Aktien Update – Cross-Border-Emittenten aus China

Gleich vier in Deutschland gelistete Unternehmen aus China haben in den vergangenen Tagen Zahlen vermeldet. Keines der Unternehmen konnte dabei überzeugen, stattdessen ist von zum Teil dramatischen Umsatzrückgängen zu berichten.

Die Haikui Seafood AG (akt. Kurs 4,70 EUR; WKN A1JH3F) vermeldete, dass der andauernde intensive Wettbewerb und die knappe Rohstoffversorgung sowie die erweiterten Qualitätskontrollen durch die chinesischen Inspektions- und Quarantänebehörden (CIQ) sich negativ auf die Ergebnisse ausgewirkt hätten. Der Umsatz sank um 28,7 Prozent auf 30,2 Millionen Euro. Haikui blieb noch in der Gewinnzone und hat den Zahlen zufolge die Profitabilität ausgebaut, weil man mehr höhermargige Muschelprodukte habe handeln können.

Asian Bamboo (akt. Kurs 1,08 EUR; WKN A0M6M7) legte den Jahresbericht 2013 vor, der unter den Oberbegriff „Katastrophe“ fällt. Der Umsatz halbierte sich, dafür steht die Verdreifachung des Verlustes auf 24 Mio. EUR zu Buche. Hinzu kommt noch eine nicht liquiditätswirksame Abschreibung auf biologische Vermögensgegenstände von mehr als 100 Mio. EUR. Unterdessen ist mehr als die Hälfte des Eigenkapitals verzehrt.

Die Firstextile AG (akt. Kurs 9,20 EUR/WKN A1PG8V) vermeldete für das 1. Quartal einen Umsatzrückgang von mehr als 30% auf 33,9 Mio. EUR. Das Nettoergebnis sackte um 43% auf 4,4 Mio. EUR ab. Als Hauptgrund für die Einbrüche wurde das schwankende Geschäft mit Uniformen genannt, das im 1. Quartal komplett zum Erliegen gekommen war.

Schließlich legte ZhongDe Waste Technology AG (akt. Kurs 3,30 EUR/WKN ZDWT01) den testierten Jahresbericht 2013 vor. Demnach halbierten sich die Umsatzerlöse auf 12 Mio. EUR. Der Verlust konnte zwar eingedämmt werden, liegt aber noch immer bei 0,66 EUR pro Aktie nach 0,97 EUR in 2012. Als Auftragsbestand wird die Summe von 226 Mio. EUR angegeben, 2012 lag der Bestand noch bei 256 Mio. EUR. Und obwohl 2013 der Auftragseingang etwa 45 Mio. EUR betragen habe schlägt sich all dies noch nicht im aktuellen Umsatz nieder. Dies liege am Projektgeschäft, das erst ab 2015 Rückflüsse erwarten lässt.

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SI-Kommentar:

Man kann nicht behaupten, dass chinesische Cross-Boder-Emittenten hiesigen Investoren übermäßig Freude bereiten. Die nun vorgelegten Quartalszahlen und Jahresberichte werden kaum für einen Umschwung sorgen. Wie bei einigen früheren Emissionen, zum Beispiel Greater China Precision Components und anderen waren die Zahlen zunächst ganz passabel, aber aus den unterschiedlichsten Gründen tragen die Geschäftsmodelle nicht überzeugend.

Bei Firstextile liest sich das so: „Die Umsätze im Segment Stoffe beliefen sich gemäß den Erwartungen für das Geschäftsjahr 2014 im ersten Quartal 2014 auf 26,8 Mio. EUR. Im Vergleich zu Umsätzen in Höhe von 31,4 Mio. EUR im ersten Quartal 2013, sanken die Umsatzerlöse im Berichtszeitraum um 14,5%, was auf den Rückgang des durchschnittlichen Verkaufspreises als auch auf das geringere Absatzvolumen zurückzuführen ist.“ Hört sich nach Überangebot an. Gleichzeitig baut Firstextile aber eine neue Produktion auf, die die Kapazität verdoppelt und Ende 2014 in Betrieb gehen soll. Ob das klappt?

Asian Bamboo hatte nach dem Börsengang zunächst durchgestartet, aber Probleme ließen nicht lange auf sich warten. Jetzt sind es zu wenige verfügbare Plantagenflächen, fehlende Erntehelfer und kalte Witterung, die als Gründe für den Absturz von Kursen um 40 EUR bis auf 1 EUR verantwortlich gemacht werden. Haikui Seafood und ZhongDe bezeichnen die schwachen Zahlen als vorübergehend, man werde die gesteckten Ziele erreichen. Man kann es nicht ausschließen, wenngleich etwa die Abschreibung in Höhe von 11 Mio. EUR auf eine nicht fertiggestellte Abfall-Anlage bei ZhongDe stutzig macht und bei Haikui nicht deutlich wird, warum das Angebot an Meeresfrüchten sich angesichts anhaltender Überfischung bessern sollte. Nach Lage der Dinge werden diese chinesischen Aktien der Abwärtsspirale nicht entkommen, denn nach den Kursdesastern der Vergangenheit sind die Anleger ausgesprochen hellhörig und vorsichtig geworden. Und das ist gut so. (spr)

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