Löcher in der Matrix – Spiel über Bande

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Endlich Rücktritt: Blatter haut ab!“ (BILD, 3.6.2015)

Wenn es ums Nachtreten geht, haben es einige Medien zu einer beachtlichen Meisterschaft gebracht. Die vor knapp einer Woche entfesselte Kampagne gegen den Weltfußballverband FIFA hat mit dem Rücktritt von Joseph „Sepp“ Blatter ihren vorläufigen(!) Höhepunkt erreicht – wohlgemerkt nur wenige Tage nach dessen Wiederwahl. Dieser Wahl gingen spektakuläre Aktionen des FBI gegen die FIFA voraus, die aber offensichtlich nicht ausreichten, um den Chef aus dem Amt zu kegeln. Also legte man nach. Bild.de schrieb am 2. Juni: „Wie gefährlich ist dieses Schriftstück für Blatter? Es soll um 10 Mio. Dollar Schmiergeld gehen“. Es ist diese Art des Kampagnenjournalismus und der diffusen Verdächtigungen, mit der schon manch anderer aus dem Amt gejagt wurde.

US-Behörden und Mainstreampresse Hand in Hand – „Der Richter und sein Henker“, könnte man mit einem anderen bekannten Eidgenossen – Friedrich Dürrenmatt – denken. Schon länger wurden auf niedrigem Niveau wenig schmeichelhafte Gerüchte über den Verband gestreut. FIFA, Blatter und Korruption, das wurde dem Publikum bereits seit Jahren als die heilige Dreifaltigkeit des Weltprofifußballs ins kollektive Gedächtnis eingeimpft. Denn Wissen im engeren Sinne konnte darüber im Publikum niemand haben. Dass das Publikum nicht dachte „Huch, Korruption bei der FIFA!“, sondern „Endlich geht es denen an den Kragen!“, hat etwas mit dieser medialen Vorarbeit zu tun. Dann liegt auch die Schlussfolgerung mundgerecht vor: Ja, wenn die Organisation so korrupt ist, dann sind auch die Entscheidungen zu beanstanden.

Und damit nähern wir uns dem eigentlichen Ziel der Aktion. Schon am Tage des Blatter-Rücktritts, aber noch vor dem Rücktritt selbst, titelte die Süddeutsche: „England fordert Boykott der Fußball-WM“. Die englischen Sportfunktionäre präsentieren sich als die Guten, die aufrechten Demokraten gegen das finstere Fußballreich der FIFA und das noch finsterere Reich Putins, das bekanntlich den Zuschlag für die Ausrichtung der Fußball-WM 2018 erhielt. Dank brachial-medialer Vorverurteilung auf allen Kanälen erscheint das als eine legitime Forderung der Engländer. Ganz nebenbei regten die Funktionäre auch gleich noch die Gründung einer Konkurrenzorganisation zur FIFA an – uneigennützig versteht sich. Auch Bundesjustizminister Maas dackelt nun brav hinterher und „fordert eine Überprüfung der WM-Vergaben“. Und da in solchen Fällen – wir erinnern uns an den gestürzten IWF-Chef und Lagarde-Vorgänger, Dominque Strauss-Kahn – ein Comeback zuverlässig ausgeschlossen werden soll, legte am 3. Juni auch noch das US-Justizministerium nach: „Bei Blatter-Wahl 2011 wurde Bestechungsgeld bezahlt.“ Große Politik, großes Geld, da ist auch das Spiel über Bande nicht gerade vom Sportsgeist getragen.

<- Vorheriges Loch          Nächstes Loch ->