Löcher in der Matrix – Echte und gefühlte Armut

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Paritätischer Wohlfahrtsverband: ‚Armuts-Erdrutsch’: So viele Deutsche arm wie noch nie“ (focus.de, 19.2.2015)

Da reibt man sich verwundert die Augen. Das reiche Deutschland, der Exportweltmeister soll von einem „Armuts-Erdrutsch“ getroffen worden sein. „So viele Deutsche arm wie noch nie“ titelt focus.de und übernimmt damit unkritisch die Diktion des „Paritätischen Wohlfahrtsverbands“. Die Aussagen sind schon deshalb verwunderlich, weil noch nie eine so ausgabenintensive Sozialpolitik betrieben wurde wie unter der aktuellen Regierung. Die Sozialetats erreichen immer neue Höhen, obwohl die Beschäftigung im Lande auf Rekordniveau liegt. Wie passt das alles zusammen? Kurz gesagt: Gar nicht. Denn das, was der „Paritätische“ da misst, ist nicht – wie behauptet – „Armut“, sondern Ungleichheit der Einkommen. Das Perfide daran: Die Ungleichheit nimmt mit wachsendem Wohlstand tendenziell zu. Über echte Armut im Sinne von Mangel lässt sich aus der Definition herzlich wenig ableiten.

Selbst der ansonsten durchaus sozial gesinnten Süddeutschen Zeitung gehen das grobschlächtige Pathos und der sich aufplusternde Alarmismus der Sozialfunktionäre erkennbar auf die Nerven: „Armut in Deutschland: Falsch berechnet“ geht Kommentator Bohsem mit dem „Paritätischen“ ins Gericht: „So mancher von der Studie zum Armen erklärte Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns würde den Autoren des Papiers wohl einen Vogel zeigen.“ Und das wohl auch vollkommen zu Recht. Wenn sogar Studenten als „Arme“ eingerechnet werden, weil sie – oh Wunder – über weniger als 60% des mittleren Nettoeinkommens verfügen, dann ist das einfach nur grober Unfug. Dabei ist die Diskussion nicht neu. Der Verband kann sich also noch nicht einmal ernsthaft darauf berufen, dass er nicht wisse, was er tue. Offensichtlich wird mit den windschiefen Zahlen bewusst Politik betrieben. Der „Paritätische“ ist nämlich laut Eigenauskunft der „Dachverband von über 10.000 eigenständigen Organisationen, Einrichtungen und Gruppierungen im Sozial- und Gesundheitsbereich“ – auf gut Deutsch eine Lobbyorganisation für jene, die in der Sozialindustrie ihr Auskommen gefunden haben.

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