Grafik der Woche – Ölpreise und Aktienbewertungen

Vergangene Ölpreiskorrekturen und KGV-Ausweitungen

GOLOD

Quelle: Invesco

Der Preisverfall beim Öl hat in den vergangenen Wochen für viele Diskussionen gesorgt. Angesichts der Dynamik des Abschwungs ist das kein Wunder. Schließlich hat der Preis für die Nordsee-Ölsorte Brent in der Spitze seit Mitte Juni rund 60% an Wert eingebüßt. Das hinterlässt nicht nur Spuren in den Staatskassen der ölproduzierenden Länder sondern auch in den Bilanzen der Unternehmen aus der Ölbranche. In den USA rechnen Analysten für die Energieunternehmen im vierten Quartal 2014 deswegen inzwischen mit einem herben Ergebnisrückgang von gut 21%. Auch den S&P 500 Index-Vertretern wird laut dem Datenanbieter Factset deswegen nur noch ein kleines Gewinnplus von 0,6% für das abgelaufene Quartal zugetraut, nachdem man vor vier Monaten noch mit einem Gewinnplus von rund 10% gerechnet hatte.

So gesehen ist es schon verständlich, warum viele Marktteilnehmer verunsichert sind und sich fragen, wie sie den Ölpreisverfall in ihren Anlageentscheidungen berücksichtigen sollen. Zumal es neben den bereits angedeuteten negativen Effekten auch positive Folgewirkungen wie etwa geringere Energierechnungen auf Seiten der privaten Konsumenten oder der Unternehmen gibt. Weil sich diese günstigen Effekte erfahrungsgemäß oft erst mit einer gewissen Zeitverzögerung einstellen, die niedrigeren Gewinnprognosen im Ölsektor aber sofort durchschlagen, ist Orientierung gefragt. Diese lässt sich in schwierigen Übergangsphasen häufig auch ganz einfach mit einem Blick zurück in die Geschichte erlangen.

Zieht man in diesem Fall die Historie zu Rate, dann stößt man mit den Jahren 1985/86 und 1996-98 auf zwei Fälle, bei denen der Ölpreis ähnlich stark wie jetzt eingebrochen ist. Und das was damals am US-Aktienmarkt passiert ist, lässt durchaus hoffen, dass vom tiefen Ölpreis doch noch positive Kurseffekte ausgehen werden. 1985/86 fiel der Ölpreis sogar um 65%, doch beim S&P 500 Index kam es, wie Richard Golod vorrechnet, gleichzeitig zu einer KGV-Expansion von 9,72 auf 17,47 (siehe Grafik).  Laut dem Director of Global Investment Strategies bei Invesco legte der Index dadurch getrieben in dieser Phase um 86% zu. Ähnlich lief es auch 1996 bis 1998. Damals brach der Ölpreis um 57% ein, doch es stellte sich erneut ein KGV-Expansion von 18,04 auf 28,31 ein und der S&P 500 Index kletterte in dieser Zeit um 89%.

Wer einwendet, das sei möglicherweise unter anderen Rahmenbedingungen abgelaufen, der hat zwar insofern Recht, als die Gegebenheiten mit heute sicherlich nicht ganz identisch sein werden. Interessant ist laut Golod aber, dass ebenfalls wie heute auch damals der Dollar zur Stärke neigte und die Inflation auf dem Rückzug war. Im Übrigen war damals auch ein sehr ansehnliches Wirtschaftswachstum zu registrieren. Die geschichtliche Erfahrung legt jedenfalls den Schluss nahe, dass die seit März 2009 andauernde Hausse am US-Aktienmarkt nur wegen der Ölpreis-Schwäche noch nicht voreilig abzuschreiben ist.

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