Grafik der Woche – US-Zinsen kein Gift für den Euro

Die erste Zinserhöhung war für den US-Dollar zuletzt stets ein Verkaufssignal

Quelle: Cannacord Genuity

Der US-Dollar hat nach einer kleinen Auszeit zuletzt gegenüber vielen anderen Weltwährungen wieder zugelegt. Deutlich macht dies ein USD-Index, der die Wertentwicklung des Dollars gegenüber sechs anderen Weltweltwährungen zeigt. Denn dieser bewegt sich nahe dem höchsten Stand seit 2003. Auch zum Euro hat sich die US-Devise zuletzt wieder in Richtung des Mitte März bei gut 1,05 EUR aufgestellten Mehrjahrestiefs in Bewegung gesetzt.

Geht es nach dem Urteil vieler Teilnehmer am Devisenmarkt, dann ist aber auch diese wichtige Haltemarke höchstens ein Zwischenstopp auf dem weiteren Weg nach unten für die europäische Einheitswährung. Begründet wird diese Haltung nicht zuletzt mit der nun möglichweise im Dezember anstehenden US-Leitzinswende. Die auch am Devisenmarkt sehr einflussreiche Investmentbank Goldman Sachs sagt mit Blick auf dieses Ereignis eine sich beschleunigende Schwächephase für den Euro voraus. Schon zum Jahresende könnte dadurch die Parität, also ein Wechselkurs von einem Euro zu einem Dollar erreicht werden. In den ersten Monaten 2016 wird der Wechselkurs dann sogar nur noch bei 0,95 EUR gesehen.

Ein Eintreffen dieser Prognose am oftmals etwas eigenwillig ausschlagenden Devisenmarkt ist natürlich nicht ausgeschlossen. Das reflexartig vorgetragene Argument, dass eine Zinserhöhung durch die Fed fast zwangsläufig einen starken Dollar nach sich ziehen müsse, hält in dieser eindimensionalen Form einer Überprüfung der tatsächlichen Entwicklung in der Vergangenheit allerdings nicht stand.

Zumindest dann nicht, wenn als Ratgeber die jüngsten vier Zinswenden in den USA (2004, 1999, 1994 und 1986) herangezogen werden. Denn laut der Studie des kanadischen Brokers Canaccord Genuity zeigt sich, dass bei der US-Dollar-Index (schwarze Linie) das Ereignis einer ersten US-Zinserhöhung (eingezeichnet mit Hilfe der vertikalen Linie) als Signal zum Verkauf genutzt wurde. Jedenfalls ist der US-Dollar-Index in den letzten vier Fällen jeweils im Wert gesunken, obwohl sich die Differenz zwischen den Fed Funds und den Reposätzen in Europa anschließend zumeist deutlich ausgeweitet hat.

Trotz dieser klaren Botschaft gibt es natürlich an den Finanzmärkten keine Garantie für eine Wiederholung historischer Entwicklungen. Spannend wird aber auf jeden Fall zu beobachten sein, wie die Kursreaktionen am Devisenmarkt auf eine US-Zinserhöhung ausfallen werden. Zumal gleichzeitig die Europäische Notenbank ihren expansiven geldpolitischen Kurs gleichzeitig sogar noch verstärken dürfte, was in dieser Konstellation alles andere als der Normalfall ist.

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