Aktien Update – Precision Castparts Corp.

Erst im letzten Smart Investor hatten wir auf einen US-Value-Wert hingewiesen, der unter anderem auf der Münchener Value Intelligence Advisors-Konferenz vorgestellt wurde: Precision Castparts (WKN 865685, akt. Kurs 202,00 EUR), ein US-Zulieferer der weltweiten Luftfahrtindustrie. Auch wenn wir nicht davon ausgehen, dass Warren Buffett unseren Artikel gelesen hat, gemäß den neusten Gerüchten ist die Aufmerksamkeit des Star-Investors dennoch auf das Unternehmen aus Portland gefallen. Angeblich plant er Precision Castparts für rund 30 Mrd. USD zu erwerben, ein Aufschlag von mehr als 12% auf den Marktwert vom Freitag der vergangenen Woche. Konsequenterweise notiert die Aktie heute im Handel in Deutschland auch bereits rund 14% im Plus.

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Während Buffett vergangenen Freitag mit einem sehr durchwachsenen Quartalsergebnis seiner Holdinggesellschaft Berkshire Hathaway aufwarten musste, machte gleichzeitig die Nachricht der anstehenden Groß-Übernahme die Runde. Zwar hatte das „Orakel von Omaha“ bereits häufiger sein Interesse an großvolumigen Transaktionen bekanntgegeben, zeitgleich jedoch immer den Mangel an günstig bewerteten Unternehmen in dieser Größenordnung beklagt. Mit Precision Castparts würde er nun eine Übernahme tätigen, die beim kolportierten Kaufpreis von rund 30 Mrd. USD die teuerste Akquisition in der Unternehmensgeschichte von Berkshire wäre. Mit Stichtag 30.3. dieses Jahres besaß die Buffett-Holding bereits rund 3% der Aktien. Eine Position, die die beiden von Buffett angeheuerten Investment-Manager Todd Combs und Ted Weschler bereits seit fast zwei Jahren aufgebaut haben.

Mit den Zahlen zum zweiten Quartal musste Precision Castparts-CEO Mark Donegan nun einen Gewinnrückgang um 17% erklären, der jedoch überwiegend aus dem Geschäft mit der Energiewirtschaft und der Öl- und Gasbranche resultierte. Neben dem Flugzeugbau ist dies die zweitwichtigste Sparte des Unternehmens. Eine typische Buffett-Kaufgelegenheit also – während der Kurs von durch eine temporäre Ertragsschwäche günstig ist, bietet das Unternehmen langfristig interessante Wachstumsperspektiven. Mit der Akquisition diverser Produzenten von Materialien wie Titanium oder Keramic hatte CEO Mark Donovan zuvor ein Unternehmen aufgebaut, das auf die Produktion von gewichtsreduzierten Flugzeugkomponenten spezialisiert ist. Die dadurch möglichen Einsparungen von Kerosin ermöglichten es Precision Castparts in den letzten Jahren einen deutlichen Zugewinn von Marktanteilen bei gleichzeitig rekordverdächtigen operativen Margen von mehr als 25% zu realisieren.

Buffett fügt seinem Konzern eine weitere Industriebeteiligung hinzu. Statt wie früher aus dem Aktiendepot von Berkshire kommen die Gewinne zunehmend aus den Industriebeteiligungen. Für die glücklichen Aktionäre von Precision Castparts könnte damit nun auch die Zeit zum Ausstieg gekommen sein. Spätestens, wenn der Kurs über dem von Buffett gebotenen Preis liegt, sollten Aktionäre verkaufen. Schließlich gilt das sogenannte „Buffetting“ als seine notorische Verhandlungstaktik. Der erste genannte Preis ist dabei immer auch der letzte. Wenn sich eine Seite bewegen muss, ist es stets die Gegenseite.

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