Grafik der Woche – Totgesagte leben länger

Langfristige Entwicklung des US-Dollar Index seit 1980

Eines der Phänomene an den Finanzmärkten in diesem Jahr ist die starke Aufwertung des US-Dollar. Damit feiert ausgerechnet jene Währung ein Comeback, die im Laufe der vergangenen Jahre von vielen Experten bereits der unaufhaltsame Niedergang vorhergesagt wurde. Inwieweit die aktuelle Stärke der US-Landeswährung auch ein Ausdruck der Schwäche anderer Papiergeldwährungen ist, soll an dieser Stelle nicht debattiert werden. Hier geht es nur um das Aufzeigen eines aktuellen Trends, und der besteht nach dem Motto „Totgesagte leben länger“ nun einmal in einer Renaissance des Dollar.

Die Erholung erfolgt dabei mit einer Wucht, die an den Devisenmärkten nicht alltäglich ist. So hat der EUR zum USD in diesem Jahr schon gut 13% abgewertet und seit Ende Juni 2014 beläuft sich das Minus sogar auf 29,2%. Es handelt sich aber nicht nur um eine Euro-Schwäche, sondern der USD demonstriert auch gegenüber anderen Weltwährungen Stärke. Ablesen lässt sich dies am USD-Index, der den Wert des USD gegenüber einem Währungskorb aus sechs Währungen misst. Ebenfalls seit Ende Juni steht hier aus USD-Sicht ein Plus von 25% zu Buche.

Als wichtige Gründe für den USD-Anstieg wird zumeist das größere Zutrauen der Marktteilnehmer in eine konjunkturelle Erholung in Amerika verglichen mit anderen Weltregionen genannt, vor allem aber der bestehende Renditevorsprung. Letzteres hat auch mit der Erwartung einer Zinswende nach oben im laufenden Jahr durch die US-Notenbank zu tun, während zahlreiche Notenbanken weltweit inklusive der Europäischen Zentralbank in diesem Jahr schon expansive geldpolitische Schritte beschlossen haben. Speziell mit Blick auf den Euro sagen die meisten Auguren einen weiteren Abstieg für die – auch von einem möglichen Grexit geplagte – Europäische Einheitswährung voraus. Besonders aggressiv sind dabei Goldman Sachs und Deutsche Bank, die mittelfristig den Euro nur noch bei 0,80 USD und 0,75 USD sehen.

Wie der obige Chart zeigt, versucht sich der USD-Index, der ganz langfristig abgewertet hat, derzeit aber offenbar an der dritten langfristigen Aufwärtsphase. Die erste dieser Aufwertungsperioden ereignete sich unter der Präsidentschaft von Ronald Reagan Anfang der 1980er-Jahre, als in den USA eine striktere Geldpolitik und dafür umso lockerere Fiskalpolitik betrieben wurde. Damals markierte der USD-Index im Februar 1985 ein Allzeithoch. Die zweite Aufwertungsperiode war dann während der Asienkrise und der Technologieblase Ende der 1990er-Jahre. Nach einem 2002 erreichten Zwischenhoch rutschte der USD-Index dann aber wieder in einen Bärenmarkt ab und im März 2008 wurde ein Rekordtief aufgestellt.

Doch zuletzt scheint sich der USD-Index zu seinem dritten langfristigen Höhenflug aufgemacht zu haben. Untermauert wird diese These durch die am 13. März erstmals seit März 2003 zurückeroberte Marke von 100 Punkten. Ob sich dieser Aufschwung fortsetzen wird, kann nur die Zukunft zeigen. Die Ausgangsbasis dafür scheint aber gegeben zu sein. Denn wie die Analysten der französischen Bank Natixis bei einer Untersuchung früherer Aufwertungsphasen festgestellt haben, waren diese vor allem von höheren Zinsen in den USA sowie von Problemen in den Schwellenländern gekennzeichnet. Beides sei auch derzeit wieder zu beobachten, so Natixis.

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