Grafik der Woche – Entschuldung! Welche Entschuldung?

Ländervergleich der privaten Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt vom 1. Quartal 2008 bis zum 1. Quartal 2015 (in Prozentpunkten vom Bruttoinlandsprodukt)

Grafik

Quelle: BIZ, Citi Research

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2007 ist allerorten viel von der Notwendigkeit die Rede, den Gürtel enger zu schnallen und eine breit angelegte Entschuldung auf allen Ebenen anzustreben. Doch bei genauer Hinsicht zeigt sich zumindest im Privatsektor oft genau das Gegenteil. Schenkt man der aus einer Studie von Citigroup Research entnommenen Grafik oben Glauben, hat der Privatsektor nur in einigen wenigen Ländern seit dem 1. Quartal 2008 Schulden – gemessen am Anteil am Bruttoinlandsprodukt – abgebaut. Angeführt werden diese Länder von Großbritannien, aber auch in den USA tilgten die privaten Haushalte in diesem Zeitraum Schulden.

In den meisten anderen Ländern dagegen ist der Anteil der Privatverschuldung bis zum 1. Quartal 2015 dagegen weiter munter gestiegen. Das trifft nicht nur auf die Staaten der Euro-Zone zu, sondern allen voran auf sehr viele Schwellenländer. „Ein De-Leveraging fand im privaten Sektor (vor allem bei Unternehmen) der Schwellenländer seit der Finanzmarkt-Krise nie statt. Tendenziell wurde die Verschuldung sogar massiv ausgeweitet, sodass das sich das fundamentale Bild ebenfalls fragil präsentiert“, klagt deshalb Miraji Othman, Senior Credit Strategist bei der BayernLB.

Angeführt wird die Citigroup Research-Liste der „Schulden-Sünder-Staaten“ von Hongkong und China. Dort ist die Verschuldung im Privatbereich (Haushalte und Nicht-Finanz-Unternehmen) mit Zuwachsraten von rund 100% bzw. rund 80% förmlich explodiert. Für China rechnet Citigroup Research basierend auf Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) dabei folgendes vor: Im Reich der Mitte ist die unkonsolidierte Bruttoverschuldung im Privatsektor von den im 4. Quartal 2008 registrierten 117% – gemessen am Bruttoinlandsprodukt – bis zum 1. Quartal 2015 auf 198% gestiegen. Damit bewegt sich diese Relation in China inzwischen über den für die USA und die Euro-Zone angegebenen privaten Verschuldungsgraden von 147% und 167%.

Der in einem Zeitraum von 25 Quartalen gemessene Anstieg von 81%-Punkten fällt zudem deutlich stärker aus, als dies vor Ausbruch der Finanzkrise mit jeweils plus 30% in den USA und der Euro-Zone der Fall gewesen ist. Eher vergleichbar ist die Entwicklung mit der in Spanien, wo vom 2. Quartal 2001 bis zum 2. Quartal 2007 ein Anstieg der Privatverschuldung von 119% auf 202% und damit um 83%-Punkte zu verbuchen war.

Vor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, ob es China gelingen wird, sich ohne größere Krise durch die aktuell auch konjunkturell schwierigere Zeit zu manövrieren. Glaubt man an die These, wonach der Grad, bis zu dem eine steigende Verschuldung das Wachstum noch ankurbelt, in China längst überschritten ist, wird sich Peking nun vermutlich dauerhaft auf deutlich niedrigere Wachstumsraten einstellen müssen.

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