Grafik der Woche – ETFs: All or nothing?

„All or nothing days“ im S&P 500-Index mit einem Rekordhoch seit 1990

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Quelle: BESPOKE Investment Group

Exchange Traded Funds (ETF) haben sich in den vergangenen Jahren einen guten Ruf erarbeitet. Dafür sorgen Vorteile wie Transparenz, Sicherheit, Risikostreuung und vor allem günstigere Kosten als bei Fonds. Doch jüngst wurde deutlich, dass ETFs auch ihre Schattenseiten haben. Deutlich wurde dies beispielsweise am 24. August. An diesem Tag standen die Kurse weltweit bekanntlich gehörig unter Druck. An der Wall Street verlor der Dow Jones Industrial Average zu Handelsbeginn in der Spitze 6,6%, einige Aktien wie General Electric oder PepsiCo sackten kurzzeitig um rund 20% ab. Doch all das wurde in den Schatten gestellt durch das, was gleichzeitig bei einigen ETFs passierte. Denn einige dieser Konstrukte verloren phasenweise sogar mehr als 40%, obwohl sie eigentlich nur die zu Grunde liegenden Indizes abbilden sollten.

Fragen knüpfen sich aber nicht nur daran, sondern auch an die Häufigkeit, mit der jüngst beim S&P 500 Index so genannte „all or nothing days“ zu beobachten waren. Gemeint sind damit Handelstage, an denen mehr als 80% der im S&P 500-Index enthaltenen Aktien in die gleiche Kursrichtung ausschlagen, also entweder steigen oder fallen. Laut Bespoke Investment gab es seit 1990 keine 15-tätige Handelsperiode mit so vielen „all or nothing days“, wie das kürzlich der Fall gewesen ist. Das passt zur Beobachtung, wonach Handelstage mit einer derart hohen gleichgerichteten Kursentwicklung bei vielen Aktien erst seit der Jahrtausendwende häufiger auftreten. Weil das mit der wachsenden Popularität der ETFs einhergeht (wie die Grafik unten zeigt, ist etwa der Anteil der Aktien-ETFs an den gesamten Aktieninvestments der Kunden der Bank of America Merrill Lynch in den vergangenen 10 Jahren von 2% auf 9% gestiegen), liegt der Verdacht nahe, dass diese Konstrukte zu der Entwicklung beigetragen haben.

Stimmt diese Annahme, dann drohen künftige in schwierigen Zeiten steigende Volatilitäten. Als Anleger sollte man sich dieser Gefahr bewusst sein und auch darüber, dass ein an sich sinnvolles Instrument wie ETFs zu einem Systemrisiko werden kann, wenn der Einsatz überhandnimmt.

Anteil der Aktien-ETFs an den gesamten Aktieninvestments der BofAML-Kunden

Quelle: BofAML Global Investment Strategy

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