder wikipedia.de:

„Er bezeichnet generell gesprochen eine Waffe, die einer unterlegenen Partei in einem mit Waffen ausgetragenen Konflikt einen unerwarteten, überraschenden Vorteil verschaffen und doch noch einen Sieg ermöglichen soll. Wichtiger als der waffentechnische Fortschritt ist dabei die Propagandawirkung für einen nicht mehr zwingend erwarteten Sieg.“

„Unterlegene Partei … Propagandawirkung“?! Möglicherweise wollte uns der Autor mit der Wahl des Begriffs – freilich verschlüsselt – einen ziemlich wertvollen Hinweis geben.

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