Löcher in der Matrix – Sportlich ins Chaos

RTEmagicC_Matrix_mit_Loch„Destroy Order. Cause Chaos.“ (Adidas-Kampagne, September 2015)

Der Spitzensport ist im Wesentlichen eine Veranstaltung der Elite für die Masse. Die Helden der Stadien dienen als Projektionsfläche für Amateure und die „Couch Potatoes“ vor der Mattscheibe. Daneben bietet die große Show – üppig alimentiert mit den Zwangseinnahmen des Staatsfunks – vor allem Zerstreuung und Ablenkung – von den Sorgen des Alltags und von den Winkelzügen der Politik. In der bewährten Herrschaftsformel „Brot und Spiele“ sind Sportfunktionäre und Athleten seit Generationen für die Spielkomponente zuständig.

Die Nähe zur Macht ergibt sich da ganz zwanglos. Nicht nur, weil sich Politiker gerne auch einmal mit erfolgreichen Menschen ablichten lassen. Aufgrund der hohen, mittels Dauerberichterstattung wachgehaltenen Aufmerksamkeit, ist der Spitzensport zudem die ideale Plattform, um jene Botschaften unter das Volk zu streuen, die man aus Politikermund nicht wahr- und schon gar nicht ernstnehmen würde. Die zeitgemäße Form des „Unter-das-Volk-Streuens“ ist das Einhämmern durch Wiederholung in der Endlosschleife. „Respect“ ist eine dieser Kampagnen. Wobei hier nicht die Anerkennung außergewöhnlicher Leistungen gemeint ist, sondern eine Geisteshaltung des „Schön, dass Du da bist“, die das Zusammenleben verschiedener Menschen erleichtern soll.

Auch die Sportartikel-Hersteller versuchen sich und ihre Produkte mit kurzen Botschaften ins Gedächtnis des Publikums einzubrennen. Wenn man schon nicht spielt wie Müller, dann trägt man doch wenigstens das gleiche Shirt. Manche dieser Botschaften sind äußerst kraftvoll und können – weit über Sportartikel hinaus – eine positive Wirkung bei den Empfängern entfalten. Nikes legendäres „JUST DO IT.“ ist ein solches Mantra, das bei den Zauderern dieser Welt durchaus Positives bewirkt haben kann.

Umso mehr fragt man sich, was den Konkurrenten Adidas bei seiner aktuellen Kampagne geritten hat? Aufmerksamkeit um jeden Preis, nach der Erkenntnis der Werbebranche, dass es egal sei, ob eine Botschaft positiv oder negativ ist, Hauptsache die Marke wird erinnert? Auf den Bahnhöfen ist aktuell „DESTROY ORDER“ („Zerstöre die Ordnung“) plakatiert, so als ob die Ordnung dort nicht bereits genug beschädigt wäre. Auf der Website geht man sogar noch einen Schritt weiter: „DESTROY ORDER. CAUSE CHAOS.“ („Zerstöre die Ordnung. Verursache Chaos.“). Na, Bravo! Da hat aber mal jemand genau den Zeitgeist getroffen. Einzig Angela Merkel ist möglicherweise betrübt, dass ihr ein Slogan weggeschnappt wurde, der ihre Politik wie kein zweiter charakterisiert und mit dem sie glaubhaft in den nächsten Bundestagswahlkampf hätte ziehen können. Vielleicht steckt aber auch mehr dahinter und die Beziehungen zwischen Politik, Spitzensport, Industrie und Staatsfunk sind noch viel enger, als allgemein sichtbar?

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