Löcher in der Matrix – Grenzenloser Mindestlohn

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Straßenblockaden an der Grenze – Polen protestieren gegen deutschen Mindestlohn“ (handelsblatt.com, 23.3.2015)

Es ist erst gut einen Monat her, dass sich SPD-Generalsekretärin Fahimi in der ihr eigenen Art für den Mindestlohn als „historische Leistung“ selbst auf die Schulter klopfte – eine „Leistung“, die möglicherweise erst künftige Wirtschaftsstudenten richtig einzuordnen wissen. Man werde sich das „nicht kaputt machen“ lassen, stampfte sie trotzig auf. Und weil sie schon einmal so schön in Fahrt war, stufte sie auch gleich noch all jene Unternehmer die mit dem neuen Bürokratiemonster ihre liebe Not hatten, als „Gauner“ oder als „schlichtweg zu doof“ ein. Aus Fahimis Mund tönt insbesondere Letzteres seltsam. Im Prinzip hat Fahimi aber wohl insofern Recht, als viele Unternehmer das Gesetz und den damit verbundenen Aufwand ablehnen. Das kann auch gar nicht anders sein, denn der Typus des Unternehmers ist schon grundsätzlich eher pragmatisch und lösungsorientiert. Wären Unternehmer dagegen ähnlich ideologiegetrieben wie manche Politiker, könnten sie am Markt keinen Blumentopf gewinnen und müssten sich dann wohl oder übel auch ein steuerzahlerfinanziertes Auskommen bei der Partei suchen.

Nun berichtet handelsblatt.com, dass offenbar auch die polnischen Fuhrunternehmer – um in der Terminologie Fahimis zu bleiben – „Gauner“ sind oder einfach nur „schlichtweg zu doof“ um die historische Großtat des Mindestlohns ausreichend zu würdigen und umzusetzen. Sie protestieren und blockieren. Der Organisator der Proteste, Jan Buczek, Vorsitzender des Verbands der Fernspediteure, machte mit seinen Kollegen die Erfahrung, wie auch Gesetze eines Nachbarlandes unmittelbar bis auf den eigenen Schreibtisch und in den eigenen Geldbeutel durchschlagen können: „Wir werden vom Kostenanstieg erdrückt“, meinte Buczek und demonstriert damit einmal mehr jene Wehleidigkeit im Unternehmerlager, die aufrechte Sozialdemokraten so sehr auf die Palme bringt. Egoistisch ist der Herr Buczek obendrein, denn gerade in Polen werden durch den deutschen Mindestlohn noch viele neue Jobs geschaffen werden.

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