Grafik der Woche – Letzter Joker auf dem Tisch

Die EZB konnte der Versuchung nicht widerstehen und hat am vergangenen Donnerstag die Geldpolitik noch weiter gelockert. Am Aktienmarkt verpufft die betriebene Politik allerdings schon seit längerem.

Europäische Aktien notieren unter dem Stand bei Aufnahme der quantitativen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen (EuroStoxx 50-Index)

GrafikWenn die Europäische Zentralbank (EZB) wie vergangenen Donnerstag einmal mehr die geldpolitischen Schleusen öffnet, dann geht es zumindest offiziell um folgendes: Die Banken sollen dazu gebracht werden, wieder mehr Kredite zu vergeben und so die Konjunktur in Europa anzukurbeln.

Am Aktienmarkt aktive Anleger dürften gleichzeitig nicht nur insgeheim hoffen, von dem Treiben über steigende Kurse zu profitieren. Schließlich erscheint die Annahme plausibel, dass viele Akteure bei Nullzinsen oder sogar Negativzinsen lieber Geld in Dividendenpapiere stecken, als es bar zu halten.

Zeitweilig ging diese Rechnung auf, doch inzwischen scheint der Zaubertrank seine Wirkung verloren zu haben. Der EuroStoxx 50-Index notiert jedenfalls trotz der jüngsten Erholung noch immer deutlich unter dem Stand vom März 2015, als die EZB effektiv mit ihren quantitativen Lockerungsmaßnahmen begann.

Weil die Marktteilnehmer oft sprunghaft agieren, kann sich die Loslösung der Kurse von den Aktionen der EZB zwar auch jederzeit wieder ändern. Momentan zeigen die Maßnahmen der EZB aber keine durchschlagende kursbeflügelnde Wirkung mehr. Und wenn eine einfach klingende Rechnung schon am Aktienmarkt nicht aufgeht, dann bleibt erst Recht abzuwarten, ob sich in einer komplexen Volkswirtschaft die erhofften Wirkungszusammenhänge einstellen werden.

Zumindest eine Portion Skepsis scheint hier angebracht zu sein. Zumal die expansive Geldpolitik die Gefahr birgt, dass die eigentlich für eine langfristige Aufhellung der volkswirtschaftlichen Perspektiven nötigen Reformen auf die lange Bank geschoben werden.

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