Grafik der Woche – Milchmädchenhausse?

Chinesische Privatanleger strömen an die Börse, um am Bullenmarkt teilzuhaben (Anzahl der neueröffneten Depotkonten für chinesische A-Shares in Mio.)

Quelle: RBS Credit Strategy

Die Aktienkurse in China haben sich seit Ende Oktober gemessen am Shanghai A-Share Index in etwa verdoppelt. Eine fulminante Aufwärtsbewegung, die bei vielen Beobachtern die Alarmglocken schrillen lässt. Zumal die Kursgewinne von einem nachlassenden Wirtschaftswachstum begleitet werden und inzwischen auch die Bewertungen längst nicht mehr wirklich günstig sind.

Trotzdem könnte es ein Fehler sein, Gewinne nicht laufen zu lassen. Denn was möglich ist, wenn die Bullen in China erst einmal losgelassen sind, zeigte sich von Ende 2005 bis Oktober 2007. Damals wurde der Shanghai A-Share Index sogar um rund 460% nach oben katapultiert. Es gibt natürlich keine Garantie dafür, dass es auch dieses Mal wieder so laufen wird, ausgeschlossen sind weitere Kursavancen aber ebenfalls nicht. Deshalb scheint es am sinnvollsten, nach dem bereits erwähnten Motto zu verfahren und Gewinne laufen zu lassen sowie Long-Positionen mit Stopp-Loss-Kursen abzusichern.

Angeschoben werden die Kurse neben einer auf expansiver als bisher umgestellten Geldpolitik von einer engeren Handelsverzahnung zwischen den Börsen in Shanghai und Hongkong. Dadurch wird es den Chinesen erleichtert, in Hongkong zu investieren, Ausländer habe einfacheren Zugriff auf chinesische Aktien.

Wie groß die Euphorie mittlerweile ich, zeigt sich alleine schon anhand von zwei Rahmendaten. So machen zum einen die mit Krediten finanzierten Aktienkäufe inzwischen 3,2% der gesamten Marktkapitalisierung aus (siehe auch letzte Grafik der Woche). Wenn man aber berücksichtigt, dass sich die an der Börse gehandelten Staats­unternehmen noch zu über 50% in Staatsbesitz befinden, dann erhöht sich der Prozentsatz der Kreditkäufe bezogen auf die frei handelbaren Aktien in China nach Berechnungen des Fondsmanagers Dr. Jens Ehrhardt auf 8,2%. Wie hoch dieser Wert ist, zeigt sich auch daran, dass laut Ehrhardt die bislang höchsten Kreditkäufe der Nachkriegszeit mit rund 6% in Taiwan während der Internet-Blase rund um die Jahrtausendwende zu beobachten waren.

Zum anderen wollen immer mehr chinesische Anleger auf den fahrenden Zug aufspringen. Wie die Grafik oben zeigt, sind die Konten bei Brokern, die einen Handel mit A-Aktien ermöglichen, in den vergangenen Wochen förmlich nach oben geschossen. Es ist zu befürchten, dass darunter viele Anfänger sind, die nicht wirklich wissen, dass Aktienkurse auch fallen können. Für diese Annahme spricht auch, dass laut dem China Household Finance Survey 5% der Börsen-Neulinge aus den vergangenen 12 Monate Analphabeten sind und 25% von ihnen nur eine sehr elementare Schulausbildung erhalten haben.

Zahlen, angesichts derer getrost von einer Milchmädchen-Hausse gesprochen werden kann. Die chinesische Börsenaufsichtsbehörde scheint letzteres ebenfalls zu befürchten. Zumindest haben die Verantwortlichen zuletzt gleich mehrfach die Privatanleger zu einem rationalen Anlageverhalten ermahnt. Wer mit am Ball ist, sollte die erwähnte Blasensignale im Hinterkopf haben.

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