Grafik der Woche – Aus 1 mach 2 = nicht immer 3

Überrendite von US-Spin-Offs (1990 bis 2015)1Quelle: Source For Alpha (Deutschland) AG

Seit Anfang Oktober ist der frühere Kunststoff-Geschäftsbereich von Bayer, Covestro, nach einer Abspaltung von der Mutter als eigenständige Gesellschaft börsennotiert. In den ersten Handelstagen hat die Aktie des Herstellers von Hightech-Polymerwerkstoffen auch gleich gegenüber dem Ausgabepreis von 24 Euro zugelegt. Dies nährt die Hoffnung der Anleger auf eine ähnlich gute Kursentwicklung, wie zuletzt bei der Abspaltung von Osram durch Siemens im Sommer 2013 oder von Lanxess durch Bayer im Jahr 2005.

Geschürt werden die Erwartungen auch durch historisch positive Erfahrungen. Hat die empirische Kapitalmarktforschung doch gezeigt, dass sich Spin-Offs im Durchschnitt deutlich besser entwickeln als der Vergleichsindex. Das bestätigt der Chart oben, zu dem Vorstand und Fondsmanager Christian Funke vom Vermögensverwalter Source For Alpha (Deutschland) AG folgendes erklärt: „Die zu untersuchende Stichprobe umfasst 306 Spin-Offs, welche seit 1990 am amerikanischen Markt durchgeführt wurden. Gezeigt wird die durchschnittliche Überrendite der untersuchten Spin-Offs gegenüber dem gleichgewichteten S&P 500-Index. Im ersten Jahr nach der Abspaltung weisen die Spin-offs eine Outperformance von 10,4% auf. Für das Folgejahr ist die Rendite deutlich kleiner, beträgt aber immer noch 8,4%.

Trotzdem mahnt Funke auch zu einer gewissen Vorsicht: Die Kapitalmarktforschung habe gezeigt, dass der langfristige Erfolg der Tochterunternehmen entscheidend von der Art der Abspaltung abhängt. Diesbezüglich unterscheiden sich Osram und Lanxess fundamental von Covestro, so Funke. Bei Osram und Lanxess erfolgte eine vollständige Abspaltung in Form einer sogenannten Aktiendividende, bei der jeder bestehende Aktionär neue Aktien der Tochtergesellschaft erhielt und die Muttergesellschaft keinen Emissionserlös erzielt. Diese Form der Abspaltung wird in der Finanzliteratur als Spin-Off bezeichnet. Beim Börsengang (IPO) von Covestro handele es sich dagegen um einen sogenannten Equity Carve-Out. Hierbei verkauft der Mutterkonzern einen Teil der Tochtergesellschaft im Zuge eines IPOs über die Börse und erzielt einen Emissionserlös, behält jedoch üblicherweise die Mehrheit der Aktien.

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