Aktien Update – Deutsche Bank AG

Die Deutsche Bank AG (akt. Kurs 25,89 EUR, WKN 514000) hat in der vergangenen Woche bekanntgegeben, Belastungen zu erwarten, die das Ergebnis des 3. Quartals „erheblich“ belasten würden. Konkret geht es um 7,6 Mrd. EUR, nämlich 5,8 Mrd. EUR aus den beiden Kerngeschäftsbereichen, 0,6 Mrd. EUR Abschreibung auf die Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank sowie Rückstellungen für Rechtstreitigkeiten in Höhe von 1,2 Mrd. EUR – die Deutsche Bank ist schließlich schon lange Anwalts‘ Liebling. Damit ist natürlich auch das Ergebnis nach neun Monaten tief in den roten Zahlen.

Die Wertminderung des Geschäfts- oder Firmenwerts, der immaterieller Vermögenswerte sowie der Hua Xia-Beteiligung würde keinen signifikanten Einfluss auf die regulatorischen Kapitalquoten der Deutschen Bank haben, wurde betont. Die Deutsche Bank erwartet derzeit zum Ende des dritten Quartals eine harte Kernkapitalquote von rund 11%. Auf der Basis der Belastungen erwartet die Bank, für das dritte Quartal 2015 einen Verlust vor Steuern von rund 6,0 Mrd. EUR und einen Verlust nach Steuern von 6,2 Mrd. EUR. Für die ersten neun Monate soll sich der Verlust auf 3,3 vor Steuern und auf 4,8 Mrd. EUR nach Steuern belaufen, bei 1,37 Mrd. ausstehenden Stücken also ein herber Verlust pro Aktie.

Für die Aktionäre bedeutet die Meldung nicht wirklich frohe Kunde: „Als Teil der Planung zur Umsetzung der Strategie 2020 wird der Vorstand eine Reduzierung oder einen Ausfall der Dividende auf Aktien der Deutschen Bank für das Geschäftsjahr 2015 vorschlagen“ heißt es abschließend.

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SI-Kommentar:

Normalerweise rauscht ein Kurs ja gnadenlos ab, wenn statt eines Milliardengewinns ein Milliardenverlust nach neun Monaten zu Buche steht. Das Papier der Deutschen Bank allerdings ist seit der Meldung sogar leicht gestiegen. Heißt: Investoren hatten mit noch schlechteren News gerechnet. Langjährig investierte Anleger, die der Aktie trotz schlechter News und Skandale seit Jahren die Treue halten, erschüttert ohnehin nichts mehr.

Offensichtlich hat sich die Ansicht mehrheitlich durchgesetzt, der neue Chef John Cryan setze auf eine bewährte Strategie, nämlich alle Risiken, der man vorsorglich Herr werden können, also die vielzitierten Leichen im Keller, zu bilanzieren. Die Verluste sind so dem neuen Mann nicht anzukreiden, gleichzeitig ist so der Boden bereitet, fürderhin leuchtende Ergebnisse vorzulegen. Nun, wenn sich die Anleger da mal nicht täuschen.

Denn die Risiken aus etlichen Jahren lassen sich nun einmal nicht in eine einzige Quartalsabrechnung pressen. Verwiesen sei hier auf die Analyse in der Juni-Ausgabe des Smart Investor, in der wir unter anderem die riesige Derivatposition der Bank analysiert haben. Hier geht es um existentielle Risiken. Größenordnungen, gegen die der aktuelle Verlust wie eine Bagatelle aussieht. Trotz des gigantischen Verlusts weist die Bank außerdem darauf hin, dass gerade im Bereich der Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten die Summe noch durchaus höher ausfallen könnte.

Realistischerweise muss daher davon ausgegangen werden, dass noch einige Gewinnwarnungen ins Haus stehen könnten. Für Anleger gilt daher nach wie vor keine Entwarnung, um die Aktie dieser „Black Bock“ sollte alleine schon aufgrund von Transparenzgründen ein Bogen gemacht werden.

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