Löcher in der Matrix – Lob des Überflüssigen

Loch_39.jpg„Überflüssig oder nützlich? Ökonom Rogoff will Bargeld abschaffen“ (faz.net, 20.11.2014)

Schon die Frage in der Überschrift von faz.net geht in die Irre – von wegen kluger Kopf und so. „Überflüssig oder nützlich?“ ist regelmäßig eine Überlegung, die derjenige anstellt, den es betrifft. Wer Bargeld für „überflüssig“ hält, der braucht es nicht zu nutzen und die Angelegenheit wäre damit auch schon erledigt. Selbst falls Rogoffs Einschätzung „Das braucht doch kein Mensch!“ zutreffend wäre, ließe sich daraus noch lange nicht die Konsequenz einer Abschaffung des Bargelds herleiten. Es sind nämlich dreierlei paar Schuhe, ob A und B bei ihren Transaktionen gerne Bares verwenden, ob Ökonom C glaubt, das sei überflüssig oder ob Regierung D den „feschen Cash“ schließlich verbietet. Das eine ist Freiwilligkeit, das andere Zwang.

Vermutlich ist sich der „prominente amerikanische Ökonom“ der Schwachbrüstigkeit seiner Argumentation sehr bewusst. Aber offenbar kümmert es ihn nicht. Immerhin kann sich der frühere IWF-Chefvolkswirt mit der Forderung nach einer Abschaffung des Bargeldes wieder bei den Mächtigen der Geldwirtschaft anheischig machen. Dort hatte er – zusammen mit Carmen Reinhart – einiges an Porzellan zerschlagen, als er glaubte, eine empirische Obergrenze für die Staatsverschuldung gefunden zu haben. Natürlich liefen die beiden mit solchen Vorstellungen – und einigen Rechenfehlern – seinerzeit direkt ins Messer von Paul Krugman, dem wortgewaltigen Ausputzer der „Keynesianistischen Rechtgläubigkeit“.

Natürlich ist der Grund für Rogoffs Vorstoß nicht, dass er nun plötzlich entdeckt hätte, dass Bargeld eigentlich überflüssig sei. Auch die schalen Argumente, dass durch dessen Abschaffung Steuerflucht und Drogenkriminalität besser bekämpft würden, überzeugen nicht. Beides findet doch bereits heute in viel größerem Stil bargeldlos statt.

Warum also jetzt? Es liegt am jüngsten Bubenstück der Draghi-EZB – der Erhebung von Negativzinsen. Nachdem der Damm in diese Richtung gebrochen wurde, frisst sich die Maßnahme nun langsam in die Bankenwelt hinein – Skatbank, Commerzbank, etc. …

Rogoff versucht argumentativ die Abschaffung des Bargelds – immerhin des einzigen gesetzlichen Zahlungsmittels – als Schließung eines (negativ-)zinslosen „Schlupflochs“ darzustellen, was alleine schon ziemlich frech ist: „Papiergeld ist das entscheidende Hindernis, die Zentralbank-Zinsen weiter zu senken.“ Und weiter: „Seine Beseitigung wäre eine sehr einfache und elegante Lösung für dieses Problem.“ Das Ganze läuft jedoch unter dem Motto „Zwei Fliegen mit einer Klappe“. Die zweite „Fliege“ erwähnt er nicht einmal – die Vernichtung der Konkurrenz für das im Bankensystem erzeugte Buchgeld. Und als Sahnehäubchen gibt es die totale Transparenz der Zahlungsströme aller(!) Bürger gratis dazu. Das nennt man dann wohl aus der Not eine Tugend zu machen.

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